Fondskosten25 Prozent mehr Rendite

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Symbolbild: KurschartGetty Images

Halten Sie die 25 Prozent Rendite aus der Überschrift für reißerisch? Es erinnert zugegeben etwas an schlechte Börsendienste und vermeintliche Insidertipps, die mit genau solchen Versprechen neue Kunden ködern wollen. Aber genau diese 25 Prozent an zusätzlicher Rendite sind zusätzlich für Sie als Anleger drin, wenn Sie eine einfache Regel beachten. Die Regel lautet: Schau nicht nur darauf, wie viel Ertrag eine Geldanlage abwerfen könnte, sondern vor allem darauf, was sie kostet. Wenn Sie denken, dass Sie dieses Prinzip längst verinnerlicht haben – schließlich haben bereits etliche Studien gezeigt, wie sehr die Fondskostenhöhe letztlich über die erwartbare Rendite bestimmt – dann lesen Sie jetzt trotzdem weiter, denn vieles wissen Sie garantiert noch nicht. Oder einmal provokativ so gefragt: Würden Sie ein Finanzprodukt kaufen, bei dem Sie über die Hälfte ihrer Rendite in Form von Kosten an den Anbieter abdrücken müssen? Natürlich nicht, Sie haben ja kein Geld zu verschenken, oder?

Ok, nächste Frage: Haben Sie schon mal einen Anleihenfonds gekauft oder vielleicht einen Geldmarktfonds? Wenn Sie jetzt „ja“ sagen, dann haben wir Sie erwischt. Zumindest bei einer Fehleinschätzung, wenn nicht sogar bei der Unwissenheit. Denn wussten Sie, dass die Kosten bei europäischen Anleihenfonds zuletzt deren Bruttorendite um gut 52 Prozent aufgefressen haben? Zumindest im Jahr 2017, auf etwas längere Sicht von zehn Jahren knapsten sie „nur“ 27 Prozent der Rendite ab. Trotzdem ein enormer Batzen, der Sparern verloren geht. Da kann man eigentlich nur raten: Werfen Sie solche Fonds lieber umgehend aus Ihrem Depot.

Es gibt ein paar solcher Zahlen, die selbst gut informierten Anlegern noch einmal die Augen öffnen dürften. Sie stammen von der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA, die ganz aktuell eine Studie veröffentlicht hat, in der es um die durchschnittlichen Renditen von Fonds und anderen Finanzanlagen geht, im Verhältnis zu deren Kosten. Die Aufsicht hat zudem europaweit verglichen, in welchen Ländern die Fonds besonders gut abschnitten und wo sie maue Renditen einfuhren. Und sie hat ebenfalls aufgeschlüsselt, in welchem Domizilland die Fondskosten hoch sind und wo man sich günstig mit Fonds eindecken kann. Zudem werden viele Privatsparer demnächst auch Post von ihren Banken und Depotinstituten bekommen. Denn ab diesem Frühjahr müssen Anbieter von Finanzprodukten laut EU-Vorgaben regelmäßig Beipackzettel verschicken, die sogenannten „Ex-post-Kostenausweise“. Darin werden jährlich die anfallenden Gesamtkosten der jeweiligen Anlageprodukte aufgeführt, die der Kunde besitzt. Also sowohl die Produktkosten als auch die Dienstleistungskosten für Kauf, Verkauf und Beratung. Während der gesamten Produktlebensdauer erhält der Anleger dann einmal jährlich diese Kostenmitteilung. So will es die europäische Rechtsprechung.

Erhebliche Unterschiede zwischen den Assetklassen

Wie einfach diese Informationsschreiben zu lesen sein werden, müssen die ersten verschickten Exemplare zeigen. Ob Anleger dann also wirklich in Euro und Cent wissen, was ihre Fonds und Zertifikate kosten, oder wie viel Rendite ihnen durch die Kosten entgeht, vor allem aber, ob unterschiedlichste Anlageklassen wie Fonds und kapitalbildende Versicherungen durch die Beipackzettel nun endlich vergleichbar werden, ist jedoch noch die spannende Frage. Wo es um Investmentfonds, Derivate und alternative Anlageprodukte – also die früheren geschlossenen Fonds – geht, erhellt die ESMA-Studie Lage aber schon sehr.

Zum Beispiel mit solchen Aussagen: Im Durchschnitt reduzierten die Kosten von Fonds die Rendite der Anleger um rund 25 Prozent. Dabei variieren die Kosten jedoch nach Assetklasse erheblich, also danach, ob es sich um Aktienfonds, Anleihen-, Mischfonds oder Geldmarktfonds handelt. Und wer jetzt denkt: 25 Prozent sind aber viel, da greife ich lieber zu anderen Produkten. Dem sei eine Mahnung der Finanzaufsicht ans Herz gelegt: Bei alternativen Investmentfonds, den geschlossenen Fonds also und bei Derivaten sei der Markt so intransparent, dass sich gar nicht erst valide Kostenhöhen ermitteln ließen. Spricht dann doch eher für die klassischen Fonds – wenn man die richtigen auswählt.

Günstige Fonds findet man relativ schnell anhand der Gesamtkostenquote (TER), die im Fondsprospekt, in Fondvergleichsstatistiken oder auf den Seiten der Anbieter genannt ist. Grundsätzlich gilt dabei: Die TER ist einer der Haupttreiber der Fondsperformance. Studien haben nämlich herausgefunden, dass günstige Fonds im Schnitt auch schon vor Kosten durchweg bessere Renditen erzielten. Andere Performancetreiber sind das Alter des Fonds und seine Größe. Denn je kleiner der Fonds ist, desto wendiger ist er und umso effektiver wählt er seine Wertpapiere aus. Und je älter ein Fonds wird, desto höhere Ausgaben tätigt er meist für Verwaltung und Co, das schmälert natürlich den Ertrag. Als Faustregel gilt zudem, so die ESMA-Auswertung: Rund 80 Prozent der Gesamtkosten gehen auf das Konto der laufenden Kosten (TER) und der Managementvergütungen. Dagegen machen die Kauf- und Verkaufkosten oder Ausgabeaufschläge nur rund 20 Prozent der Kosten aus – je länger man die Fondsanteile hält, desto weniger fällt ihr Anteil ins Gewicht.

Nun klaffen die Gesamtkosten aber schon innerhalb einer Fondsart enorm auseinander: Bei Aktienfonds etwa fressen sie zwischen 0,71 und 3,58 Prozentpunkten der Rendite weg. Je nach dem wo man den Fonds kauft – und wer ihn kauft –, werden einmal kleinere oder größere Gebühren abgezwackt. Privatanleger zahlten demnach circa das Doppelte für einen Fonds als institutionelle Investoren. Der Direktkauf beim Anbieter spare dabei stets Geld gegenüber dem Kauf beim Discountbroker, ermittelte die ESMA, das mache letztlich einen halben bis einen Prozentpunkt mehr bei der Rendite aus. Beim Kauf über einen Finanzberater lasse der Kunde sogar 2,3 bis 2,8 Prozent Rendite liegen. Das ist schon mehr, als viele Geldanlagen heute überhaupt einbringen.