Ratgeber5 Dinge, die Sie über Abfindungen wissen sollten

Abfindungen sind keinesfalls der Normalfall.
Abfindungen sind keinesfalls der Normalfall. Getty Images

Kündigt Ihnen Ihr Arbeitgeber, haben Sie anders als oft angenommen nicht automatisch Anspruch auf eine Abfindung. Eine einmalige Geldzahlung des Arbeitgebers an den ausscheidenden Arbeitnehmer hat meist besondere Gründe. Muss oder will ein Unternehmen radikal und in großer Zahl Stellen streichen, obwohl die Mitarbeiter Kündigungsschutz genießen, sollen diese beispielsweise mit einer Entschädigungszahlung dazu gebracht werden, freiwillig das Feld zu räumen. Doch wie viel Geld steht wem wann zu?

Diese 5 Sachen sollten Sie zum Thema Abfindung wissen.

# 1 Rechtslage

Zwar sieht das Arbeitsrecht keinen Anspruch auf eine finale Einmalzahlung vor. Viele Angestellte ziehen nach einer Kündigung jedoch vor das Arbeitsgericht – was nicht selten damit endet, dass das Unternehmen den Mitarbeiter wiedereinstellen muss. In der Regel muss dem Kläger dann auch der Lohn für die Zeit des laufenden Rechtsstreits nachgezahlt werden, obwohl er in der Zeit nicht gearbeitet hat. Um die mit einem Prozess verbundenen Risiken zu umgehen, zahlen Firmen oftmals lieber eine Abfindung, die per Aufhebungsvertrag geregelt wird. Auch bei betriebsbedingter Kündigung hängt eine mögliche Abfindung unter anderem vom Willen des Arbeitgebers ab.

# 2 Höhe der Zahlung

Millionenbeträge sind den Big Bossen der Wirtschaft oder gescheiterten Fußballtrainern vorbehalten. Für alle anderen sind Abfindungen zwischen einem halben und einem Bruttogehalt pro Beschäftigungsjahr üblich. Nicht selten wird Stillschweigen über die konkrete Summe vereinbart. Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung müssen von einer Abfindung aber nicht abgeführt werden.

# 3 Verhandlungsmöglichkeiten

Nicken Sie nicht die erste genannte Summe ab. Vor allem dann nicht, wenn sie Jahre oder gar Jahrzehnte in der Firma gearbeitet haben. Schließlich war es nicht Ihr Wunsch, das Unternehmen zu verlassen und auf Jobsuche zu gehen. Auch Alter, Familienstand, Jobperspektiven und Branche sind Faktoren, die Einfluss auf die Höhe der Abfindung haben können. Vor allem wenn Sie eine Berufsrechtsschutzversicherung haben, sollten Sie überlegen, einen Anwalt einzuschalten. Hat dieser zum Beispiel rechtliche Zweifel am Kündigungsgrund, kann das den Verhandlungsspielraum deutlich nach oben erhöhen.

# 4 Arbeitslosengeld

Von einer Abfindung müssen Sie nicht monatelang – beziehungsweise bis Sie einen neuen Job haben – Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Anspruch auf Arbeitslosengeld in voller Höhe haben Sie trotzdem – allerdings erst nach Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist.

# 5 Steuern

Durch die Einmalzahlung Ihres früheren Arbeitgebers kann sich Ihr Jahresbruttoverdienst erhöhen. Das bedeutet, Sie müssen theoretisch mehr Steuern zahlen beziehungsweise nachzahlen. Im deutschen Steuerrecht gibt es jedoch die sogenannte Fünftelregelung für außerordentliche Einkünfte. Derzufolge wird so gerechnet, als wäre die erhaltene Summe über fünf Jahre verteilt gezahlt worden.