FondsWarum Nebenwerte eine gute Beute sind

Es muss nicht immer der Dax, eine Anlage in Nebenwerte kann sich auszahlen
Es muss nicht immer der Dax, eine Anlage in Nebenwerte kann sich auszahlenGetty Images

Derzeit blickt mal wieder alles auf die Großkopferten dieser Welt, die sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos versammelt haben. Zwar sind dem Treffen in diesem Jahr viele der ganz großen Entscheidungsträger ferngeblieben, aber dafür meldeten sich diejenigen, die sich dort dennoch versammelten, umso deutlicher zu Wort, und leider klingen ihre Aussagen nicht gerade positiv: Von sinkenden Wachstumsprognosen ist dort viel die Rede, von Störungen im Welthandel und wachsender Unsicherheit, von Chinas schwächelnder Ökonomie, dem Handelsstreit mit den USA und natürlich vom Brexit. Ursachen für eine Verschlechterung der Wirtschaftslage gibt es viele und die meisten davon sind nicht neu. Aber in einem sind sich die Anwesenden neuerdings weitgehend einig: Die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt, schneller und deutlicher als gedacht.

Deshalb korrigierte IWF-Chefin Christine Lagarde zu Beginn des Treffens die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. Das laufende Jahr wird weltweit weniger Wirtschaftswachstum bringen, vielleicht sogar einen Abschwung. Von einer globalen Rezession will zwar noch keiner reden zurzeit. Doch wenn sie komme, werde sie etliche Länder härter treffen als die Finanzkrise noch vor zehn Jahren, sagt IWF-Vizechef David Lipton. Weil viele inzwischen ihre Spielräume eingebüßt und viele Schulden angehäuft hätten. Gut klingt das alles nicht, sondern weitaus pessimistischer und bedrohlicher als noch vor einem Jahr. Auch für die Finanzmärkte sind daher viele skeptisch. Großinvestoren rechnen mit einem harten und turbulenten Jahr. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, dass die Kurse künftig weiter stark schwanken oder noch einmal kräftig absacken.

Wie man sich und sein Depot für diese Turbulenzen am besten wappnet – Value-Aktien kaufen, die Aktienquote neu kalibrieren, defensive Werte und Spätzykliker zulegen – haben wir an dieser Stelle zuletzt mehrfach geraten. Nun aber überrascht ein großer Vermögensverwalter mit folgenden Tipp: Anleger sollten sich jetzt nicht an den Großen orientieren, sondern lieber auf die Kleinen konzentrieren. Es sei ein guter Zeitpunkt, auf die Aktien von Kleinunternehmen setzen, auf die Small Caps. Die seien nämlich attraktiv bewertet – davon künden derzeit tatsächlich auch die moderaten KGVs, die bei den Kleinfirmen ähnlich hoch liegen wie im Dax – und dabei hätten sie zudem in den nächsten Monaten gute Chancen, noch deutlich zuzulegen. Bisher jedenfalls seien noch keine großen Umsatzeinbußen bei ihnen zu erkennen und ihre Fundamentaldaten seien mehrheitlich gut. Sie scheinen aber vor allem auch deshalb lohnende Objekte zu sein, weil sie aufgrund ihrer niedrigen Bewertungen zurzeit eine höchst interessante Beute für allerlei Großkonzerne abgeben. Denn drohende Übernahmen lassen bekanntlich die Kurse der Einzuverleibenden kräftig in die Höhe springen. Ist die Sache mit den Nebenwerten nun also wirklich eine gute Idee?

Das höhere Risiko bei Small Caps kann sich auszahlen

Generell spricht ja nichts dagegen, das eigene Depot derart auszutarieren, dass darin nicht nur viele Länder der Welt vertreten sind und möglichst alle Branchen, sondern dass auch große und kleine Werte gut gemischt sind. Aber ausgerechnet jetzt das Großwild zu ignorieren und stattdessen auf Kleinwildjagd zu gehen, klingt schon ein bisschen gewagt. Schließlich weiß man doch, dass die Kurse von Kleinunternehmen viel stärker schwanken. Dass Wirtschaftsabschwünge ihre Geschäfte ebenso empfindlich treffen. Dass sie oft weniger breit oder stabil aufgestellt sind als Weltkonzerne und dass sie Krisen deshalb schwerer abpuffern können. Darum bedeutet ein Investment in Kleinfirmen ein größeres Risiko. All das stimmt auch zumindest in der Durchschnittsbetrachtung, und trotzdem erscheint die Idee nicht schlecht. Gerade jetzt.

Denn etwas anderes sagen die Statistiken auch: Für das höhere Risiko werden die Anleger allzu oft auch mit einer höheren Rendite entschädigt. Das ist sehr pauschal ausgedrückt, zugegeben. Es hat nämlich sehr viele Studien von herausragenden Ökonomen und sogar späteren Nobelpreisträgern gegeben, die sich der Frage angenommen haben, ob Small Caps für Anleger eine Überrendite versprechen und sich das höhere Risiko auch in besserer Performance am Aktienmarkt niederschlägt. Dabei kamen über die Jahre immer wieder unterschiedliche Ergebnisse heraus: Zuerst schienen Studien zu beweisen, dass Nebenwerte im Schnitt höhere Renditen einbrachten. Das führten Forscher darauf zurück, dass sie weniger gehandelt werden, insgesamt nicht so viele Informationen über Kleinfirmen kursierten und sie auch seltener von Analysten gecovert werden. Dadurch entstünden sozusagen Fehlpreise und Bewertungslücken am Markt. Nutze man die gekonnt aus, führe das zu Überrenditen. Darauf berief man sich jahrelang.

Spätere Studien zeigten dann, dass nur die zehn Prozent der kleinsten unter den Kleinunternehmen solche Überrenditen zu erzielen vermochten – dafür lag die Überrendite dann aber auch bei rund 4,3 Prozent Mehrertrag im Vergleich zum landesweiten Aktienindex. Solche Studien erfassten immerhin Daten von 1926 bis annährend heute. Noch später entdeckten Ökonomen, dass ein Großteil dieser Überrenditen nur auf einige Statistikausreißer in den 30er-Jahren zurückzuführen war. Ziehe man die ab, läge der Mehrertrag gegenüber Großunternehmen nur noch bei knapp zwei Prozent. Und er löse sich sogar vollends in Luft auf, wenn man nur jene Small-Cap-Aktien betrachte, die sich auch über viele Jahre an der Börse hielten und ihr nicht wieder den Rücken kehrten. Neuere Studien wiesen darauf hin, dass die Überrenditen der Small-Caps zumindest höchst unbeständig seien. Manchmal träten sie jahrzehntelang nicht auf, dann wieder in sehr großem Maße. Zudem seien sie am ehesten bei sehr kleinen Firmen zu beobachten.