VersicherungWorauf Verbraucher bei Zusatzversicherungen achten sollten

Die Zahnzusatzversicherung gehört zu den bekannteren zusätzlichen Policen. Aber lohnt sie sich auch?imago images / Panthermedia

Die Sicht wird immer verschwommener, der Fernseher ist bald bei maximaler Lautstärke und Eis essen macht keinen Spaß mehr, weil jedes Mal ein stechender Schmerz durch den Zahn zieht. Viele Menschen sind im Lauf ihres Lebens auf Alltagshelfer wie Brillen, Hörgeräte oder Zahnprothesen angewiesen. Sie erleichtern das Leben in aller Regel deutlich und sind oft sogar unverzichtbar. Trotzdem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist nur einen kleinen Teil der Rechnung. Zusatzversicherungen sollen diese Lücke schließen. Die Anbieter werben damit, gegen eine monatliche Gebühr die Kosten für Behandlung, Anschaffung und Reparatur zu übernehmen. Damit der Versicherer im Leistungsfall aber auch wirklich zahlt, müssen Verbraucher einiges beachten.

Zahnzusatzversicherung: Vorsicht vor versteckten Klauseln

Manche Menschen gehen nicht gerne zum Zahnarzt, weil sie Angst vor den Schmerzen haben. Andere scheuen die hohen Rechnungen, die mit dem Besuch häufig einher gehen. Vor allem die Kosten für Zahnersatz können schnell in die Tausende gehen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dabei oft nur einen Bruchteil der Rechnung. Versicherte, die sich mindestens fünf Jahre in Folge für die jährliche Kontrolle beim Zahnarzt einen Stempel für ihr Bonusheft abholen, bekommen 60 Prozent der Kosten von der Kasse erstattet. Gehen die Stempel sogar zehn Jahre weit zurück, gibt es 65 Prozent. Wer den Zahnarzt-Besuch dagegen jahrelang hat schleifen lassen, muss die Hälfte aus eigener Tasche zahlen. Zum 1. Oktober dieses Jahres steigen die Prozentsätze für Zahnersatz zwar auf standardmäßig 60 Prozent an, mit Bonus sind es dann 70 bis 75 Prozent.

Trotzdem gilt: Wer die Kosten in Gänze erstattet haben will, kommt um eine Zahnzusatzversicherung nicht herum. Die Policen sind allerdings teuer und kosten oft bereits in jungen Jahren monatlich zwischen 20 und 30 Euro. Die Versicherung lohnt sich also nur, wenn schwere Zahnprobleme in der Familie bekannt sind oder in naher Zukunft größere Behandlungen anstehen.

Verbraucher sollten allerdings das Kleingedruckte sorgfältig studieren: Viele Versicherung zahlen zum Beispiel erst nach einer Wartefrist von rund acht Monaten. Andere kommen nicht für bereits vereinbarte Behandlungen auf oder verlangen vom Versicherten einen Eigenanteil von 10 bis 20 Prozent. Verbraucher sollten daher gut durchrechnen, ob sich der Abschluss für sie lohnt – oder ob sie das Geld nicht lieber selbst monatlich zur Seite legen.

Brillenversicherung: Nur für Vielkäufer

Die Brille auf Rezept ist in Deutschland vor allem Kindern vorbehalten. Erwachsene müssen ihre Sehhilfe in der Regel selbst zahlen, die gesetzliche Krankenkasse beteiligt sich nur bei besonders gravierenden Sehstörungen. Während Einstärkengläser noch relativ günstig sind, können Gleitsichtbrillen schnell mit bis zu 1000 Euro zu Buche schlagen. Viele Versicherer und Optiker bieten mittlerweile spezielle Brillen-Versicherungen an, die damit werben, die Kosten zu übernehmen. Die Konditionen variieren aber zum Teil erheblich. Die Versicherung beim Optiker kommt in der Regel für Schäden und Reparaturen auf, Ersatz gibt es bei diesen Policen aber häufig nur bei den sogenannten Nulltarifangeboten. Die Policen sind bereits ab 10 Euro erhältlich und haben in der Regel eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Nimmt der Brillenträger die Versicherung nicht in Anspruch, gibt es am Ende der Laufzeit oft einen Gutschein.

Wer eine Police beim Versicherer abschließt bekommt mehr, zahlt aber auch höhere Beiträge – statt einmalig werden dann monatlich um die 10 Euro fällig. Bei nahezu allen Anbietern gilt: Hat sich die Sehleistung um mindestens 0,5 Dioptrien verschlechtert, gibt es eine neue Brille entweder ganz oder teilweise auf Kosten des Versicherers. Ob sich die Brillenzusatzversicherung lohnt, hängt daher von der Entwicklung der eigenen Sehkraft ab. Brillenträger, die nur selten eine neue Brille brauchen, zahlen bei einer solchen Police in der Regel drauf. Wer sich unsicher ist, ob sich der Abschluss für ihn lohnt, sollte das Gespräch mit seinem Augenarzt suchen.

Hörgerätezusatzversicherung: Police für Schussel

Klein wie ein Hemdknopf und teuer wie ein Kleinwagen. Hörgeräte stecken voller Technik und kosten entsprechend. Patienten mit einem Attest vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt bekommen von der gesetzlichen Krankenkasse alle sechs Jahre bis zu 1500 Euro erstattet. Wer keinen großen Anspruch an seinen Hörhelfer hat, kann auf das „Kassenmodell“ zurückgreifen. Alle anderen müssen die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Zusatzversicherungen werben damit, auch teure Modelle möglich zu machen, indem sie den Kauf mit mehreren hundert Euro bezuschussen – und das meist alle drei Jahre und auch bei selbstverschuldeten Schäden zum Beispiel durch Feuchtigkeit, Verlust oder Diebstahl. Dafür kostete die Versicherung monatlich zwischen 10 und 20 Euro. Eine Police lohnt sich also vor allem für Schusslige, die häufiger ein neues Gerät benötigen.

 


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