GeldanlageFür Gold ist die Lage nicht unsicher genug

In Italien kommt die Wirtschaft nicht in Schwung. Die Angst vor einem Sieg populistischer Parteien bei den Neuwahlen im kommenden Jahr wächst. In Brasilien lähmt eine Schweigegeld-Affäre um Präsident Michel Temer die Politik. In den USA ist ein Amtsenthebungsverfahren für Präsident Donald Trump in den Bereich des Möglichen gerückt. Man kann nicht behaupten, es gäbe derzeit kein Krisenpotenzial.

Anleger zeigen sich angesichts der politischen Großwetterlage allerdings erstaunlich gelassen. Der wohl beliebteste Sicherheitsanker wird derzeit jedenfalls vergleichsweise wenig nachgefragt: Gold. Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Feinunze zwar von rund 1100 auf aktuell rund 1250 US-Dollar gestiegen. Von Hochs wie im Juli vergangenen Jahres oder gar im Herbst 2012, als der Goldpreis bei knapp 1800 Dollar je Feinunze lag, ist das Edelmetall aber weit entfernt.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart
Kursanbieter: FXCM

Marktbeobachter sind bemerkenswert uneins darüber, wie sich der Goldpreis im laufenden Jahr weiter entwickeln wird. Beim Fondsanbieter Hansainvest geht man davon aus, dass er steigt. Der Aufwärtstrend seit Jahresbeginn sei ein Zeichen dafür, sagt Edelmetall-Fondsmanager Nico Baumbach. Die anziehende Inflation und die hohen Aktienbewertungen könnten den Goldpreis weiter treiben. „Das stärkste Argument für Gold liefert aber die nach wie vor hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten“, sagt er. „Viele Investoren erwägen, das Edelmetall als Absicherung ins Portfolio zu nehmen.“

Keine Goldpreisexplosion in Sicht

Martin Siegel, Edelmetallexperte der Investmentboutique Stabilitas, ist anderer Meinung. Er sieht Indizien dafür, dass der Edelmetallmarkt derzeit nicht gesund ist. „Für mich gibt es zwei Faktoren, die für einen gesunden Markt sprechen: Minenaktien sind stärker als der Goldpreis, und Silber ist stärker als Gold. Momentan ist genau das Gegenteil der Fall“, sagt er. Auch Siegel sieht zwar einige Faktoren, die für einen steigenden Goldpreis sprechen könnten. So ist in China und Indien die Nachfrage nach physischem Gold zuletzt gestiegen. Trotzdem rechnet der Experte in näherer Zukunft nicht mit einer Preisexplosion.

Die Investmentgesellschaft Van Eck geht davon aus, dass sich der Goldpreis im Jahresverlauf bei rund 1250 Dollar je Feinunze einpendeln wird, also in etwa auf dem aktuellen Stand. Zwar gebe es einige Risiken, die den Goldpreis in die Höhe treiben könnten, sagt Portfoliomanager Joe Foster. Mit einer höheren Nachfrage nach dem Edelmetall rechnet er aber erst im kommenden Jahr. Grund: Die Hausse bei Aktien und Anleihen dürfte dann an Schwung verlieren. So könnten andere Investments wieder interessanter werden.

Für Gold-Investoren ist die Lage also schwierig. Das stärkste Argument für einen steigenden Goldpreis sind derzeit die weltweiten politischen Risiken. Die aber haben sich bisher im Preis des Edelmetalls kaum bemerkbar gemacht. Unabhängig von der aktuellen Lage empfehlen Anlageexperten eine Gold-Quote im Portfolio von bis zu zehn Prozent, zur Diversifizierung und zur Absicherung. Wer jetzt im großen Stil Gold kauft, weil er davon ausgeht, dass Trump seines Amtes enthoben wird oder dass Italien im Chaos versinkt, nutzt das Edelmetall allerdings nicht als Sicherheitsanker, sondern bewegt sich auf spekulativem Terrain.

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