FondsAktienfonds – die wahre Königsklasse


Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Die Sache mit den Glaskugeln beherrschen die wenigsten. Natürlich wüssten wir alle gern, was morgen ist und versuchen daher, uns einen Reim auf die Zukunft zu machen. Auch an den Finanzmärkten und bei der Geldanlage. Was wird wohl passieren? Und wohin werden sich die Kurse und Märkte entwickeln? Nun gibt uns darauf aber selten jemand eine Antwort, also müssen wir die künftige Entwicklung irgendwie herleiten. Und wie machen wir das? Genau, wir schauen auf das, was gerade ist. Denn das wird doch wohl der Anfang einer längerfristigen Entwicklung sein, oder? Und was einmal begonnen hat, setzt sich bestimmt auch fort. Damit haben wir uns, schwups, unsere Zukunftsvision gezimmert.

Der Gedanke ist menschlich, sogar allzu menschlich. Verhaltensökonomen kennen dieses typische Denkmuster als den „Status Quo Bias“: Weil wir große Angst davor haben, mit einer zukunftsgerichteten Entscheidung daneben zu liegen und etwas Falsches zu tun, machen wir einfach weiter das, was in diesem Moment das Richtige ist. Wir fürchten uns nämlich sehr davor, dass wir uns künftig einen Verlust einhandeln könnten. Also versuchen wir stattdessen lieber, das Augenblickliche zu erhalten – den Status quo. Damit, so denken wir, ist die Welt ein kleines Stückchen berechenbarer.

Besonders bei der Geldanlage funktioniert diese menschliche Verhaltensweise sehr gut. Die vielen Euros, die wir unverdrossen auf Tagesgeldkonten horten, weil Tagesgeldkonten einst hohe Zinsen abwarfen und das doch bestimmt bald wieder tun, sind der beste Beleg dafür. Schließlich sind die Zeiten derzeit unsicher und man weiß nicht, in welche Richtung die Märkte in nächster Zeit wieder schwanken. Also klammern wir uns erstmal an das, was gerade in jüngster Zeit gut gelaufen ist. So halten es aber auch die etwas risikobereiteren Anleger, die in Fonds investieren. Deshalb sprechen auch die Fonds-Bestsellerlisten Bände.

Deutsche Anleger lieben Mischfonds

Eine Fondsgattung eilt nämlich seit Jahren von Rekord zu Rekord: die Mischfonds. Also diejenigen Fonds, die Aktien und Anleihen mischen. Die erlebten jüngst eine außergewöhnlich gute Zeit. Die Aktienmärkte nämlich stiegen stetig und die Turbulenzen an den Rentenmärkten sorgten dafür, dass mit Anleihen viel Geld zu machen war. Nicht über die Zinsen, sondern über die Kurssteigerungen, die sie abwarfen. Das bescherte vielen Mischfondsanbietern gute Zahlen. Mit zwölf Prozent Rendite konnten die Mischfonds auf ein Jahr gesehen zuletzt aufwarten. Das ist viel. Neun Prozent jährlich waren es in den letzten drei Jahren. Deswegen verkauften sich die Produkte auch im ersten Halbjahr 2015 wieder kräftig. Ganze 23 Mrd. Euro haben deutsche Anleger in solche Papiere gesteckt.

Seit geraumer Zeit bereits sind Mischfonds die mit Abstand am häufigsten verkauften Fondspapiere, wie der Investmentverband BVI Monat für Monat feststellt, weit vor den Aktienfonds. So sie sind auch bereits die zweitbeliebtesten Produkte in den Depots deutscher Fondsbesitzer geworden. Das Problem ist nur: Den Status quo werden die Mischwesen kaum halten können, zumindest nicht bei den Renditen.

So wie die Märkte derzeit schwanken und wie es sich bei den Äußerungen der Notenbanken abzeichnet, wird sich die Stimmung an den Aktienmärkten wieder drehen. Wahrscheinlich ist, dass sich die große Rally so nicht mehr lange fortsetzen wird. Die Zeiten werden turbulenter. Genau dafür, so behauptet die Finanzindustrie jedenfalls, seien Mischfonds ja eine ideale Anlageform: Denn dadurch, dass sie Aktien und Anleihen mischen, schnitten sie in jeder Börsenphase gut ab. Sie seien sozusagen die Königsklasse unter den Fonds. Wenn das stimmte, wäre das in der Tat schön. Nur belegen die langjährigen Zahlen, dass das nicht wirklich der Fall ist. Kritiker warnen deshalb, Mischfonds seien derzeit zwar die meistgefragten aber auch die am stärksten überschätzten Fondsprodukte.