DividendenkönigeDiese Aktien eignen sich aktuell für eine auskömmliche Rente

Symbolbild GeldanlageIMAGO / Panthermedia

Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH

Vor einigen Jahren hatte ich auf einer Konferenz ein interessantes Erlebnis. Ich referierte gerade darüber, dass die Dividendenrendite bei deutschen Aktien etwa zwei Prozent beträgt. Da unterbrach mich ein älterer Herr und sagte: „Die Dividendenrenditen meiner Aktien sind deutlich höher. Meine Aktien halte ich seit mindestens 20 Jahren und die Dividenden sind seitdem deutlich gestiegen.“ Mit dieser Aussage hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen.

Die klassische Kennzahl Dividendenrendite, bei welcher die aktuelle Dividende mit dem aktuellen Kurs ins Verhältnis gesetzt wird, greift vielfach zu kurz. Die Berechnung macht nur Sinn, wenn die Haltedauer der Aktien bei einem Jahr liegt. Bei einer längeren Haltedauer sollte auch die Entwicklung der Dividenden bzw. das Dividendenwachstum ins Kalkül gezogen werden. Die statische Kennzahl Dividendenrendite führt deshalb häufig dazu, dass attraktive Wachstumsunternehmen durchs Raster fallen. Ein Beispiel: Die Dividende von Apple beträgt heute mehr als das Doppelte des Kurses der Aktie vor 20 Jahren. Oder anders formuliert: Hätte man vor 20 Jahren in die Apple-Aktie investiert, so würde man bezogen auf diese Investition heute eine Dividendenrendite von jährlich mehr als 200 Prozent erzielen!

Lange Haltedauern sind die Regel

Die allermeisten Anleger halten Aktien deutlich länger als ein Jahr. Das ergibt aus Sicht der Anleger viel Sinn. Bei längeren Haltedauern fallen Transaktionskosten bei der Rendite kaum mehr ins Gewicht und erst in der langen Frist (Haltedauern ab ca. zwölf Jahren) setzt sich regelmäßig die überlegene Performance von Aktien gegenüber anderen Anlageformen durch.

Genaue Zahlen zu Haltedauern lassen sich leider nicht erheben, viele Banken berichten aber, dass ein Großteil der Kunden ihre Aktien zumeist unangetastet in den Depots liegen lassen. Auch viele institutionelle Investoren sind nicht auf den kurzfristigen Erfolg aus. So berichtet der größte Lebensversicherer in Deutschland (Allianz Leben) von einer durchschnittlichen Haltedauer von etwa sieben Jahren je Aktie. Die Antwort von Warren Buffett auf die Frage, wie lange er am liebsten seine Aktien hält: „Our preferred holding period is forever.“

Einfache Finanzmathematik berücksichtigt Wachstum

Für die Berechnung einer nachhaltigen Dividendenrendite muss folglich auch das Wachstum der Dividenden abgebildet werden. Mit ein wenig Finanzmathematik ist dies problemlos möglich. Aus einer Prognose der zukünftigen Dividenden lässt sich bezogen auf den aktuellen Aktienkurs ein interner Zinsfuß ermitteln, der die nachhaltige Dividendenrendite repräsentiert. Die nachhaltige Dividendenrendite ergibt sich demnach aus der aktuellen Dividendenrendite zuzüglich der zukünftigen Wachstumsrate der Dividenden. Die Berechnung der nachhaltigen Dividendenrendite macht deutlich, dass die klassische Kennzahl Dividendenrendite die nachhaltige Dividendenrendite regelmäßig unterschätzt, nämlich genau um die zukünftige Wachstumsrate der Dividenden.

Dividendenwachstum in verschiedenen Indizes (2001=100)

Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ.
Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ.

 

Deutsche Aktien mit schwachem Wachstum

Bei der Betrachtung der nachhaltigen Dividendenrendite fällt auf, dass die deutschen Aktien im Dax ein vergleichsweise geringes Dividendenwachstum aufweisen. Die Wachstumsrate im Zeitraum von 2001-2020 betrug nur 3,9 Prozent p.a.. Bei den amerikanischen Aktien im S&P500 betrug das entsprechende Wachstum 5,3 Prozent, bei den Aktien im MSCI World sogar 7,1 Prozent (vgl. Abbildung).

Der typische Home Bias deutscher Anleger (Kauf vornehmlich von heimischen Aktien) wird mithin langfristig mit einer deutlich geringeren nachhaltigen Dividendenrendite bestraft. Bei einer Anlage in amerikanischen Unternehmen hätte man bei einem Kauf vor 20 Jahren heute deutlich höhere Dividendenrenditen (im Durschnitt 8,3Prozent) realisieren können. Die Dividendenrendite (inklusive Wachstum) betrug im MSCI World bzw. im S&P500 in etwa 2,6 Prozent mehr als die entsprechende Dividendenrendite von Dax-Aktien.

Aktuelle Dividendenkönige findet man in China

Es ist kaum verwunderlich, dass man die aktuellen Dividendenkönige vornehmlich in China findet. Nach der Regulierungsoffensive der chinesischen Regierung sind die Kurse dort zuletzt auf breiter Front abgestürzt. Die Ertrags- und Wachstumsperspektiven der Unternehmen sind jedoch unverändert sehr gut und es ergeben sich außerordentlich hohe nachhaltige Dividendenrenditen. So darf man aktuell bei chinesischen Banken wie der Bank of China oder Telekommunikationsunternehmen wie China Mobile nachhaltige Dividendenrenditen im zweistelligen Bereich erwarten. Bei den heimischen Unternehmen können aktuell insbesondere die Automobilunternehmen überzeugen. Volkswagen, Daimler und BMW haben sich zuletzt in der Elektrowende sehr gut positioniert und es lassen sich nachhaltige Dividendenrenditen im Bereich von 6-7 Prozent erzielen.

Man muss aber betonen, dass auch die nachhaltige Dividendenrendite nur ein Mosaikstein unter vielen bei der Aktienauswahl sein kann. So sollte man bei der Betrachtung von Dividendenrenditen immer auch die Ausschüttungsquote (Payout Ratio) im Blick haben. Das Maximum sollte bei 100 Prozent liegen, sonst geht es an die Substanz. Je niedriger der Wert, desto mehr wird vom Gewinn einbehalten und in zukünftiges Wachstum investiert – die zukünftigen Dividenden sollten demzufolge umso höher ausfallen. Vor diesem Hintergrund sind die Dividendenrenditen der chinesischen Unternehmen (Payout Ratios nur ca. 30 Prozent) besonders beeindruckend. Es gibt noch viel Luft nach oben.

Bei jedem Aktienkauf sollte man auch die Risiken der einzelnen Unternehmen vor Augen haben. Sehr praktikabel können hierbei die Ratings der Unternehmen herangezogen werden. Die etablierten Ratingagenturen analysieren detailliert und kenntnisreich jegliche Risiken, welche die zukünftige Zahlungsfähigkeit der Unternehmen beeinflussen können. Die aktuell sehr guten Ratings der chinesischen Unternehmen (und auch der deutschen Automobilunternehmen) lassen schnell erkennen, dass die Risiken der Anlage in diesen Werten überschaubar sind. Zahlungsausfälle werden als höchst unwahrscheinlich eingeschätzt und folglich sollten auch die Dividendenzahlungen gewährleistet sein.

Aktuelle Dividendenkönige weltweit

Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ.
Quelle: Berechnungen des Autors mit Daten aus S&P Capital IQ.

 


Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH.