ImmobilienHaus gegen Bitcoin

Symbolbild: Hauskauf mit Bitcoin
Symbolbild: Hauskauf mit BitcoinGetty Images

Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in München-Bogenhausen im Wert von 550.000 Euro, rund 55 Quadratmeter, voll möbliert und renoviert – für 37,8 Bitcoin. Das Angebot stammt von Unternehmer und Investor Felix Haas, der die Wohnung im Dezember 2017 auf dem Online-Portal Immobilienscout24 inserierte. Für Haas war es ein Experiment: Er wollte herausfinden, ob es in Deutschland schon möglich ist, Immobilien gegen Krypto-Geld zu handeln. „Ein paar Bitcoin zu viel herumliegen?“, fragte Haas auf seiner Facebook-Seite mit einem Link zum Wohnungsangebot. Dutzende Interessenten meldeten sich bei dem Unternehmer, viele davon aus Asien.

Haas ist nicht der Einzige, der auf diese Weise am Bitcoin-Boom teilhaben möchte. Auf der Seite bitcoin-realestate.com finden sich Immobilien aus der ganzen Welt, die Käufer gegen Bitcoin erwerben können. Auch in Deutschland versuchen Hausbesitzer immer mal wieder, ihre Immobilie in Krypto-Geld umzuwandeln – derzeit zum Beispiel in Offenbach. Dort bietet ein Eigentümer seine 52 Quadratmeter große, im Jahr 2015 sanierte Souterrain-Wohnung per Internet für 215.000 Euro zum Kauf an und schreibt, dass er auch Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiere.

Höhenflug des Bitcoin jäh gestoppt

Dass Immobilienverkäufer allen Ernstes Bitcoin annehmen, lässt sich mit dem kometenhaften Aufstieg der Kryptowährung erklären. Im vergangenen Jahr brach der Bitcoin seine Höchstmarken geradezu in Serie und stieg von unter tausend auf einen Kurs von mehr als 20.000 US-Dollar. Der Höhenflug brachte einigen Menschen innerhalb kürzester Zeit sehr viel Geld. Immobilienbesitzer haben nun diese Krypto-Vermögenden offenbar als kaufkräftige Zielgruppe ausgemacht. Viele Bitcoiner wiederum dürften froh sein, ihren virtuellen Reichtum in reale Werte übertragen zu können.

Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Währung

BTC/USD (Bitcoin / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: Bitstamp

Mittlerweile hat sich der Kurs der Kryptowährung wieder mehr als halbiert. Stefan Wallrich, Vorstand der Frankfurter Vermögensverwaltung Wallrich Wolf Asset Management, ist indes überzeugt, dass Digitalwährungen so schnell nicht wieder verschwinden. „Sie werden an Relevanz gewinnen“, sagt er. Andere Experten sehen das ähnlich. Nicht wenige hoffen, dass der Rücksetzer zu Beginn dieses Jahres nur ein Stolperer war und dass Bitcoin bald zu neuen Höhen aufbricht. Diese Hoffnung treibt offenbar auch Immobilienbesitzer wie den Eigentümer in Offenbach an, der seine Wohnung trotz des Preisverfalls gegen Bitcoin feilbietet.

Als offizielles Zahlungsmittel sind virtuelle Währungen in Deutschland nicht zugelassen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat den Bitcoin als sogenannte Rechnungseinheit eingestuft, also als Finanzinstrument ähnlich wie Devisen. Aus Sicht der Aufseher sind die virtuellen Münzen rechtlich und steuerlich somit „privates Geld“. Bei Bitcoin-Geschäften gehen Käufer und Verkäufer allerdings keinen Kauf-, sondern einen Tauschvertrag ein. Sind sich beide Parteien einig, dass eine Immobilie gegen Bitcoins getauscht werden soll, kommt ein rechtskräftiger Handel zustande.

Enorme Wertschwankungen

Die Deutsche Bundesbank sieht Kryptowährungen ebenfalls als Tauschmittel. Den Begriff „digitales Geld“ für Bitcoin und andere Digitalwährungen meidet sie und spricht stattdessen von Krypto-Token, also digitalen Wertmarken. „Bitcoin besitzen keinen intrinsischen Wert, sondern nur einen Tauschwert“, stellte Carl-Ludwig Thiele Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, vor einiger Zeit klar. „Insofern stellt sich auch immer die Frage, was das ‚Guthaben‘ tatsächlich wert ist.“ Investoren müssten jederzeit mit hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust rechnen.

Das größte Problem sind auch für Immobilienverkäufer die enormen Wertschwankungen. Keine Zentralbank steuert den Wert von Digitalwährungen, also ergibt er sich lediglich aus Angebot und Nachfrage. Schwankungen von mehreren hundert Dollar pro Tag sind bei Bitcoin daher nichts Ungewöhnliches. Bisweilen geht der Kurs der Digitalwährung innerhalb weniger Tagen um mehr als tausend Dollar nach oben – nur um ebenso rasant wieder abzustürzen. Der Bitcoin-Preis, auf den sich Käufer und Verkäufer am Verkaufstag einigen, kann wenige Stunden später schon wieder viel zu niedrig angesetzt sein.

Das zeigt auch das Beispiel von Felix Haas: Die Zwei-Zimmer-Wohnung, die der Unternehmer im Dezember 2017 für 37,8 Bitcoin zum Verkauf anbot, wäre heute mehr als 80 Bitcoin wert. Hätte Haas damals zum angesetzten Preis verkauft und die Bitcoin gehalten, wäre er nun umgerechnet um fast 300.000 Euro ärmer. An die Zukunft von Kryptowährungen glaubt Haas trotzdem – wenn auch nicht unbedingt als Zahlungsmittel. Der Münchner Tech-Investor tüftelt derzeit an einer Idee, wie er mit Hilfe der Blockchain, der Technologie hinter Kryptowährungen, Immobilienkäufe sicherer gestalten kann.