KolumnePrädikatsjahrgang für Aktiensparer

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

An der DAX-Indexfamilie lassen sich die Ergebnisse recht anschaulich nachvollziehen. Hier setzte sich der TecDax mit einem Zugewinn von fast 40 Prozent an die Spitze, womit er zugleich eine prächtige langjährige Kursentwicklung der gesamten Technologiebranche markiert. Gewohnt stark zeigte sich einmal mehr der MDAX, der die zweite Reihe börsennotierter deutscher Unternehmen repräsentiert. Nach einem Kurssprung um 18 Prozent verweist er abermals die deutschen Großunternehmen, die im DAX zusammengefasst sind, auf die Plätze. Aber auch der DAX wusste im Jahr 2017 zu gefallen und legte um satte 12,5 Prozent zu, so dass eine mehr als achtprozentige jährliche Durchschnittsrendite für das Börsenbarometer in den letzten 30 Jahren zu Buche steht. Für den MDAX lautet der jährliche Vergleichswert 11,5 Prozent.

Für nicht wenige Anleger waren die forschen Kursentwicklungen an den Börsen eine Überraschung. In der Tat dominierten zu Beginn des Jahres Sorgen angesichts der Präsidentschaft Donald Trumps und vor allem der anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Österreich und Japan die Schlagzeilen der Medien. Was als Gefahr gesehen wurde, entpuppte sich aber als Chance und vor allem Frankreich darf als positive politische Überraschung des Jahres gewertet werden.

Im Verlauf des abgelaufenen Jahres konnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Börsen von den andauernden politischen Unbilden emanzipieren konnten und vielmehr der reinen ökonomischen Betrachtung den Vorzug gaben. Wirtschaftlich betrachtet hellte sich das Bild tatsächlich merklich auf, denn weltweit wird von steigendem Wachstum und geringerer Arbeitslosigkeit berichtet. Es waren diese Umfeldbedingungen, die es den börsennotierten Unternehmen erlaubten, ihre Umsätze und Profitabilität zu steigern. Entscheidend für die rosige Börsenentwicklung war aber letztlich, dass viel neues Geld in die Aktienmärkte strömte, nachdem die Einsicht inzwischen landläufig geworden ist, dass negative Realzinsen zur neuen Normalität in der westlichen Welt geworden sind.

Dennoch war das Jahr keineswegs frei von spektakulären und unerwarteten Kursverläufen. Wenige Experten hatten etwa erwartet, dass die amerikanische Landeswährung Dollar trotz dreier Leitzinserhöhungen um 14 Prozent gegenüber dem Euro nachgeben würde. Auch der japanische Yen verlor deutlich gegenüber dem Euro. Überhaupt wiesen die Währungsmärkte mancherlei Dynamik auf, wie etwa der Kurseinbruch der türkischen Lira belegt. Nachgerade dramatisch gebärdete sich die noch zu Anfang des Jahres kaum beachtete virtuelle Währung Bitcoin, die unter erratischen Kursschwankungen einen meteoritischen Kursanstieg von mehreren tausend Prozent hinlegte.

Deutsche Anleger zeigten sich in ihrem Sparverhalten im Jahr 2017 mehrheitlich wieder von ihrer stabilen Seite. Mit großer Beharrlichkeit hielten sie an ihren heißgeliebten Zinsanlagen fest, so dass ein weiteres Abrutschen auf der internationalen Geldvermögensskala wahrscheinlich ist. In diesen Kreisen tut man sich etwas darauf zugute, keine Aktien zu besitzen und frönt stattdessen einem gepflegten Weltpessimismus. Zugleich zieht man es vor, auf steigenden Zinsen durch die Europäische Zentralbank zu hoffen. Letztere hat jedoch mehrfach klargestellt, dass in den kommenden Jahren mit dergleichen eher nicht zu rechnen ist.

Spannend wird im nächsten Jahr die politische Entwicklung in Deutschland werden. Anzeichen verdichten sich, dass ein Ende der Ära Merkel bevorsteht. Ob aber eine künftige Bundesregierung die Beteiligung der Bürger an der Wirtschaft durch Aktienbesitz für förderungswürdig hält, bleibt sehr zu bezweifeln. Ich bin mehr denn je überzeugt, dass Deutschlands politische Elite das Thema gar nicht versteht.

Aus Chicago

Ihr

Dr. Christoph Bruns