KolumneTrumps Offenbarungseid

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French

Nun sind sechs Monate vergangen, seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist. Die bisherige Bilanz ist ernüchternd. Das Maulheldentum Trumps hat den USA weder daheim noch international Rückenwind verschafft. Die ersten Initiativen des neuen aber zugleich betagten Präsidenten auf dem Feld der Einwanderungs- und Gesundheitspolitik sind bislang kläglich misslungen. Während die ausländerfeindlichen Einwanderungsinitiativen in den Mühlen der Justiz weitgehend hängen blieben, scheiterte die Abschaffung bzw. die Reform von Obamas Gesundheitsreform – Obamacare genannt – an der Zerstrittenheit der Republikaner in den beiden Kammern des amerikanischen Kongresses.

Nicht zu Unrecht meinen Kritiker, Trump hätte besser daran getan, seinen Hass auf Obama zunächst zurückzustellen und stattdessen seinen Fokus auf Steuersenkungen, Deregulierung und Infrastruktur zu richten. Man darf nicht vergessen, dass Donald Trump vor allem der Präsident des Prekariats ist und diese Bevölkerungsgruppe dringend einen breiteren Wirtschaftsaufschwung braucht. Auf dem Gebiet der Wirtschaft ist dem politischen Außenseiter jedoch bislang keine Initialzündung gelungen.

Abgesehen von Waffenverkäufen an Staaten im Nahen Osten, die ohnehin in der langjährigen Tradition amerikanischen Regierungshandelns liegen, ist kein Trump-Aufschwung zu beobachten. Im Gegenteil: Wirtschaftswachstum und Konsum sind anämisch und weit davon entfernt, die von Trump in Aussicht gestellten Zuwachsraten zu erreichen. Ebenso wirkt die Betonung von Kohle, Gas und Öl bizarr, denn bereits unter Präsident Obama ereignete sich der große Fracking-Boom und der Kohlebergbau in den USA ist durchaus nicht nur aus Umweltgründen existenzgefährdet.

Diplomatische Fehltritte

Desolater noch als die Innenpolitik geriet die Außenpolitik unter Trump. Bereits im Wahlkampf ätzte er gegen Mexiko, sodass ihn die mexikanische Regierung zur Persona non grata erklärte. Kaum im Amt geriet Trump dann mit dem australischen Ministerpräsidenten Malcolm Turnbull über Kreuz. Zudem dauerte es nicht lange, bis der amerikanische Präsident auch mit dem nördlichen Nachbaren Kanada einen handfesten Streit über Agrarfragen anzettelte.

Was den treuen Verbündeten, manche sagen auch Vasallen, Großbritannien, angeht, so meinte Trump in seinem ersten Staatsgast Theresa May „seine Maggie“ erkannt zu haben, ganz in Anlehnung an Ronald Reagans Sympathie für Margaret Thatcher. Mehrmals hatte er sich sehr positiv über den Brexit und abfällig über die EU geäußert. Die britischen Wähler haben der Pastorentochter May ihre Nähe zu Trump ebenso wenig gedankt, wie sie einst auch Tony Blair wegen seine Nibelungentreue zu George W. Bush abstraften. Völlig unklar bleiben zudem die Motive für die Tiraden Trumps gegen den Bürgermeister von London Sadiq Kahn nach den dortigen Terroranschlägen im Juni 2017. Warum der diplomatisch ungebildete Präsident ohne Not gegen einen prominenten Vertreter der britischen Politik mit Verve austeilt, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Damit nicht genug: Die Beziehungen zu Russland haben einen neuen Tiefpunkt erreicht und das Verhältnis zu China wird zunehmend frostig, seitdem Präsident Xi den Wüterich und Dealmaker beim Thema Nordkorea geschickt auflaufen ließ.

Der größte Hochstapler aller Zeiten?

Insgesamt wird man Bundeskanzlerin Merkel zustimmen müssen, dass Europa sich auf seinen jahrzehntelangen Verbündeten nicht mehr verlassen kann und sein eigenes Schicksal selber gestalten muss. Zwar ist der antagonistische Stil und der Personalverschleiß Trumps dramatisch unterhaltsam, zugleich richtet er aber mehr als nur Imageschäden für die USA an. Es lässt tief blicken, wenn der Vorstandsvorsitzende von JP Morgen öffentlich bekennt, man müsse sich im Ausland mittlerweile fast schämen, Amerikaner zu sein.

Große Gewinner der ersten sechs Monate des neuen Mannes im Weißen Haus sind die Medien, die der neue Präsident mit Vorliebe und Schwung geißelt. Der Zulauf, den Zeitungen und elektronische Medien seither haben, läutet scheinbar eine Renaissance des Journalismus in den Vereinigten Staaten ein. Für die Höhepunkte sorgt dabei Trump mit seinen Harlekinaden selber, wenn er des Nachts von seinem Mobiltelefon aus Kommentare zu diesem und jenem Thema in die Welt zwitschert/twittert. Garniert wird das Tohuwabo durch den Umstand, dass der Präsident das Weiße Haus als Familienunternehmen betreibt mit seiner diensteifrigen Tochter Ivanka und seinem geschäftstüchtigen Schwiegersohn Jared Kushner als engsten Beratern.

Trumps Fans (etwa ein Drittel der Wahlbevölkerung) halten trotz der präsidialen Clownerien standhaft zu ihrem Helden. Immerhin bleiben Donald Trump noch dreieinhalb Jahre, um Amerika wieder großartig zu machen. Andere meinen inzwischen genug gesehen zu haben, um in Trump den größten Hochstapler aller Zeiten zu sehen.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG. Weitere Kolumnen: Die USA – ein Land von gestern, Das Ende des Adenauer-Dogmas und Deutsche Leitkultur bei der Geldanlage


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