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Vermögensaufbau Gut beraten: So findet man den passenden Finanzberater

Finanzberater darf sich jeder nennen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt
Finanzberater darf sich jeder nennen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt
© IMAGO / Westend61
Ein Finanzberater kann bei Fragen rund um Kredite, Geldanlage und Versicherungen helfen. Doch wie findet man den richtigen?  

Finanzentscheidungen wollen wohlüberlegt sein. Wer mit dem Gedanken spielt, einen Kredit aufzunehmen, Geld anzulegen oder eine Versicherung abzuschließen, sollte vorab verschiedene Angebote einholen und miteinander vergleichen. Auf eigene Faust kann die Suche allerdings schnell mühselig werden, denn Verbraucher kämpfen mit einer regelrechten Flut an Informationen. Hier schlägt die Stunde der Finanzberater: Sie vergleichen Produkte und Anbieter für ihre Kunden und sprechen direkt Empfehlungen aus. Doch Verbraucher müssen aufpassen – denn Finanzberater arbeiten sehr unterschiedlich. 

Zunächst einmal sollten sich Kunden Gedanken über ihre konkreten Ziele und die benötigte Beratung machen. Eine Checkliste wie die auf der Webseite der Verbraucherzentrale NRW kann dabei helfen. Hier können Anleger beispielsweise ankreuzen, welche Finanzprodukte sie bereits kennen, mit welchen davon sie schlechte Erfahrungen gemacht haben und welchen Betrag sie über welchen Zeitraum hinweg anlegen möchten. Einen ersten Überblick, wann Finanzberatung zu welchen Themen sinnvoll sein kann, gibt außerdem die Internetseite Wegweiser Finanzberatung vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF), die das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fördert.

Dann geht es an die Berater-Suche. Das ist nicht gerade einfach. In Deutschland ist die Berufsbezeichnung „Finanzberater“ nicht geschützt. Das heißt, jeder darf sich so nennen. Oft sind Finanzberater gelernte Bankkaufleute, Steuerberater oder Versicherungskaufleute. Werdegang und Berufserfahrung eines Finanzberaters können Kunden beispielsweise auf der Webseite herausfinden oder im persönlichen Gespräch erfragen. Ansonsten ist es für Verbraucher vorab relativ schwer zu erkennen, ob Finanzberater seriös arbeiten oder nicht.

Ein guter Anhaltspunkt: Ein seriöser Berater setzt seine Kunden niemals unter Zeitdruck, verlangt keine Blankounterschriften. Außerdem hilft die DIN-Norm weiter: Finanzberater, die der DIN-Norm entsprechen, also unabhängig arbeiten und vor jeder Beratung ein ausführliches Kundenprofil erstellen, können ein Zertifikat beim Institut für Finanznorm (DEFINO) erwerben. Entsprechend zertifizierte Finanzberater finden Kunden auf der Webseite des Instituts.

Grundsätzlich können Kunden zwischen drei Arten von Finanzberatern wählen: Provisionsberatern, Honorarberatern und Verbraucherschützern.  

Provisionsberater

Selbstständige Provisionsberater haben ein eigenes Interesse daran, ganz bestimmte Finanzprodukte zu verkaufen. Denn sie arbeiten mit verschiedenen Anbietern zusammen – und verkaufen dann nur die Produkte, die ihre Partner im Angebot haben. Die Beratung ist meist kostenlos, Geld verdienen die Berater bei Vertragsabschluss. Kritiker bemängeln, dass Provisionsberater ihren Kunden häufig nicht das beste Produkt vermitteln, sondern vielmehr das mit der höchsten Provision.

Honorarberater

Bei der Honorarberatung zahlen Kunden direkt. Günstige Berater nehmen einen Stundenlohn von 150 Euro, oftmals aber 250 bis 300 Euro. Honorarberater bieten Kunden dafür einen entscheidenden Vorteil: Sie beraten unabhängig. Zumindest, wenn sie eine geschützte Berufsbezeichnung tragen. Wieder gilt: „Honorarberater“ darf sich in Deutschland jeder nennen – egal ob er unabhängig berät oder nicht. Geschütze Berufsbezeichnungen sind dagegen Honorar-Anlageberater, Honorar-Finanzanlageberater und Versicherungsberater. Finanzberater, die sich so nennen, dürfen keine Provisionen annehmen. Wer sich unsicher ist, ob ein Berater wirklich unabhängig ist, kann beim Vermittlerregister des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die Zulassung der Person überprüfen.

Verbraucherschützer

Verbraucherschützer haben, wie der Name schon verrät, das Interesse der Verbraucher im Blick. Deswegen sind sie bei Beratungssuchenden auch so beliebt. Kunden können sich hier an zwei Adressen wenden: an die Landes-Verbraucherzentralen und an den Bund der Versicherten (BdV). Beide Anbieter verlangen Beratungskosten – bei den Verbraucherzentralen variieren die Kosten je nach Beratungsthema und Bundesland. In Nordrhein-Westfahlen kostet eine Beratung zur Altersvorsorge und Geldanlage, die 90 Minuten dauert, beispielsweise 190 Euro. In Bayern zahlen Kunden für die gleiche Leistung 120 Euro. Die Landes-Verbraucherzentralen sind privat, erhalten allerdings Zuschüsse von den Landesregierungen. Zur Verbraucherzentrale kann jeder gehen, der BdV berät dagegen nur Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 78 Euro im Jahr, junge Menschen bis 25 zahlen die Hälfte. Außerdem fällt eine einmalige Aufnahmegebühr von 8 Euro an. 

Experten empfehlen meist eine kostenpflichtige, dafür aber unabhängige Beratung. Je höher das Vermögen ist, desto eher lohnt es sich auch, Geld in die Finanzberatung zu investieren.


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