AktienChinas Comeback

Anfang März tagte Chinas Parlament, der Nationale Volkskongress, in Peking. Bei der jährlichen Versammlung stand ein Thema klar im Vordergrund: der Schuldenberg der hinter den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Chinas Regierung will die hohe Verschuldung in den Griff bekommen und nimmt dafür sogar ein geringeres Wachstum in Kauf. Statt die Konjunktur um jeden Preis voranzutreiben, will die Regierung die Wirtschaft nun nachhaltiger und solider wachsen lassen.

Im vergangenen Jahr war das chinesische Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent gestiegen. Ministerpräsident Li Keqiang zufolge soll die Volkswirtschaft im laufenden Jahr um rund 6,5 Prozent zulegen. Das wäre das schwächste Wachstum seit 26 Jahren. In Industrienationen sind 6,5 Prozent zwar viel. China hat als Schwellenland allerdings Nachholbedarf und benötigt hohe Wachstumsraten unter anderem, um die Arbeitslosenrate unter Kontrolle zu halten. Durch ein etwas niedrigeres, aber stabiles Wachstum will sich die Regierung nun Spielraum im Kampf gegen die hohe Verschuldung verschaffen. Sie will die Kreditvergabe und den Schattenbanksektor genauer im Blick behalten. Darüber hinaus soll die Verschuldung chinesischer Unternehmen sinken.

Chinas Währung auf Talfahrt

Allzu lockere Kreditvergaberegeln, steigende Staatsausgaben und der überhitzte Immobilienmarkt bereiteten Chinas Regierung zuletzt Sorgen. Auch Anleger wurden unruhig: Das Börsenjahr 2016 begann mit einem Mini-Crash. Schwache Wirtschaftsdaten ließen die Aktienkurse rapide sinken. Nach einem Einbruch von mehr als sieben Prozent wurde der Aktienhandel an der Börse in Shenzhen und Shanghai sogar erstmals komplett gestoppt.

Auch der Renminbi hatte es in vergangenen Monaten schwer. Die chinesische Währung gab gegenüber dem US-Dollar deutlich nach. Eine Rally in der ersten Januarwoche war nur von kurzer Dauer. Bereits nach zwei Tagen wertete der Renminbi wieder ab, und das noch stärker als zuvor. Chinas Regierung hat zuletzt gar Kapitalkontrollen eingeführt, um die Situation zu meistern. „Die Talfahrt des Renminbi wird voraussichtlich anhalten, da der US-Dollar aufgrund der von Donald Trump in Aussicht gestellten Steueranreize weiter zulegen dürfte“, sagt Michael Lai, Investmentspezialist beim Fondsanbieter GAM. „Steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar wirken sich im Allgemeinen negativ auf Schwellenmarktwährungen aus.“

Aktien von Gaming-Firmen haben Potenzial

Trotz dieser Probleme könnte es an Chinas Börsen aufwärts gehen. Vor allem Zykliker und Substanzwerte dürften in den kommenden Monaten profitieren, sagt Lai. Er favorisiert derzeit zyklische Konsumgütertitel, insbesondere Aktien von Gaming-Firmen. „Das Gaming-Segment hat sich gut erholt. Die monatlichen Bruttoumsätze verbessern sich stetig, auch das profitablere Premiumsegment erlebt einen Aufschwung“, sagt der Experte. Defensive Titel, darunter Aktien von Telekom-Firmen und Versorgern, dürften sich dagegen negativ entwickeln, schätzt er.

Auch Katrin Löhken, Analystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim, ist optimistisch. „Stabiles Wachstum hat in China im Jahr 2017 oberste Priorität“, sagt sie. Die kontrollierte Abwertung des Renminbi und die Schadenbegrenzung auf dem überhitzen Immobilien- und dem volatilen Anleihemarkt seien ein deutliches Zeichen dafür, dass Chinas Regierung Ernst macht. „Stabile Makroindikatoren und die Erholung der Unternehmensgewinne deuten auf eine anhaltende Konjunkturstabilisierung hin“, erklärt Löhken.

Eine protektionistischere Wirtschaftspolitik in den USA dürfte Chinas Aufschwung nicht stoppen. Laut GAM-Experte Lai wird die Handelsnation nämlich ihre Vormachtstellung in Asien so oder so weiter ausbauen. „Mit dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt ‚One Belt One Road‘ hat China dies bereits eingeleitet“, sagt er. Unter dem Schlagwort bündelt Chinas Regierung Ziele zum Aufbau eines Infrastrukturnetzes zwischen Europa und China. Land- und Seewege sollen ausgebaut werden. Konkrete Projekte sind etwa der Bau eines internationalen Flughafens in Xinjang und der Ausbau einer Bahnstrecke, die das Land mit Usbekistan verbindet. „Weitere asiatische Länder sind bereit, mit China zusammenzuarbeiten, um mehr ausländische Direktinvestitionen zu erhalten“, sagt Lai. In einer Zeit, in der sich die USA auf interne Belange konzentrieren, orientiert sich China also mehr nach außen. „So könnte das Land schneller eine weltweite Führungsposition erlangen.“

Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: