MietrechtWie warm muss es in der Mietwohnung sein?

Im Winter haben es auch Katzen gerne warm
Im Winter haben es auch Katzen gerne warmPixabay

In den Wintermonaten gibt es kaum etwas Schöneres, als von draußen ins warme Zuhause zu kommen und bei einer Tasse heiße Schokolade den Tag ausklingen zu lassen. Doch was ist, wenn das Wohnzimmer trotz voll aufgedrehter Heizung bitterkalt bleibt? Welche Pflichten haben Mieter und Vermieter? Und stimmt es eigentlich, dass die Wohnung abends kühler sein darf als tagsüber? Ein Überblick über die wichtigsten Streitfragen rund ums Thema Heizen.

Wann muss die Heizung anspringen?

Üblicherweise beginnt die Heizsaison im Oktober und endet am 30. April. Das bedeutet allerdings nicht, dass man zuhause frieren muss, nur weil die Temperaturen schon im September ungemütlich werden. Denn der Vermieter muss auch außerhalb der Heizsaison dafür sorgen, dass der Mieter es in seiner Wohnung warm genug hat, sagt der Mieterbund Berlin – und zwar, wenn die Zimmertemperatur tagsüber unter 18 Grad Celsius sinkt und absehbar ist, dass sich daran in den nächsten zwei bis drei Tagen nichts ändert. Sinkt die Raumtemperatur gar unter 16 Grad Celsius, muss die Heizung sofort einsatzbereit sein – sonst darf der Bewohner die Miete mindern.

Welche Temperaturen muss die Heizung schaffen?

Hier sind sich die Gerichte nicht ganz einig. Für das Wohnzimmer beispielsweise hält das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin 21 Grad Celsius für ausreichend. Das Landgericht (LG) Berlin hat dagegen eine höhere Kältetoleranz: Hier entschieden sich die Richter für 20 Grad als Untergrenze im Wohnzimmer. Auch im Badezimmer (23 Grad) mögen es die Richter des OVG wärmer als ihre Kollegen vom Landgericht (21 Grad). Nebenräume dürfen in der Regel etwas kühler sein als das Wohnzimmer. Je nach Gericht sind in Schlafzimmer, Küche oder Hausflur Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad akzeptabel.

Vorsicht: Vermieter können sich auf diese Grenzwerte nicht pauschal verlassen. Bei der zulässigen Mindesttemperatur kommt es nämlich stark darauf an, wie der Mieter den jeweiligen Raum nutzt. In einem Zimmer, in dem tagsüber ein Kind spielt, ist eine höhere Temperatur angemessen als in einer Küche, die man nur kurzfristig zum Kochen nutzt. Als Faustregel für Vermieter gilt daher: Die Bewohner sollten ihre Räume tagsüber auf mindestens 20 Grad heizen können.

Muss die Wohnung auch nachts warm sein?

Nein. Laut Amtsgericht Hamburg reicht es, wenn der Vermieter von 7 bis 23 Uhr für Wärme sorgt. Nachtaktive müssen sich zwischen Mitternacht und Morgengrauen mit 16 (Amtsgericht Berlin), 17 (Amtsgericht Köln) oder 18 Grad (Landgericht Berlin) begnügen. Hier spielt es auch keine Rolle, ob es sich bei den Bewohnern um Schichtarbeiter oder Eltern von Säuglingen handelt. Wer in der Nacht friert, muss auf eigene Kosten einen Radiator kaufen oder – besser für Umwelt und Geldbeutel – einfach einen Wollpullover überziehen.

Worauf müssen Mieter beim Thema Heizen achten?

Für Mieter besteht keine pauschale Pflicht zum Heizen. Sie können also selbst entscheiden, ob sie in einer warmen oder in einer frostigen Wohnung leben. Mieter müssen allerdings dafür sorgen, dass die Wohnung im Winter mindestens so warm ist, dass die Leitungsrohre nicht einfrieren. Tun sie das nicht, müssen sie im Ernstfall den entstandenen Schaden ersetzen.

Was tun, wenn die Heizung defekt ist?

Der Vermieter muss dafür sorgen, dass die Heizung funktioniert. Wie bei allen Mängeln gilt auch hier: Mieter müssen Probleme schriftlich melden und eine Frist für deren Behebung setzen. Der Vermieter ist dann verpflichtet, die Anlage schnellstmöglich zu reparieren. Andernfalls darf der Mieter die Miete mindern oder in Extremfällen sogar ganz zu zahlen aufhören. Bevor Mieter auf eigene Faust die Miete mindern, sollten sie sich allerdings von einer Mieterberatung oder einem Rechtsanwalt beraten lassen.