GeldanlageWarum Heimatliebe bei Aktien Rendite kostet

Blick in den Handelssaal der Frankfurter BörseDeutsche Börse

Die Deutschen mögen ihre Heimat und vor allem Produkte von daheim. Bei Rewe wird regional groß geschrieben selbst wenn der Apfel gar nicht so nah gewachsen ist. Im Tatort gehört das Sponsoring einer Automarke aus dem passenden Bundesland fast schon zum guten Ton, es stellt sich ein warmes Gefühl ein, wenn am Sonntag Abend ab 20.15 Uhr die Tür eines Golf oder BMW 3er sanft ins Schloss fällt.

All das tut nicht weh und kostet im Zweifel wenig. Am Aktienmarkt ist das anders. Home Bias nennt der Fachmann zu viel Heimatliebe und diese vernichtet Renditechancen.

Heimat kostet Geld

„Bei der Kapitalanlage werden deutsche Aktien in den Portfolios der deutschen Anleger deutlich übergewichtet – und Übergewicht, das wissen wir alle, ist nicht gesund. Eine Zahl sollte uns besonders stutzig machen: Der Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung liegt bei den deutschen Aktiengesellschaften gerade einmal bei vier Prozent! Nimmt man den MSCI-World mit über 1600 Einzeltiteln als Maßstab, so kommen deutsche Unternehmen darin auf einen Anteil von sogar nur drei Prozent“ erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung an der Börse München. Auch am Handelsplatz Gettex finden deutsche Aktien wie Allianz oder BASF noch immer den meisten Umsatz.

Schauen Sie in die Ferne

Der Auslöser für diesen Home Bias, also eine Wahrnehmungsverzerrung, ist das Vertrauen, das Anleger gern in Unternehmen aus ihrem eigenen Land setzen. Der Bauer isst, was er kennt – so ähnlich und noch etwas derber formuliert es der Volksmund. Auch ein Broker wie DeGiro, passenderweise mit Wurzeln in den Niederlanden und recht neu im Markt, weist bei den Umsätzen die großen deutschen Aktien ganz vorne aus. Telekom schlägt Tesla sozusagen.

Das verrückte – der Home Bias kann sogar noch weiter regionalisiert werden, beschreibten Norbert Betz und Ulrich Kirstein in ihrem Buch „Börsenpsychologie simplified“. Um den Kreis zu Horst Seehofer zu schließen – an der Börse München zeigt sich keine Ausnahme. Bei den beliebtesten 20 Aktien, die dort im Jahr 2017 gehandelt wurden, lag Apple als erster ausländischer Wert auf Rang acht gefolgt von Royal Dutch und Amazon. Dabei hätten die Münchner Börsianer 4000 ausländische Titel im Angebot – ganz ohne Home Bias.