KolumneNeues Jahr – alte Börsenmuster

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Wie bereits im Vorjahr starten die Aktienmärkte mit Schwung und Frohsinn in das neue Jahr. Die alten Favoriten setzen sich auch in 2021 gleich an die Spitze des Zuges. Einmal mehr ziehen die FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google) den Börsenkarren sprunghaft voran. Die Apple-Aktie führt den Tross mit einem zweistelligen Jahresstart an und bringt mittlerweile eine Börsenbewertung von gut 2,2 Billionen Dollar auf die Waage.

Es hat den Anschein, als ob die Alternativlosigkeit der Aktienanlage sich immer weiter herumspricht und nach und nach neue Anlegergruppen für Eigenkapitaltitel gewinnt. Ohne Zweifel sind einzelne Kursexzesse – siehe Tesla – stets integraler Bestandteil eines solchen Aktienmarktaufschwungs. Auch liegt es in der Natur der Sache, dass jüngere Börsianer mit größerer Kühnheit ihre Aktienauswahl treffen als erfahrenere Semester.

Mickrige Renditen für Staatsanleihen

Etwas weniger Jubel gewärtigen derzeit die Rentenmarktanleger. Verwöhnt durch eine vier Jahrzehnte währende Dauer-Hausse mussten amerikanische Staatsanleihen zuletzt Kursabschläge hinnehmen. Zwar wissen die Zinsfreunde die Notenbanken fest auf ihrer Seite – allein die Renditen sind so mickrig, dass ein Restunwohlsein nicht vollständig verdrängt werden kann. Orthodox denkende Marktteilnehmer wundern sich indes bereits seit Jahren, warum die Nachfrage nach zinslosen Papieren, die zugleich mit hohen Ausfall-, Inflations-, und Kursrisiken versehen sind, enorme Nachfrage zumindest bei institutionellen Investoren auf sich ziehen.

Demgegenüber geht es an den Rohstoffmärkten ganz ökonomisch zu. Die Erwartung eines steigenden Verbrauchs bei stabilem Angebot sorgt hier seit Monaten für Auftrieb. Nach dem desolaten Vorjahr können sich im bisherigen Jahresverlauf Energierohstoffe besser in Szene setzen. Beim Rohöl, welches in der letzten Saison eine Preiseinbruch um ein Drittel hinnehmen musste, wird die Erwartung anziehender Nachfrage nach dem schwarzen Gold durch die Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie genährt. Zugleich hat die OPEC zuletzt gute Disziplin bei der Umsetzung von Produktionskürzungen an den Tag gelegt.

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff Chart

Schließlich gelang den Devisenmärkten ein recht ruhiger Jahresauftakt, wenn man von exotischen Währungen absieht. Größte Dynamik fand sich in den Ausschlägen der Kryptowährung Bitcoin, die unter wilden Verwerfungen seit Jahresbeginn um ca. 15 Prozent zulegen konnte. Freilich ist doch stark zu bezweifeln, ob es sich bei solchen Anlagen nicht um reine Spekulationen handelt. Ein zynisches aber den Zeitgeist nicht ganz verfehlendes Börsenbonmot dazu lautet: Investments sind Spekulationen, die erfolgreich verlaufen sind.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns