Harvard UniversitätWenn acht Prozent Rendite enttäuschen

Die traditionsreiche Harvard Universität
Die traditionsreiche Harvard Universität im US-Bundesstaat MassachusettsGetty Images

Acht Prozent Rendite. Man muss diese drei Wörter einfach mal einen Augenblick auf sich wirken lassen, um zu verstehen, wie absurd hoch der Wert ist – vor allem in der Niedrigzinsära. Acht Prozent! Was würde der leidgeplagte deutsche Anleger nicht alles tun, um so viel Gewinn zu erzielen? Vielleicht sogar wieder Telekom-Aktien kaufen, wenn die Papiere so viel Rendite bringen würden? Nur gibt es da draußen durchaus Investoren, denen acht Prozent einfach nicht reichen. In der Welt dieser Anleger sind acht Prozent quasi ein Nullzins, sind die acht Prozent schlicht ein ganz großes Übel. Alles ist eben relativ.

Der Investor ist die US-amerikanische Universität Harvard, konkreter deren Stiftung. Sie soll das Vermögen der Hochschule, gut 37 Mrd. US-Dollar, verwalten und vor allem mehren. Für die Universität ist das überlebenswichtig, denn die Gewinne finanzieren Harvard zu größeren Teilen. In diesem Jahr hat die Sache mit der Geldvermehrung allerdings nur sagen wir mal suboptimal geklappt. Wie der Fonds in seinem gerade veröffentlichten Jahresbericht schreibt, beträgt der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr nur mickrige acht Prozent. Sapperlot! Da verwundert es ja wirklich nicht, dass Stiftungschef Narv Narvekar im Jahresbericht formuliert: „Unsere Leistung ist enttäuschend und nicht da, wo sie sein sollte.“ Unis sind heute eben auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren.

Stiftung hat sich offenbar verspekuliert

Man muss sich allerdings vor Augen führen, warum der Stiftungschef betrübt ist: Zwischen 1996 und 2016 hat Harvard eine jährliche Durchschnittsrendite von mehr als zehn Prozent erzielt – andere US-Universitäten schaffen gar noch höhere Werte. Das Massachusetts Institute of Technology etwa, eine der bedeutendsten Tech-Hochschulen der Welt, kommt im abgelaufenen Geschäftsjahr auf mehr als 14 Prozent, schreibt die New York Times.

Der Grund für das so dürftige Abschneiden von Harvard ist recht schlicht: Die Stiftung hat sich offenbar verspekuliert, nämlich mit alternativen Anlagen. Die Universität hat etwa in kalifornische Weinberge, in Waldplantagen in Lateinamerika und einen Milchbauernhof in Neuseeland investiert. Einige dieser Anlagen musste die Universität jetzt abschreiben. Chef Narvekar, erst seit Ende 2016 dabei und vielleicht deshalb so erfrischend offenherzig, will den Bereich jetzt umbauen, was Jahre dauern soll.

Ach, falls der ein oder andere Anleger doch wissen will, wie man immerhin acht Prozent Rendite erzielt: Die Stiftung spricht in ihrem Jahresbericht nur von erfolgreichen Aktien- und Immobiliendeals. Konkreter wird sie nicht. So ist das manchmal an Hochschulen: Die Damen und Herren Universitätsmitarbeiter bleiben ja gerne in abstrakteren Sphären.