GeldanlageDas sind die Tücken von Dachfonds

Die Rendite von Dachfonds ist oftmals enttäuschend
Die Rendite von Dachfonds ist oftmals enttäuschendGetty Images

Wenn es um die Renditemöglichkeiten von Wertpapieren geht, werden führende Vertreter am Finanzplatz Frankfurt mitunter kreativ. „Du bringst unser Herz zum Klopfen, und du bringst uns manchmal um den Verstand“, schmachtete etwa Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer auf der Party zum 30. Geburtstag des Deutschen Aktienindex Anfang Juli. Der Index sei „ein Symbol für den Wohlstand und ein Angebot an die Bürger, daran teilzuhaben“, jubelte der Chef von Union Investment, Hans Joachim Reinke.

Natürlich durften auch die Dax-Rückrechnungen in den Reden nicht fehlen: Verdoppelt binnen zehn Jahren, mehr als verzwölffacht in den letzten 30 Jahren – aber leider, leider sei die Aktionärsquote in Deutschland mit rund 16 Prozent im internationalen Vergleich immer noch „viel zu niedrig“, wie das Deutsche Aktieninstitut nicht müde wird zu beklagen.

Was die Finanzprofis auf der Party (und auch sonst nur selten) erwähnten: dass sich viele Anleger wundern, warum sie mit ihren Fonds nicht mal eine Rendite wie auf dem Sparbuch hinbekommen, wo doch die Börse den längsten Aufschwung aller Zeiten erlebt. Und das selbst dann, wenn sie, wie ihnen stets erklärt wird, eine Anlage geduldig ein Jahrzehnt lang halten.

Das Gebührendilemma

Nirgendwo werden die Gründe klarer als im Reich der sogenannten Dachfonds. Diese Fonds sind vergleichsweise jung, in Deutschland entstanden sie erst Ende der 90er-Jahre durch eine damalige Reform der Anlagegesetze. Ihr Prinzip: Statt direkt in Wertpapiere investiert ein Dachfonds in andere Investmentfonds. Das sorgt für eine hohe Diversifizierung. Zudem können die Verwalter eines Dachfonds die Gelder in die besten jeweiligen Zielfonds ihrer gewählten Anlageklasse investieren, also etwa in Top-Schwellenländerfonds, starke Rohstofffonds oder Spezialfonds für Anleihen.

So weit die Theorie. Auch in der Praxis entpuppen sich die Dachfonds tatsächlich als höchst lukrative Vehikel – allerdings für ihre Initiatoren. „Die doppelte laufende Kostenbelastung drückt langfristig stark die Rendite. Denn sowohl die einzelnen Fonds als auch der Dachfonds lassen sich die Verwaltung bezahlen“, moniert die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Ein typisches Beispiel ist etwa der DB Vermögensfondsmandat Multi Opportunities – ein Dachfonds, eigens entwickelt für die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank. Der Preis für einen Anteil wurde bei der Auflage 2006 auf 10.000 Euro festgelegt, was natürlich sehr exklusiv klingt. Die Zehnjahresperformance des Fonds dagegen (Eigenbeschreibung: „Ein flexibles Anlagekonzept, das (…) langfristig ein positives Anlageergebnis anstrebt“) nach Abzug aller Gebühren: schlappe 0,3 Prozent pro Jahr. Mit globalen Aktien im gleichen Zeitraum waren trotz Finanzkrise plus acht Prozent pro Jahr drin, selbst mit erzkonservativen Bundesanleihen rund vier Prozent pro Jahr.

Über drei Jahre steht trotz Superbullenmarkt bei Aktien und Anleihen sogar ein Minus. Vergüten lassen sich die Verwalter die langfristige Performance unter Sparbuchniveau indes fürstlich: 2,01 Prozent Gebühren fielen alleine im letzten Geschäftsjahr an. Praktisch für den Anbieter: Rund 40 Prozent der verwalteten Mittel sind in hauseigenen Fonds angelegt und generieren für die Bank so doppelt Erträge: auf Ebene des Dachfondsmanagements und noch einmal bei den Zielfonds.