GeldanlageWarum der MDax den Dax schlägt

Händler an der Frankfurter Börse
Händler an der Frankfurter Börsedpa

Wenn man heimischen Anlegern derzeit etwas vorwerfen kann, dann dass sie zu groß denken. Gerade dadurch entgehen ihnen satte Renditen. Das klingt absurd, ist aber so und es fängt schon bei den Renditeerwartungen an, so belegte jüngst die Global Investor Study des Vermögensverwalters Schroders: Demnach rechnen europäische Anleger mit einer jährlichen Rendite von 9,6 Prozent in den kommenden fünf Jahren. So sagten sie zuletzt. Obwohl sich langsam alle Konjunkturdaten eintrüben. Deutsche Investoren waren zwar ein bisschen zurückhaltender und gingen „nur“ von knapp sieben Prozent Rendite jährlich aus – aber auch das ist noch weit mehr als der Markt zuletzt tatsächlich hergab, zumindest in den vergangenen guten fünf Jahren: Da lag die wirklich erzielte Rendite hierzulande nämlich bei 4,1 Prozent. Also knapp drei Prozentpunkte niedriger.

Was die Anleger machen, um auf diese erwartete Rendite zu kommen? Zurzeit stecken sie das Geld vor allem wieder etwas stärker in Aktienfonds, in globale und nordamerikanische, dagegen ist im Grunde nichts zu sagen. Aber die spannende Frage ist: In welche Fonds? Und da geben zwei Zahlen zu denken. Massiv verloren haben nämlich zuletzt die Mittelzuflüsse in passive Indexfonds, also ETFs. Denen kehren Investoren seit einigen Monaten in größerem Umfang den Rücken zu. Gewinnen kann dagegen eine andere Klasse, die der Aktivfonds und aktiven Aktienfonds. Auch hier also denken Anleger lieber größer: Indexfonds spiegeln ja schließlich nur den Markt wieder und performen daher nur durchschnittlich. Mit Aktienfonds dagegen hat man dank des aktiven Managements die Chance, etwas mehr als der Markt herauszuholen. Also besser zu sein.

Nun ist dieser Schwenk von den Passivfonds auf die Aktivfonds sicher nicht nur dem Renditedenken zuzuschreiben und dem Wunsch nach Überrendite. Sondern zurzeit auch der Sorge, dass ein drohender Marktabsturz wohl besonders die Passivfonds treffen würde – während es ja sein könnte, dass sich Aktivfonds aufgrund ihrer aktiven Manager da etwas besser aus der Affäre retten könnten. Doch das gilt wohl nur theoretisch. Oder zumindest wird es nur für die allerwenigsten Aktiven gelten, dass sie tatsächlich weniger verlieren als der Markt und im Gegenzug bei einem neuen Wiederaufschwung auch wieder ganz vorne mit dabei sind. Die allermeisten verpassen ja spätestens das zweite Momentum, was Auswertungen von Finanzprofessoren immer wieder belegen.

Beim MDax ist mehr zu holen

Und selbst wenn sie in Indexfonds investieren, wird Anlegern noch ein „Großdenken“ zum Verhängnis: In was investieren sie nämlich mehrheitlich, wenn sie mit einem ETF auf deutsche Aktien setzen wollen? Richtig, auf den Dax. Das raten ja auch unzählige Finanzjournalisten immer wieder. Nun ist ein Dax-Investment nicht das schlechteste Anlagevehikel. Immerhin legte der Dax in den vergangenen fünf Jahren eine Performance von 5,2 Prozent jährlich hin. Also beachtliche 26 Prozent insgesamt. Auf Zehnjahressicht waren es sogar 117 Prozent, also 17 Prozent pro Jahr. Im Durchschnitt machten aktive Fonds daraus übrigens 5,5 Prozent Jahresrendite auf Zehnjahressicht. Spätestens das sollte jene Anleger nachdenklich stimmen, die gern größer denken. Noch viel beeindruckender ist allerdings eine andere Zahl, die Rendite des MDax nämlich.

Der MDax gilt ja gemeinhin als so etwas wie der „kleine Bruder“ des Dax. In ihm sind nicht die ganz großen Konzerne versammelt, sondern die mittelgroßen Firmen, deren Marktkapitalisierung bei rund 1 Mrd. Euro beginnt und bis 95 Mrd. Euro reicht. Airbus ist dieser größte Konzern unter den Mittelgroßen. Insgesamt sind 60 Werte im MDax versammelt und deren Namen reichen von MTU, Hochtief, Evonik und Puma über RTL, Metro und Osram bis zu Hugo Boss. Lauter Namen, die man kennt also. Und nun schätzen Sie einmal, wie sich diese Firmen zusammen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben – gegenüber den 117 Prozent, die der Dax seitdem hinlegte?

Sie waren doppelt so gut. Satte 250 Prozent schafften sie alle miteinander. Und dabei war die Überlegenheit der Mittelgroßen nicht nur ein Einmaleffekt in der Phase von 2009 bis heute, also im Aufschwung seit der letzten Finanzkrise. Im Gegenteil, auch auf Fünfjahressicht liefen sie mehr als doppelt so gut, auf 20 Jahre ebenso. Und wenn man sich die Performance von Dax und MDax seit 1988 ansieht, seit 30 Jahren also, dann schnitten sie auch in diesem Zeitraum mehr als doppelt so gut ab: Der Dax legte von 1000 Punkten auf 12.000 zu, der MDax jedoch von 1000 Punkten auf 26.000 Punkte. Die mittelgroßen Werte aus der zweiten Reihe liefen also den Großkonzernen bisher immer den Rang ab.