ImmobilienDank Corona günstig zum Ferienhäuschen?

Ferienhaus an der deutschen Ostseeküste
Ferienhaus an der deutschen Ostseeküsteimago images / penofoto

Grenzen dicht, Bars und Restaurants geschlossen, strenge Ausgangsbeschränkungen in fast allen Ländern Europas: Noch vor wenigen Wochen war an eine Urlaubsreise im Sommer nicht einmal zu denken. Zwar treten immer mehr Lockerungen in Kraft, trotzdem kämpft die Tourismusbranche weiterhin ums Überleben. Viele Kunden haben geplante Reisen und Übernachtungen storniert. Neubuchungen bleiben wegen der anhaltenden Unsicherheit, ob und wann eine Reise ins Ausland wieder möglich sein wird, aus. Vermieter von Ferienimmobilien trifft die Pandemie besonders hart, weil sie ihre Finanzierung oft so knapp kalkulieren, dass bereits eine verkorkste Saison ausreicht, um das Haus oder die Wohnung am Urlaubsort verkaufen zu müssen.

Die Covid-19-Pandemie könnte die Preise für Ferienimmobilien in beliebten Urlaubsdomizilen bis zum Jahresende auf Talfahrt schicken, glauben Marktbeobachter. In Spanien rechnet das Immobilienunternehmen Donpiso mit einem durchschnittlichen Preisrückgang um bis zu 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für Italien geht das Forschungs- und Beratungsinstitut Nomisma von einem Minus von ein bis drei Prozent in diesem und einem Rückgang um drei bis zehn Prozent im kommenden Jahr aus. In Frankreich, Griechenland und der Türkei sieht es ähnlich düster aus. Auch dort rechnen Experten infolge der Krise mit stark fallenden Preisen für Ferienimmobilien.

Ferienimmobilien sind als Kapitalanlage begehrt

In Deutschland sieht es indes anders aus. Hierzulande könnte Corona die Preise von Ferienimmobilien sogar weiter in die Höhe treiben, sagen Experten. Der Grund: Die Pandemie führt voraussichtlich dazu, dass die Bundesbürger vermehrt im eigenen Land urlauben – und könnte so für einen Nachfrageschub bei Ferienhäusern und -wohnungen sorgen. „Neben einer kurzen Anreise, die ohne Flugzeug zurückgelegt werden kann, punktet Deutschland mit politischer Sicherheit und einem gut funktionierenden Gesundheitssystem“, sagt Kai Enders, Vorstand bei Engel und Völkers. Einmal im Jahr veröffentlicht das Maklerunternehmen zusammen mit dem Buchungsportal Fewo Direkt einen Report zur Lage und Rentabilität des deutschen Ferienimmobilienmarktes.

In der aktuellen Marktstudie spiegelt sich die Liebe der Deutschen zum eigenen Land gleich an mehreren Stellen wider. So befinden sich knapp zwei Drittel aller Ferienimmobilien der Deutschen im Inland. Die Preise sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Kostete eine Ferienimmobilie 2009 im Schnitt noch 183.000 Euro, waren es im vergangenen Jahr bereits 222.000 Euro. Die größten Preissprünge registrierten die Autoren an bisher relativ erschwinglichen Standorten wie Borkum, Grömitz oder St. Peter-Ording. Dort zogen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise um mehr als tausend Euro an. Wegen des niedrigen Zinsniveaus seien Ferienimmobilien als Kapitalanlage begehrt, erklärt Enders. Vor allem in beliebten Urlaubsregionen seien sie dank ihrer guten Vermietbarkeit ein attraktives Investment.

Betriebskosten nicht vergessen

Wer ein Ferienhäuschen nicht nur für eigene Urlaube, sondern als Kapitalanlage kaufen will, sollte allerdings sorgfältig durchrechnen, ob sich das tatsächlich lohnt. Viele Käufer von Ferienimmobilien versprechen sich üppige Einnahmen durch Vermietung. Doch die Realität sieht oft anders aus.

Durchschnittlich nehmen Ferienhausbesitzer im Jahr rund 12.800 Euro ein, zeigt die Marktstudie. Im Schnitt kommen sie so auf eine jährliche Rendite von 4,5 Prozent. Davon gehen jedoch noch die laufenden Betriebsausgaben ab – und die haben es in sich. Die Kosten können sich auf bis zu 40 Prozent der jährlichen Mieteinnahmen summieren, sagen Immobilienexperten des Analysehauses Bulwiengesa. Damit Vermieter unterm Strich auf eine akzeptable Rendite kommen, sollte die Immobilie im Schnitt mindestens 23 Wochen pro Jahr vermietet sein. Das schafft aber selbst in normalen Zeiten nur jeder dritte Vermieter.

 


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