VermögensaufbauWas sich bei der Fondsbesteuerung ändert

Fondsportfolio auf einem Display
Bei der Fondsbesteuerung ändert sich zum 1.1.2018 vielesGetty Images

Eigentlich hat Jürgen V. alles richtig gemacht: Kurz vor Weihnachten 2008 steckte der Ingenieur aus der Wetterau bei Frankfurt exakt 250.000 Euro in ein buntes Potpourri an Aktien-, Anleihen- und Mischfonds: Die Kurse waren, kurz nach der Lehman-Pleite, tief. Zudem mahnte der Start der Abgeltungsteuer Anfang 2009 zur Eile. Die sollte mit ihren pauschalen 25 Prozent auf Kapitalerträge nicht nur alles einfacher machen. Wer vor Jahresende einstieg, erhielt zudem Bestandsschutz vor der neuen Steuer.

Auf rund 420.000 Euro ist Vollmanns Portfolio seither angewachsen, weitere 35.000 Euro hat er über Ausschüttungen verdient.

Nur eines ist gründlich schiefgegangen: Einfacher wurde nichts. „Das reinste Chaos“ sei seine Steuererklärung, klagt Vollmann. Bei manchen Fonds zieht die Bank die Abgeltungsteuer automatisch ein. Bei manchen muss er die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Bei wieder anderen Fonds liefern die Fondsgesellschaften nicht die nötigen Daten – und dann gibt es den Horrorfall schlechthin: Investmentfonds mit Zulassung aus dem Ausland, deren Erträge gesammelt werden. Die werden doppelt besteuert – einmal mit der jährlichen Steuererklärung und beim späteren Verkauf.

All dies soll zum 1. Januar 2018 vorbei sein: Dann greift die im vergangenen Jahr verabschiedete Investmentsteuerreform. Sie betrifft rund sieben Millionen Fondsbesitzer in Deutschland, die insgesamt knapp eine Billion Euro in Publikumsfonds investiert haben. Die Reform soll – nun aber wirklich – die Besteuerung vereinfachen, denn „das Investmentsteuerrecht ist von einer hohen Komplexität geprägt, die selbst für viele Steuerberater und Finanzbeamte nicht mehr zu überblicken ist“, wie sogar das Finanzministerium in einem Gesetzeskommentar einräumt.

Statt 33 genügen künftig vier Rechengrößen für die Bestimmung der Steuer; statt selbst herumrechnen zu müssen, führen Fondsgesellschaften und Depotbanken dann tatsächlich alle Steuern automatisch ab.

Vor allem Durchschnittsanleger profitieren von der Reform, sie zahlen künftig nicht mehr, müssen sich aber weniger um Steuerfragen kümmern. Vermögende Fondsbesitzer hingegen müssen aufpassen: Ändern sie nichts, wird es teuer – dafür wachsen ihre Spielräume. „Die Gestaltungsmöglichkeiten gerade für sehr vermögende Anleger nehmen zu. Besitzer von thesaurierenden Anleihe- und Dividendenfonds zahlen künftig mitunter sogar weniger“, sagt Jochen Busch, Partner der Kanzlei Baker Tilly.

Millionärsfonds im Visier

Konkret entfällt ab Januar der komplizierte Prozess, Steuerdaten von Fonds in der Steuererklärung angeben oder zu viel gezahlter Quellensteuer im Ausland nachlaufen zu müssen. Stattdessen zahlt ein Anleger künftig automatisch schlicht die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen und Gewinne – und das unabhängig vom Kaufzeitpunkt. Behält ein Fonds Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne und legt sie wieder an – sogenannte thesaurierende Fonds –, verlangt der Fiskus eine Vorabpauschale auf die beim Verkauf fällige Abgeltungsteuer, die sich an den in einem Jahr aufgelaufenen Wertzuwächsen bemisst. Im Gegenzug gewährt er allerdings Teilfreistellungen, um das Versprechen zu halten, die Steuern nicht zu erhöhen. „Für Privatanleger steigt die Steuerbelastung unter dem Strich nicht“, urteilt der Fondsverband BVI.

Das dürfte auch der Grund sein, weshalb die Reform relativ leise über die Bühne ging – weniger Arbeit bei gleicher Steuerlast klingt attraktiv. Für einige wenige wird es aber deutlich teurer: etwa Anleger wie Jürgen Vollmann. Denn vom einst gewährten Bestandsschutz für vor 2009 erworbene Fondsanteile ist jetzt keine Rede mehr. Für alle Gewinne, die ab dem 1. Januar 2018 anfallen, will der Fiskus unabhängig vom Kaufzeitpunkt seine Abgeltungsteuer zuzüglich Solidarzuschlag sehen – plus eventuell Kirchensteuer.

Immerhin: Für künftige Gewinne aus den vor 2009 gekauften Fondsanteilen gewährt Berlin einen Freibetrag von 100.000 Euro pro Person. Und: „Der Wegfall des Bestandsschutzes ist kein Grund, vor 2018 zu verkaufen“, mahnt der BVI. Denn für die Berechnung der Steuer gelten erst die ab 1. Januar auflaufenden Gewinne auf Altbestände von vor 2009.

Das Ministerium erklärt seinen Wortbruch damit, man habe ein Steuerschlupfloch schließen wollen: „Die Rücknahme des unbegrenzten Bestandsschutzes für vor dem 1. Januar 2009 erworbene Investmentanteile ist erforderlich, da er für Steuergestaltungen ausgenutzt wurde.“ Vermögende Anleger hätten Wertpapierdepots in „Millionärsfonds“ angelegt, um die Abgeltungsteuer dauerhaft zu umgehen. So boten Banken in Luxemburg bis Ende 2008 Spezialfonds an, mit denen weder Kurs- noch Verkaufsgewinne versteuert werden mussten. Aber sicher nicht nur deshalb haben sich die Einnahmen aus der Steuer von knapp 13 Mrd. Euro im Jahr 2009 auf zuletzt weniger als 6 Mrd. Euro mehr als halbiert – die Null-Zinsen dürften ebenfalls ihren Anteil daran haben.