WohnenZukunftstrend Co-Living

In einem sogenannten Community Raum in einem neugebauten Wohnquartier des WG-Anbieters Medici Living unter der Marke „Quarters“ steht eine Couch in der Ecke.
In einem sogenannten Community Raum in einem neugebauten Wohnquartier des WG-Anbieters Medici Living unter der Marke „Quarters“ steht eine Couch in der Ecke.dpa

Co-Living – gemeinsames Wohnen – klingt zunächst wie ein neudeutscher Begriff für das klassische Konzept der Wohngemeinschaft. Doch wer ein Zimmer in einem Co-Living-Apartment mietet, bekommt eine Art „All-Inclusive“-Paket und kann, ähnlich wie in einem Hotel, ohne großen Aufwand sofort einziehen. Die Zimmer sind möbliert und die Anbieter versprechen, Nebenkosten und Reparaturen zu übernehmen, sich um Rundfunkgebühren, Internetanschluss und um die Abwicklung jeglicher Modalitäten beim Einzug zu kümmern. Bei vielen Angeboten ist sogar die Reinigung im Pauschalmietpreis inklusive.

Eine genaue Definition für Co-Living-Spaces gibt es nicht. Einige Anbieter legen Mindestmietzeiträume von drei Monaten fest, andere funktionieren ähnlich wie Sharingangebote à la Airbnb und lassen eine hohe Fluktuation der Mieter zu. In der Regel sieht das Co-Living-Konzept vor, dass Bewohner mit gemeinsamen Interessen oder Berufen in einer Gruppe zusammenleben. Denn die Mieter teilen sich meist nicht nur Küche, Bad und Wohnzimmer, sondern benutzen auch ein gemeinsames Co-Working-Space direkt im Gebäude. Auch gemeinsame Freizeitangebote wie ein Inhouse-Kino oder Yogakurse sollen das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner steigern. Natürlich hat so viel Komfort seinen Preis: Je nach Angebot kostet ein Einzelzimmer mit 15 Quadratmeter Wohnfläche in einem Berliner Co-Living-Apartment zwischen 500 und 900 Euro pro Monat.

Investitionsmöglichkeiten

Zu den größten Anbietern in Deutschland zählen die Medici Living Group und Homefully. Medici betreut eigenen Angaben zufolge 1300 Wohneinheiten – und die seien im Schnitt zu 96 Prozent ausgelastet, gibt der Anbieter an. Homefully betreut laut Website 850 Mieter und 225 Einheiten. Weitere große Player hierzulande sind die Anbieter Habyt und Rent24, allerdings vermieten beide zurzeit ausschließlich in Berlin. Für Immobilieninvestoren gibt es zwei Möglichkeiten, in den Co-Living-Markt einzusteigen. Zum einen können Eigentümer ihre Objekte über einen der Anbieter managen lassen. Dazu müssen die Wohnungen bestimmte Standards erfüllen. Zentrale Lage in einer Großstadt und eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind in jedem Fall ein Muss.

Erfüllt ein Apartment alle Voraussetzungen, mietet der Anbieter es und erspart dem Eigentümer die Mietersuche. Auch Neubauprojekte in Zusammenarbeit mit Co-Living-Firmen sind möglich. Alternativ können Investoren auch Kapital in einem Fonds anlegen, der auf Co-Living spezialisiert ist. Union Investment bietet etwa einen Fonds in der Anlageklasse „Micro-Living“, einer Überkategorie für modernes, urbanes Wohnen auf engem Raum. Die Corestate Capital Group investiert ebenfalls in Co-Living.

Der Markt wächst

Eine Studie des amerikanischen Immobilienberaters Cushman & Wakefield prognostiziert, dass der Anteil an Single-Haushalten in Deutschland bis zum Jahr 2035 von 42 auf 44 Prozent zunehmen wird. Viele dieser Menschen suchen nach Gemeinschaft. Mit zunehmender Urbanisierung steigt gleichzeitig der Bedarf an kleinen Apartments in den Großstädten. Mit nahezu drei Millionen Studenten ist Deutschland außerdem der am schnellsten wachsende Studentenmarkt Europas. Zudem ändern sich die Bedürfnisse junger Berufstätiger: Es gibt immer mehr digitale Nomaden, die ortsunabhängig arbeiten und sich nicht für lange Zeit an einen Wohnort binden wollen. In Summe steigt damit die Zahl der Menschen, für die Co-Living-Konzepte interessant sein könnten.

Der Markt ist allerdings noch jung, und Experten sind mit Prognosen vorsichtig. „Es fehlen Erfahrungswerte, um Aussagen darüber treffen zu können, ob der Trend wirklich Zukunft hat“, sagt Felix Embacher, Bereichsleiter bei der Immobilienberatung Bulwiengesa. Aktuell sieht er in Co-Living eher einen Hype als eine nachhaltig wachsende Asset-Klasse. „Von den Anbietern, die bislang mit großen Ambitionen gestartet sind oder gerade auf den Markt kommen, werden in fünf Jahren nur wenige übriggeblieben sein“, schätzt Embacher. Das habe die Erfahrung aus anderen Immobilien-Investmenttrends wie etwa bei Studentenappartements bereits gezeigt. „Wer auf hohe Renditen spekulieren will, kann jetzt einsteigen“, sagt der Immobilienexperte. „Er muss aber auch die schwer kalkulierbaren Risiken eines neuen, noch nicht etablierten Geschäftsmodells eingehen.“