Interview„Der Generationenvertrag ist nicht zu halten“

Rente: Bis 2025 könnten die Rentenreserven aufgebraucht sein
Bis 2025 könnten die Rentenreserven aufgebraucht seinBild von Julita auf Pixabay

Die Rufe nach einer Rentenreform werden immer lauter. Schließlich gerät der Generationenvertrag in Gefahr, wenn immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner aufkommen müssen.

Wie sich die Gesellschaft entwickelt und was das für das deutsche Rentensystem bedeutet, untersucht Martin Werding. Er leitet den Lehrstuhl für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Universität Bochum. Wer einen Blick in die Zukunft des deutschen Rentensystems werfen will, kommt zu ihm. Denn der Sozialpolitik-Professor hat eine Simulation entworfen, die zeigt, wie sich die deutsche Gesellschaft entwickelt und was das für die deutsche Rente bedeutet.

CAPITAL: Herr Werding, wie wird sich die deutsche Bevölkerung in den kommenden Jahren entwickeln?

MARTIN WERDING: Darauf gibt es nicht die eine richtige Antwort. Allein das Statische Bundesamt hat aktuell 27 mögliche Szenarien erstellt. Die heutige Wohnbevölkerung altert Jahr um Jahr, ansonsten kommt es auf Lebenserwartung, Geburtenrate und Migration an. Nimmt man für diese drei Faktoren jeweils eine durchschnittliche, optimistische und pessimistische Entwicklung an, kommt man auf die 27 möglichen Ergebnisse des Bundesamtes. In meinen Simulationen kann ich noch viel mehr Varianten erzeugen und testen. Obwohl die Anzahl der möglichen Szenarien riesig ist, zeigt sich durchweg ein Trend: Egal wie optimistisch oder pessimistisch wir die Werte ansetzen, die Zahl der über 65-Jährigen wird deutlich ansteigen. Das wird eine große Herausforderung für die Gesellschaft und Politik.

Wie weit können Sie mit Ihrer Simulation in die Zukunft blicken?

Theoretisch so weit ich will. Das Statistische Bundesamt hat jüngst Vorausberechnungen bis 2060 herausgegeben. Ich finde das zu kurz. Schließlich sind Menschen, die heute geboren werden, dann gerade einmal 41 Jahre alt und somit noch weit vom Renteneintritt entfernt. Ich schaue mir in meiner Simulation darum die Entwicklung bis ins Jahr 2080 an. Wie genau die Simulationen jeweils sind, wissen wir natürlich erst in der Zukunft. Erst dann können wir anhand von Daten sagen: Ja, diese Prognose war realistisch – und für weitere Simulationen daraus lernen.