GastbeitragBei Luxusimmobilien sind deutsche Metropolen im Kommen

Hamburg steht bei einer vermögenden Klientel hoch im Kurs
Hamburg steht bei einer vermögenden Klientel hoch im KursPixabay

Wenn von internationalen Städten gesprochen wird, dann werden im selben Atemzug sehr häufig die Metropolen New York, Paris, London, Barcelona oder Madrid genannt. Wer sich etwas gönnt, besitzt meist in einer dieser Städte ein schönes Ferienhaus oder eine Loftwohnung. Deutsche Städte rangierten demgegenüber in puncto Luxus bisher eher in der zweiten Liga. Doch das ändert sich gerade. Eine internationale Studie von Knight Frank hat die Aussichten von 100 Weltstädten für den Immobilienmarkt im Premium-Segment erforscht. Das stärkste Wachstum innerhalb eines Jahres weisen demnach Amsterdam und Seoul auf. Mit einem Wachstumsplus von zehn Prozent belegt Berlin bereits Platz 12, und das vor Städten wie Barcelona und Peking. Auch Hamburg steht international hoch im Kurs. Mitunter liegt diesem Erfolg ein positives Bevölkerungswachstum zugrunde. Bis 2035 soll laut Prognosen die hanseatische Bevölkerung um zehn Prozent zunehmen. Im selben Zeitraum wird für Berlin ein Wachstum um 15 Prozent erwartet. Damit würde erstmals die Hürde von vier Millionen Einwohnern überschritten.

Eine anspruchsvolle Klientel sucht nach Orten, in denen man das Angenehme wie eine komfortable Immobilie mit dem Nützlichen – wie einem geeigneten Job – gut verbinden kann. Die Käuferschicht von morgen wählt Städte nach ihrem Lifestyle und ihrer Innovationsfähigkeit aus. Gerade junge Menschen studieren und arbeiten am liebsten dort, wo sie Gleichgesinnte treffen. Dabei verschiebt sich der Begriff Weltstadt deutlich.

Berlin und Hamburg statt London

War einst London das europäische Mekka für die europäische Start-up-Szene, gibt es seit der Brexit-Entscheidung immer mehr Gründungen in Berlin und Hamburg. Denn wenn Großbritannien nicht mehr Teil der EU ist, könnten sich neue rechtliche Probleme ergeben.

Außerdem kostet ein größerer Büroraum in der Bundeshauptstadt nur etwa ein Fünftel der Londoner Preise. Gerade Flächen in den Metropolen, wie ein Coworking Space in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg oder ein Loft im Hamburger Szeneviertel St. Pauli sind begehrt und noch vergleichsweise preisgünstig. Dafür spricht auch die Zahl der Neugründungen und -niederlassungen von Unternehmen: Mit 253 Neugründungen in einem Zeitraum von drei Jahren ist Hamburg laut Gründungsmonitor der KfW-Spitzenreiter in Deutschland. Bezogen auf 10.000 Einwohner liegt die Hansestadt knapp vor Berlin mit 238 Neugründungen.

Erfolgreiche Start-ups bringen erfolgreiche Gründer hervor, die von überall aus der Welt nach Deutschland kommen. Neben Selbstnutzern richten auch internationale Investoren ihren Blick verstärkt auf deutsche Metropolen. Die Nachfrage nach Premium-Immobilien in den Elbvororten und in Blankenese sowie in Berlin-Zehlendorf, in Mitte und im Grunewald steigt, gleichzeitig wird auf die Stadtfläche gesehen das Angebot größer.

Innendesign wird noch vernachlässigt

Für den Vertrieb bedeutet es, sich im Wettbewerb der Anbieter bei der internationalen Kundschaft richtig zu positionieren. Es geht um Softskills bei der Beratung wie auch bei der Einrichtung. Während hohe Fenster und lichtdurchflutete Räume inzwischen ein Muss für jede Entwicklung im gehobenen Segment sind, wird dem Innendesign noch zu wenig Beachtung geschenkt. Allzu häufig werden Kunden durch klinisch weiße Räume geführt, da entsteht kein Identifikationspotenzial. Auch eigens erstellte Computergrafiken für kommende Entwicklungen wirken eher farblos und steril. Passendes Mobiliar, eine gut ausgestattete Wohnküche sowie Fußbodenheizungen unter hellem Parkett gehören zur Standardausrüstung.

Nun ist ein Vertrieb kein Innenarchitekturbüro, aber er kann Verknüpfungen herstellen. Er unterstützt Bauträger und Architekten beim Innenraumkonzept und koordiniert die Aufgaben. Somit wird er integraler Bestandteil der Projektentwicklung.

Wer jetzt dem Nachfragetrend deutscher Metropolen immer noch skeptisch gegenübersteht, sei noch einmal an erfolgreiche Gründungen von einst erinnert. Das Hamburger Start-up Mytaxi etwa ging mittlerweile in der Daimler Financial Services auf. Deren Halbjahresumsatz 2017 betrug 5,9 Mrd. Euro. Etwas weniger, nämlich 4,5 Mrd. Euro Jahresumsatz erwirtschaftete Zalando. Diesen Trend für Hamburg und Berlin hält niemand mehr so schnell auf.