MietrechtWas Mieter auf dem Balkon dürfen – und was nicht

Urlaub auf Balkonien

Wolkenloser Himmel und Temperaturen über 30 Grad: Auch in dieser Woche gibt der Sommer in weiten Teilen Deutschlands wieder Vollgas. Wer nicht das Privileg genießt, die heiße Jahreszeit im eigenen Garten verbringen zu können, freut sich wenigstens auf ein paar Stunden auf dem Balkon. Dort sind Mieter allerdings nur in den seltensten Fällen ungestört. Wenn die Wurst schön brutzelt, der Rauch zum Nachbarn rüber zieht und am Abend noch die Bässe der Party-Musik wummern, kann es zu hitzigen Diskussionen kommen. Was ist auf dem Balkon erlaubt – und wann haben Nachbarn und Vermieter tatsächlich ein Wörtchen mitzureden? Ein Überblick über die größten Streitthemen rund um den Balkon.

Pflanzen

Balkone und Terrassen sind Teil der vermieteten Wohnung. Entsprechend haben Mieter dort die gleichen Rechte und Pflichten wie in der Wohnung selbst. Dazu gehört auch die Freiheit, seinen Bal­­kon so einzurichten, wie man möchte. „Vermieter dürfen Mietern zur Gestaltung keine Vorschriften machen“, sagt Rechtsanwalt Steffen Radlbeck, der sich mit seiner Berliner Kanzlei unter anderem auf Mietrecht spezialisiert hat. Wer also auf seinem Balkon Orchideen züchten oder Tomaten pflanzen möchte, darf das tun. Allerdings müssen Mieter Pflanzen und Blumenkästen so befestigen, dass sie auch bei starkem Wind für Passanten und Nachbarn keine Gefahr darstellen. Andernfalls haften sie für den entstandenen Schaden. „Wer Balkonkästen an der Innenseite der Brüstung befestigt, ist in der Regel auf der sicheren Seite“, sagt Radlbeck.

Grillen

Die schlechte Nachricht für Barbecue-Fans vorweg: Ein Recht auf Open-Air-Brutzeln gibt es nicht. „Untersagt der Mietvertrag das Grillen auf dem Balkon, müssen sich Mieter daran halten“, sagt Rechtsanwalt Radlbeck. Auch eine entsprechende Klausel in der Hausordnung ist für Mieter verpflichtend. Missachten sie das Verbot, darf sie der Vermieter abmahnen, bei wiederholtem Verstoß droht gar die Kündigung. Gibt es im Mietvertrag oder in der Hausordnung keine konkreten Vorschriften, dürfen Mieter auf dem Balkon grillen – sofern sie die Nerven ihrer Nachbarn damit nicht überstrapazieren.

Wie viel zu viel ist, ist jedoch selbst unter Experten umstritten. In der Vergangenheit waren sich die Gerichte uneinig, wie häufig Nachbarn das Freiluft-Brutzeln im Jahr tolerieren müssen: Für das Bayerische Oberlandesgericht ist Grillen fünfmal jährlich zumutbar. Das Landgericht Stuttgart dagegen hält eine Grilldauer von maximal sechs Stunden pro Jahr für tolerierbar; das entspricht etwa sechs Grillabenden. Generell gilt: Wer sich Ärger mit den Nachbarn ersparen möchte, steigt am besten auf einen Elektrogrill um. Dabei geht zwar das urige Grillgefühl ein Stückweit verloren. Dafür produziert ein Elektrogrill aber auch weniger Rauch und Gerüche als ein Holzkohle- oder Gasgrill. Das schont die Nerven der Nachbarn.

Partys feiern

Zum Grillen auf dem Balkon dürfen Mieter selbstverständlich auch Freunde und Bekannte einladen. Musik ist grundsätzlich ebenfalls erlaubt, allerdings müssen Mieter Rücksicht auf die anderen Hausbewohner nehmen und dürfen sie nicht stören. Gelegentliches geselliges Zusammensein müssen Nachbarn hinnehmen, nicht aber nächtliches Feiern. Hier gilt: Die Nachtruhe beginnt um 22 Uhr, ab da muss der Gastgeber den Lärmpegel auf Zimmerlautstärke reduzieren. Wer sich nicht daran hält, riskiert nicht nur Ärger mit dem Vermieter, sondern auch eine Geldbuße wegen Lärmbelästigung. Verstöße gegen die Nachtruhe kosten je nach Bundesland und Schwere des Vergehens zwischen 35 und 1000 Euro.

Rauchen

Viele Mieter nutzen ihren Balkon, um dort zu rauchen. Das ist ihnen grundsätzlich erlaubt, sagt Rechtsanwalt Radlbeck – vorausgesetzt auch hier, dass sich andere Mieter dadurch nicht gestört fühlen. In diesem Fall können Nachbarn einen sogenannten Unterlassungsanspruch geltend machen, der das Rauchen auf dem Balkon zu bestimmten Zeiten verbietet. Um ein generelles Balkon-Rauchverbot für den Nachbarn durchzusetzen, muss der Kläger allerdings eine konkrete gesundheitliche Gefährdung nachweisen.

Wäsche trocknen

An heißen Tagen stellen Mieter gerne ihren Wäscheständer auf den Balkon. Doch was die einen freut, ärgert so manchen Nachbarn, der sich vom Anblick frisch gewaschener Unterwäsche gestört fühlt. Grundsätzlich gilt: Vermieter müssen ihren Mietern das Trocknen von Wäsche ermöglichen. Zwar können sie in der Hausordnung verbieten, Wäsche auf dem Balkon aufzuhängen. Gibt es allerdings im Haus nur wenige oder gar keine anderen Möglichkeiten zum Wäschetrocknen, haben Vermieter und Nachbarn kaum eine Chance, vor Gericht mit einer Klage durchzukommen. Mieter dürfen auch Vorrichtungen zum Wäschetrocknen auf ihrem Balkon aufstellen oder anbringen, beispielsweise Wäscheleinen. Sie müssen allerdings darauf achten, dass dadurch die Bausubstanz nicht beschädigt wird.

Nackt Sonnenbaden

Natürlich dürfen sich Mieter auf dem Balkon auch in die Sonne legen – dafür ist er ja da. Es ist auch grundsätzlich erlaubt, sich dort nackt aufzuhalten. Jedoch sollten Mieter darauf achten, dass der Balkon von außen – also etwa von der Straße oder von gegenüberliegenden Häusern aus – nicht einsehbar ist. Andernfalls könnte allzu viel Freizügigkeit unangenehme Konsequenzen haben. „Fühlen sich Nachbarn gestört, können sie dies vor Gericht als ‚Belästigung der Allgemeinheit‘ auslegen“, sagt Rechtsanwalt Radlbeck. Gleiches gilt für Intimitäten auf dem Balkon.

Wer nicht aufs textilfreie Sonnenbaden verzichten will, kann einen Sichtschutz oder ein Rankengitter anbringen, um sich vor den Blicken der Nachbarn abzuschirmen. Mieter müssen hier allerdings darauf achten, dass die Höhe der Balkonbrüstung nicht überschritten wird und dass das Mauerwerk intakt bleibt.