KolumneDie Gewinnwarnungen häufen sich

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Ob HeidelbergCement, Hawesko, Talanx oder Daimler: Die Zahl der Gewinnwarnungen nimmt zu und deutet auf strukturelle Verschlechterungen der Unternehmensprofitabilität hin. Dieser Befund gilt nicht nur für Unternehmen aus Deutschland, sondern weltweit. Neben unternehmensspezifischen beziehungsweise branchenbeschränkten Gründen argumentieren die Vorstände überwiegend mit steigenden Kosten für Personal, Material und Energie. Auch der heiße trockene Sommer muss zur Begründung herhalten. In den Vereinigten Staaten und den ohnehin kriselnden Schwellenländern fallen zudem steigende Zinsen ins Gewicht.

Die Industrie schwächelt

Sehr auffällig ist die Häufung schlechter Nachrichten und schwacher Börsenkurse im Industriesektor. Besonders auch deutsche Vorzeigebranchen wie Automobil, Chemie und Maschinenbau berichten von zunehmendem Gegenwind an den Märkten. Es ist kein Zufall, dass die genannten Branchen besonders stark in den Welthandel eingebunden sind.

An den Börsenkursen der Unternehmen dieser Sektoren lässt sich der genannte Befund leicht ablesen. BMW und Daimler sind nach ihren jeweiligen Gewinnwarnungen deutlich in die Knie gegangen. Mindestens so stark abwärts ging es im Automobil-Zulieferer-Segment, wo ElringKlinger, Polytec, Georg Fischer, Continental oder Norma Group herbe Kursverluste verzeichnen mussten.

Chemie und Maschinenbau sind ebenfalls angeschlagen

Wenig besser sieht es in der Chemiebranche aus. Der Branchenprimus BASF notiert weit entfernt von alten Höchstkursen. Aber auch Lanxess, Covestro und Evonik mussten Federn lassen. Und in der Paradebranche Maschinenbau kam es unter anderem bei Krones, GEA und Dürr zu empfindlichen Rücksetzern.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei ausländischen Anbietern aus den genannten Sektoren ab. Während General Motors und Ford bereits seit längerem darben, geriet selbst die überbeliebte Tesla-Aktie in den Abwärtssog. Auch die Söhne Nippons bleiben von der Talfahrt im Autosegment nicht verschont: Honda Motors und Nissan Motors mussten ein Drittel ihres Kursniveaus preisgeben und auch der Marktführer Toyota Motors steht unter Abgabedruck. Gleiches gilt für Fiat Chrysler und Renault, während Peugeot etwa gelinder von der Börse behandelt wurde.

Und auch im Chemiesektor sieht es fern der deutschen Grenzen nicht unbedingt rosiger aus. DowDuPont wurde zuletzt kräftig gerupft ebenso wie Huntsman, Eastman Chemical und die in Deutschland noch gut bekannte Ex-Höchst Tochter Celanese. Die zuletzt deutlich angestiegenen Energie- und Erdgaskosten gemahnten Anleger hier zur Vorsicht. Für europäische Chemiker gilt das Nämliche, wie ein Blick auf den Kursverlauf von AkzoNobel, Arkema und DSM offenbart.

Auch im Maschinenbau tun es ausländische Wettbewerber ihren deutschen Konkurrenten gleich. Die Kurseinbrüche bei DMG Mori oder Meyer Burger aus der Schweiz können als symptomatisch für die Branche angesehen werden.

Negative Gewinnentwicklung sollte ein Warnzeichen sein

Ein Cocktail aus steigenden Kosten, zunehmenden Handelshemmnissen, tendenziell leicht steigenden Zinsen und politischer Planungsinstabilität nebst makroökonomischer Unbill belastet offenbar vor allem industrielle Sektoren. Demgegenüber scheint sich das Dienstleistungssegment einigermaßen achtbar zu schlagen, wie die Zahlen von PayPal oder Netflix zum Beispiel andeuten. Hier mag auch der Grund dafür liegen, dass US-amerikanische Aktien im bisherigen Jahresverlauf besser punkten konnten.

Während aber Zinsanlagen nach wie vor keine sinnvolle Alternative für deutsche Anleger darstellen, müssen die Sorgen um die Gewinnentwicklung der Unternehmen als Warnzeichen betrachtet werden. Die Traumkonstellation aus niedrigen Zinsen, steigenden Unternehmensgewinnen und günstigen Bewertungen, wie sie nach der großen Finanzkrise bestanden hat, bekommt nun erste Kratzer. Von den drei genannten Faktoren ist nach meiner Erfahrung die Gewinnentwicklung die Wichtigste. Immerhin sind die Bewertungen in den genannten Sektoren wenig anspruchsvoll.

Aus Chicago

Ihr

Dr. Christoph Bruns