WiedervorlageGesetze im Test: die Unisex-Tarife

Gleiche Police, gleicher Preis: Seit 2012 müssen Versicherer Unisex-Tarife anbieten
Gleiche Police, gleicher Preis: Seit 2012 müssen Versicherer Unisex-Tarife anbietenGetty Images


„Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass (…) die Berücksichtigung des Faktors Geschlecht bei der Berechnung von Prämien und Leistungen im Bereich des Versicherungswesens (…) nicht zu unterschiedlichen Prämien und Leistungen führt.“ Artikel 5 der Europäischen Richtlinie 2004/113/EG


Selten schlug die Gleichstellung von Mann und Frau so unmittelbar auf das Budget der Deutschen durch: Seit dem 21. Dezember 2012 dürfen Versicherungen nicht mehr unterschiedlich nach Geschlecht bepreist werden – etwa bei Kfz-, Kranken- und Rentenversicherungen. Die Folge: Das Prämienniveau stieg.

Im Jahr sechs nach der Umstellung sind Unisexprämien selbstverständlich. Vorangetrieben haben diese Entwicklung zwei Männer und eine Frau. Vor dem Europäischen Gerichtshof klagten zwei Belgier für einheitliche Beiträge, auch Generalanwältin Juliane Kokott vertrat die Position, dass Männer und Frauen aus Gründen der Gleichbehandlung gleich viel zahlen müssten – trotz statistisch unterschiedlichem Risiko. Bis dahin zahlten Männer etwa weniger für Rentenpolicen, weil sie im Schnitt früher sterben und kürzer Rente beziehen.

Der Preis der Gleichberechtigung: Alles in allem steigen die Beiträge. Weil die Versicherer in der Unisexwelt mit einem ungewissen Mix von Männern und Frauen kalkulieren, verlangen sie Sicherheitszuschläge – und die heben das Prämienniveau.

Das Ziel der Gleichbehandlung hat das Gesetz aber erreicht. Das Kostenrisiko für Schwangerschaften wird auf beide Geschlechter umgelegt, bei Privatrenten zahlen Männer für länger lebende Frauen mit, umgekehrt tragen Frauen bei Kfz-Policen Kosten, die riskant fahrende Männer verursachen. Zudem schaffen Einheitstarife größere Kundenkollektive – und damit einen besseren Risikoausgleich. Zu hoch angesetzte Sicherheitszuschläge fließen in der Lebensversicherung zudem fast komplett zurück an die Kunden, die Branche darf höchstens zehn Prozent einbehalten. Der Preis der Gleichstellung ist letztlich also begrenzt.

Testurteil: Befriedigend