KryptowährungenWelche Zukunft dem Bitcoin blüht

Symbolbild: Bitcoin
Symbolbild: BitcoinGetty Images

Hätte der Euro innerhalb von sechs Monaten fast die Hälfte an Wert eingebüßt, wären Investoren längst in Panik ausgebrochen. Egal wie oft die Europäische Zentralbank (EZB) auch betonen würde, dass sie die Lage im Griff hat – das Gros der Sparer hätte sein Geld schon lange in sichere Häfen gebracht. Bei Kryptowährungen dagegen reagieren Anleger erstaunlich gelassen auf wildeste Turbulenzen. Egal welche Kapriolen der Bitcoin-Kurs schlägt: Anleger halten der Digitalwährung eisern die Treuer. Für viele von ihnen ist der Bitcoin nicht weniger als das Geld der Zukunft.

Die Frage, ob Kryptowährungen das bessere Geld sind, ist so alt wie der Bitcoin. Nun haben Krypto-Jünger frisches Futter bekommen. In einem Report unter dem Titel „Imagine 2030“ liefert die Deutsche Bank auf rund 80 Seiten Argumente, warum Kryptowährungen das Fiat-Geld innerhalb der kommenden Dekade ersetzen könnten. Mit dem Begriff Fiat-Geld bezeichnen Notenbanker Währungen im traditionellen Sinne: Geld also, das als Tauschmittel dient, aber keinen inneren Wert besitzt. „Die Kräfte, die das Fiat-Geldsystem zusammenhalten, sind zerbrechlich“, schreibt Studienautor John Reid.

Damit ein Fiat-Geldsystem funktioniert, braucht es das Vertrauen in die Hüter des Geldes. Die Menschen müssen daran glauben, dass die Währung morgen genauso viel Wert sein wird wie heute. Ist das nicht gegeben, bricht das System zusammen. Bis 2030 könnte ein solches Szenario drohen, glaubt Reid. Seine Argumentation: Die expansive Geldpolitik der Notenbanken lasse das Vertrauen der Menschen in die staatlichen Währungen erodieren.

Längst würden die Währungshüter nicht mehr Preisstabilität als oberstes Ziel verfolgen, sondern als verlängerter Arm der Politik das Zinsniveau künstlich niedrig halten, um Staaten die Refinanzierung ihrer Schulden zu erleichtern. „Bevor Regierungen zulassen, dass die Zinssätze steigen, werden sie eher die Mandate der Zentralbanken ändern“, schreibt Reid. Dies wiederum dürfte die Inflation in die Höhe treiben – und die Zweifel am Papiergeld weiter nähren. Die Nachfrage nach alternativen Währungen wie Bitcoin könnte dann sprunghaft ansteigen.

Doch sind Kryptos wirklich das bessere Zahlungsmittel? Kritiker argumentieren vor allem mit der Volatilität. Damit eine Währung akzeptiert wird, muss ihr Wert stabil sein. Wenn der Kurs nun am Montag um drei Prozent steigt und am Mittwoch um fünf Prozent fällt, freuen sich Zocker, aber der Großteil Menschen wird eine solche Währung niemals als stabiles Zahlungsmittel akzeptieren. „Angesichts der Kursausschläge eignen sich Krypto-Token weder zur verlässlichen Wertaufbewahrung noch als Recheneinheit“, sagt Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Selbst Deutsche-Bank-Analyst Reid sieht einige Hürden für ein Finanzsystem auf Krypto-Basis. Zunächst müssten Staaten und Aufsichtsbehörden Digitalwährungen offiziell als Zahlungsmittel anerkennen, um den Kurs zu stabilisieren. Dann bräuchte es die Unterstützung von Zahlungsdienstleistern, Kreditkartengesellschaften und Händlern, um globale Reichweite zu schaffen. Und schließlich müssten die Anbieter noch Lösungen für potenzielle Bedrohungen wie Cyberangriffe oder Stromausfälle finden, damit Hacker das System nicht zum Kollabieren bringen.

Kritiker sehen speziell beim Marktführer Bitcoin noch ein weiteres Problem. Wächst die Volkswirtschaft, muss die Geldmenge eigentlich mitwachsen – schließlich braucht es auch mehr Geld, um die zusätzlich produzierten Waren zu kaufen. Notenbanker passen die Geldmenge daher beständig an. Die Menge an Bitcoin ist aber auf 21 Millionen begrenzt. Damit ist der Bitcoin zwar vor Inflation geschützt, dafür neigt das System zur Deflation. Ein Finanzsystem auf Bitcoin-Basis würde damit unter den gleichen Vertrauensproblemen leiden, die Deutschbanker Reid aktuell dem Fiat-Geld attestiert.