Fonds Schwierige Zeiten für Mischfonds

Mischfonds sind beliebt, doch nur ein kleiner Teil wird sich dauerhaft durchsetzen. Von Maik Bolsmann
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Maik Bolsmannist Geschäftsführer der Vermögensverwaltung B&K Vermögen in Köln

Schaut man sich die letzten Absatzzahlen des deutschen Fondsverbands BVI an, fällt auf: Von den gut 4,5 Mrd. Euro, die Fonds im Juni einsammelten, entfielen 3 Mrd. Euro, also knapp 70 Prozent, auf Mischfonds. Auf den Plätzen finden sich Rentenfonds mit 750 Mio. Euro und offene Immobilienfonds mit 600 Mio. Euro. Weit abgeschlagen folgen die Aktienfonds.

Mischfonds sind zu Recht beliebt, handelt es sich doch um ein Wohlfühlprodukt für alle Interessensgruppen: Kunde, Berater und Fondsgesellschaft. Der Kunde erhofft sich mit dem von ihm ausgewählten Produkt einen erfolgreichen Vermögensverwalter für jede Marktlage gefunden zu haben; der Berater kann das Markt-Timing an den Fondsmanager delegieren und der Manager kann sich auf seine Arbeit konzentrieren, ohne einer Vielzahl von Kunden regelmäßig seine Sicht der Dinge erörtern zu müssen.

Aus Sicht der Anleger ist die aktuelle Boom-Phase positiv zu bewerten. Reger Wettbewerb war schon immer zum Vorteil des Kunden: Wenn ein Fonds dauerhaft überleben will, muss sich die Transparenz weiter erhöhen. Das bedeutet, dass Anbieter ihr Profil schärfen, ihre Investmentphilosophie, Anlagestrategie und das Risikomanagement klarer und greifbarer definieren. Die Fondsindustrie wird sich nicht einfach im Erfolg sonnen können, sie wird Standards entwickeln müssen, um die Produkte vergleichbarer zu machen. Das gilt gleichermaßen für die Kostenstrukturen, die sich in erheblichem Maße voneinander unterscheiden.

Renditequelle versiegt

Nachdem das Angebot inzwischen riesig und aufgrund der Vielfalt kaum noch zu überblicken ist, kommt dem Auswahlprozess eine entscheidende Rolle zu. Hierzu gehört der Blick auf qualitative Aspekte wie: ein erfahrenes, konstantes Führungsteam, ein Managementstil, der mit dem aktuellen Marktumfeld in Einklang steht und ein funktionierendes Risikomodell. Genauso wichtig ist die Analyse und Auswahl anhand klassischer Kennzahlen wie Performance, Volatilität und Sharpe Ratio.

Darüber hinaus muss der Blick in die Zukunft gerichtet werden: So haben beispielsweise in den vergangen Jahren viele Mischfonds mit defensivem Charakter (geringer Aktienanteil) zwar gute Ergebnisse durch Kursgewinne aufgrund des extrem gefallenen Zinsniveaus erzielt. Bei einem Zinsniveau nahe Null über nahezu das gesamte Laufzeitspektrum versiegt diese Renditequelle jedoch zusehends. Daher werden solche Fondslösungen erfolgreich sein, die ein breites Spektrum an Anlageklassen und Instrumenten kombinieren und damit eine angemessene Rendite erwirtschaften.

Auf kleinere Mischfonds achten

Auch bei der Geldanlage in Mischfonds gilt: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Die geschickte Kombination verschiedener Fonds, die von Managern (Köpfen) mit unterschiedlichen Weltanschauungen und Investmentstilen geführt werden, ist unserer Meinung nach für konservative Anleger im aktuellen Marktumfeld der Schlüssel zum Erfolg. Anleger sollten dabei kleineren, weniger prominenten Mischfonds genauso ihre Beachtung schenken wie den Flaggschiffen der Branche. Die Underdogs erwirtschaften oftmals höhere Renditen als ihre großen Pendants.

Angesichts der hohen Zuflüsse gerade in den vergangenen Monaten liegt natürlich die Vermutung nahe, dass es sich beim Mischfonds-Boom nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Auch deshalb, weil Fondsvertriebe den Absatz ordentlich befeuert haben. In der Tat: Auf einen großen Teil der Mischfonds sehen wir auf Dauer schwierige Zeiten zukommen, denn durchsetzen werden sich nur wirklich gut gemanagte Investmentlösungen. Und um die geht es.

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