GeldanlageLebenszeichen der Schwellenländer

Börse in Shanghai
Börse in Shanghai: Die Aufregung in China hat sich zuletzt wieder gelegt
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Die Zahlen sind beeindruckend: In Europa investierten Anleger im März 1,3 Mrd. Euro in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf Schwellenländer-Indizes, wie das aktuelle Investmentbarometer des ETF-Hauses Lyxor zeigt. Investitionen in Industriestaaten sind out, Schwellenländer sind in. Der Stimmungswandel der Anleger kommt überraschend. Noch im Januar und Februar hatten sie sich pessimistisch gezeigt. Das Kapital, das sie in den beiden ersten Monaten des Jahres aus Schwellenländer-ETFs abgezogen hatten, investierten sie im März dann auf einen Schlag wieder neu.

Die Hoffnung auf ein Comeback der Schwellenländer ist offensichtlich groß. Im vergangenen Jahr hatten es die Emerging Markets schwer, die Stimmung war so schlecht wie lange nicht mehr. Der Index MSCI Emerging Markets sackte ab und schnitt übers Jahr gerechnet schlechter ab als der globale Aktienindex MSCI World.

Viele Schwellenländer leiden unter hausgemachten politischen und wirtschaftlichen Problemen. Zusätzlich drohten im Jahr 2015 Gefahren aus China und den USA. Chinas Wirtschaft zeigte im Sommer Anzeichen von Schwäche. An den Märkten grassierte die Angst vor einem Crash, die Rettungsversuche der chinesischen Regierung machten die Lage zunächst nicht besser. Viele Anleger befürchteten zudem, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in den USA rasch anheben würde. Das führte zu Kapitalflucht in den Dollar-Raum. Die lokalen Währungen in den Schwellenländern sackten ab, ihre Dollarschulden stiegen. Schließlich machten auch noch die gefallenen Rohstoffpreise den Rohstoffe exportierenden Ländern zu schaffen.

Schwellenländer-Investments bleiben riskant

Nach den deutlichen Verlusten im Jahr 2015 und den schwachen Monaten Januar und Februar ist nun Erholung in Sicht. Chinas Wirtschaft hat sich stabilisiert. Auch die Zinswende der Fed fiel deutlich vorsichtiger aus als befürchtet, und ein leichter Anstieg der Rohstoffpreise bringt Entspannung. Vieles spricht für einen neuen Aufschwung in den Emerging Markets.

Bleibt die Frage, ob jetzt ein guter Zeitpunkt ist, dem Trend zu folgen und einzusteigen. Klar ist: Schwellenländer-Investments bleiben riskant. „Die Kapitalzuflüsse sind hauptsächlich mit einer deutlich erhöhten Risikoneigung der Investoren zu erklären“, sagt Jonas David, Emerging-Markets-Analyst bei UBS. Die strukturellen Rahmenbedingungen hätten sich dagegen in den meisten Ländern zuletzt kaum verbessert. „Die erneuten Zuflüsse sind quasi ein Vertrauensvorschuss in die Länder“, sagt David. „Die Erwartungen sind hoch. Zu weiteren Zuflüsse wird es nur kommen, wenn sich Wirtschaftsleistung und Unternehmensgewinne tatsächlich verbessern.“ In den kommenden Monaten könnte es erneut Kursrücksetzer geben, warnt der Analyst.

Auch Maarten-Jan Bakkum, Schwellenländer-Stratege beim Fondsanbieter NN Investment Partners, ist skeptisch. Er fürchtet, dass die Erholung der Schwellenländer auf wackeligen Beinen steht. „Wir gehen davon aus, dass der Risikoappetit für Vermögenswerte aus den Schwellenländern mittel- bis langfristig weiterhin gering sein wird“, sagt er. Wer jetzt in Emerging Markets investieren wollte, solle sich darüber im Klaren sein, dass die Erholung womöglich nicht von Dauer ist. Um eine echte Trendwende auszurufen, ist es aus Sicht von Anlageexperten jedenfalls deutlich zu früh.