AktienChina-Aktien haben großes Potenzial

Der US-Indexanbieter MSCI wird ab Mai 2018 sogenannte A-Shares sukzessive in mehrere Emerging-Markets-Indizes aufnehmen. A-Shares sind chinesische Aktien, die in der lokalen Währung Renminbi an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gehandelt werden. Lange Zeit konnten ausschließlich chinesische Staatsbürger in die Titel investieren. Entscheidend für den Schritt von MSCI waren nun die sogenannten Stock-Connect-Programme. Seit 2014 erleichtern sie ausländischen Anlegern den Zugang zu chinesischen Werten. Chinas Regierung setzt damit ein deutliches Signal, dass sie ihren Kapitalmarkt reformieren und für den globalen Handel öffnen möchte.

Das Reich der Mitte hat mit 29 Prozent bereits heute das größte Gewicht im Aktienindex MSCI Emerging Markets. Im kommenden Jahr werden zusätzlich 222 A-Shares aufgenommen. Diese entsprechen gemessen an der Marktkapitalisierung zwar nur fünf Prozent des festlandchinesischen Aktienmarktes. Sollte MSCI künftig den gesamten Onshore-Markt mit all seinen A-Shares berücksichtigen, dürfte Chinas Gewicht aber auf beachtliche 40 Prozent des Index steigen, schätzen Marktbeobachter. Wie schnell das passieren wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Je länger die chinesische Regierung an bestimmen Zugangsbeschränkungen festhält, desto länger müssen sich ausländische Anleger mit dem begrenzten Angebot begnügen.

Kim Catechis, Emerging-Markets-Spezialist bei der britischen Investmentgesellschaft Martin Currie, zieht Parallelen zu Südkorea und Taiwan. Anfänglich wurde nur ein Fünftel des südkoreanischen Aktienmarkts im MSCI Emerging Markets abgebildet. Es dauerte sechs Jahre, bis der Markt vollständig im Index berücksichtigt wurde. Bei Taiwan dauerte dieser Prozess fünf Jahre.

Öko-Energie-Aktien sind interessant

Im Vergleich zum chinesischen Offshore-Markt, der von Banken und Internetunternehmen dominiert wird, bietet der Aktienmarkt auf dem chinesischen Festland ein breiteres Angebot: 2900 börsennotierte Unternehmen aus Branchen wie Biotechnologie, Pharma und Erneuerbare Energie, Basiskonsumgüter und Rohstoffe sind dort notiert. Die Aufnahme dieser A-Shares in große Indizes wird die Gewichtung einzelner Branchen verändern. Weiterer Effekt: Die Indizes dürften künftig Chinas Wirtschaftsentwicklung realistischer widerspiegeln.

Vor allem Aktien aus der Erneuerbare-Energien-Branche seien für Anleger interessant, sagt Catechis. Noch können Investoren dort aber gar nicht zugreifen: Viele der jungen Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung finden sich nicht unter jenen 222 A-Shares, die als Erste in den MSCI Emerging Markets aufgenommen werden. Bill Maldonado, Experte für die Asien-Pazifik-Region bei HSBC, sieht über mehrere Branchen hinweg attraktive Chancen für Anleger. „Aktien aus dem Technologie-Sektor und der New Economy sind die wesentlichen Renditetreiber in unseren chinesischen Aktienportfolios“, sagt er.

Aktive Fondsmanager werden in der kommenden Zeit voraussichtlich verstärkt chinesische Aktien kaufen, um sich auf die wachsende Nachfrage einzustellen. Die MSCI-Entscheidung zu A-Shares dürfte deutlich mehr Kapital nach China strömen lassen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren könnten rund 500 Mrd. US-Dollar aus dem Ausland in chinesische Aktien fließen, sagen Analysten von HSBC Equity Research.

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