AktienSicherheitsbranche im Aufwind

In den Straßen von Chicago ereigne sich ein „Gemetzel“, verkündete Donald Trump im vergangenen Monat auf Twitter. Wenn die Stadt die Lage nicht in den Griff bekomme, werde er die „Feds“ dorthin schicken – gemeint war wahrscheinlich das FBI, die US-amerikanische Bundespolizei. Im Gegensatz zu vielen anderen Tweets des US-Präsidenten verbarg sich in diesem Statement ein wahrer Kern. Chicago hat tatsächlich ein Gewalt-Problem: Im vergangenen Jahr wurden dort laut Statistik 762 Menschen getötet, mehr als in Los Angeles und New York zusammen.

Trotzdem produziert der Verweis auf Chicago ein Zerrbild. Auf lange Sicht ist die Kriminalitätsrate in den USA gesunken, zeigen Zahlen des FBI. Vor allem die Zahl vorsätzlicher Tötungen ist in den vergangenen zwei Dekaden deutlich zurückgegangen. In Deutschland liegt die Zahl der Straftaten seit Jahren ungefähr auf demselben Niveau. Vereinzelte Ausreißer nach oben deuten nicht unbedingt auf eine schlechtere Sicherheitslage hin. Im Jahr 2015 etwa stieg die Kriminalitätsrate wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht leicht an. Darunter fällt zum Beispiel die Missachtung der Residenzpflicht für Flüchtlinge.

Populisten befeuern das Gefühl der Unsicherheit

Die Zahlen sprechen also eine deutliche Sprache: Das Leben in westlichen Industriestaaten ist im Schnitt relativ sicher. In Ballungszentren gibt es zwar mehr Probleme als auf dem Land. Insgesamt kann aber nicht die Rede davon sein, dass die Verbrechensraten explodieren würden. Trotzdem fühlen sich viele Menschen unsicher. In einer Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag der NDR-Sendung „Panorama“ gaben kürzlich 13 Prozent der befragten Frauen an, Reizgas bei sich zu tragen. Populisten befeuern das Gefühl der Unsicherheit, indem sie Einzel- und Extremfälle zur Regel deklarieren, und nutzen es für ihre Zwecke aus.

Zeiten, in denen Populisten mit ihren Bedrohungsszenarien mehr Gehör finden, sind auf den ersten Blick goldene Zeiten für die Waffen-, Rüstungs- und Sicherheitsbranche. Das gilt erst recht, wenn die Angstmacher Regierungsverantwortung bekommen. So ist der Aktienkurs des US-Handfeuerwaffenherstellers Smith & Wesson seit Donald Trumps Wahlsieg deutlich gestiegen. Die Aktie des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin hat seit Anfang November ebenfalls zugelegt. Anleger spekulieren offenbar auf steigende Rüstungsausgaben und laxere Waffengesetze in den USA. Ein naheliegender Gedanke, wenn man Aussagen hört wie jene der neuen US-Bildungsministerin Betsy DeVos: Sie deutete ernsthaft an, dass Waffen in Schulen erlaubt sein müssten, damit sich Schüler gegen Grizzlybären verteidigen können.

Harte Zahlen zählen mehr als gefühlte Wahrheiten

Der Branchenindex SGI Global Security ist in den vergangenen zwölf Monaten um fast 30 Prozent gestiegen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Sicherheitsbranche in einem langfristigen Aufwärtstrend befindet. Anleger können versuchen, davon zu profitieren – sollten allerdings nicht den Fehler machen, die Rhetorik der Populisten zum Maßstab für ihre Investments zu erheben. Bei Aktienanlagen zählen harte Zahlen immer noch mehr als gefühlte Wahrheiten. So hat etwa Lockheed Martin starke Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert. Die Gewinnaussichten haben sich aber nach Einschätzung von Analysten verschlechtert.

Investments in die Rüstungs- und Sicherheitsbranche müssen also gut geplant werden. Aus Diversifikationsgründen sollten Anleger nicht nur in die Platzhirsche investieren, sondern kleine Unternehmen ebenfalls berücksichtigen. Deren Aktienkurse unterliegen allerdings vergleichsweise starken Schwankungen. Wer damit Probleme hat oder sich nicht zutraut, aussichtsreiche Einzeltitel zu identifizieren, sollte über einen Fonds investieren.