FondsSo investiert man in Scheich-Aktien

Man kann Katar vieles unterstellen. Mangelnder Kampfgeist gehört nicht dazu. Unter der Führung Saudi-Arabiens boykottieren mehrere arabische Staaten seit Anfang Juni ihren kleinen Nachbarn, darunter Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Offiziell ist der Grund dafür, dass das Königshaus in Katar Beziehungen zu Terrorgruppen wie der palästinensischen Hamas unterhält. Inoffiziell dürften eher Differenzen über die politische Zukunft der Golfstaaten eine Rolle spielen.

Katar zeigt sich indes wenig beeindruckt. Statt vor weiteren Wirtschaftssanktionen zu bangen, prahlt die katarische Regierung mit ihren hohen Notenbankreserven und Auslandsbeteiligungen, etwa bei Volkswagen und der Deutschen Bank. Zuletzt sorgte ein neuer Deal für Aufsehen: Der brasilianische Fußballstar Neymar wechselte Anfang August vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Der französische Kicker-Club gehört seit dem Jahr 2011 der katarischen Königsfamilie.

Am Tropf des Öls

Die Golfstaaten arbeiten emsig daran, ihre Wirtschaft zu diversifizieren und unabhängiger vom Öl zu werden. Nach Katar will sich nun auch das saudische Königshaus in deutsche Unternehmen einkaufen – in welche, ist noch nicht klar. Das Geld für die Shoppingtour soll unter anderem aus dem geplanten Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco kommen.

Viele Politiker und Nichtregierungsorganisationen sehen solche Pläne kritisch. Sie weisen darauf hin, dass Menschenrechte in den Golfstaaten nicht gerade groß geschrieben werden. Investoren, denen derartige Bedenken bei der Geldanlage nicht so wichtig sind, können den Nahen Osten allerdings nicht länger ignorieren. Die Scheichs haben Geld, und sie geben es immer häufiger auf der Türschwelle deutscher Anleger aus. In den Golfstaaten selbst werden die Märkte ebenfalls reifer, die Wirtschaft entwickelt sich gut. Daran werden auch die politischen Querelen am Golf nichts ändern, urteilen Investmentprofis. „Die Sanktionen gegen Katar dürften nur begrenzte Auswirkungen haben“, sagt etwa Leo Hu, Schwellenländerspezialist beim Fondsanbieter NN Investment Partners.

Eine der jüngsten Entscheidungen von MSCI bestätigt, dass Anleger den Nahen Osten im Blick behalten sollten. Der US-Indexanbieter hat Saudi-Arabien Ende Juni auf seine Watchlist genommen. Damit sei das Land auf dem besten Weg, im Sommer kommenden Jahres von MSCI den Status eines Emerging statt eines Frontier Markets zu bekommen und in die Marktbarometer des Indexanbieters aufzurücken, sagt Charles Sunnucks, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management. Nach der Aufnahme in den MSCI-Schwellenmarktindex könnten 35 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital in das Königreich fließen. „Im Vorgriff auf die Indexaufnahme dürften, wie es auch bei anderen Märkten der Fall war, die Aktienkurse steigen“, sagt Sunnucks.

Derzeit können deutsche Anleger nur über eine Handvoll Fonds gezielt in den Nahen Osten investieren. Sogenannte MENA-Fonds waren eine Zeitlang in Mode. Das Akronym steht für Middle East and North Africa. Im Zuge des Arabischen Frühlings, der im Jahr 2011 begann und in vielen arabischen Ländern dramatische Folgen hatte, verschwanden viele MENA-Produkte wieder vom Markt. Übrig blieben unter anderem Fonds von Schroders, Barings, Frankfurt-Trust und J.P. Morgan Asset Management.

Die VAE, Saudi-Arabien und Katar haben in den meisten MENA-Fonds ein hohes Gewicht. Einige Fondsmanager investieren überdies einen großen Teil des Anlegergeldes in türkische Aktien. Seit Jahresbeginn haben viele MENA-Fonds Verluste gemacht. Auf Sicht von fünf Jahren haben sie sich allerdings teilweise gut entwickelt. In den kommenden Jahren könnten Nahost-Produkte erneut in Mode kommen – spätestens dann, wenn Saudi-Arabien in MSCI-Indizes aufgenommen wird.