• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Ausweg aus der Langeweile-Liga

, Jörn Quitzau

Wer die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Bundesliga aufbrechen will, muss den Spielermarkt regulieren. Von Jörn Quitzau

Einsamer Zuschauer
Noch ein seltenes Bild - die Stadien der Bundesligaclubs sind gut besucht

 


Jörn Quitzau ist Volkswirt bei der Berenberg Bank. Daneben betreibt er den Blog Fussball-Oekonomie.deJörn Quitzau ist Volkswirt bei der Berenberg Bank. Daneben betreibt er den Blog Fussball-Oekonomie.de

 


Nach dem 10. Spieltag ist die Meisterschaft bereits entschieden. Die Liga darf dem FC Bayern München zum erneuten Titelgewinn gratulieren. So lautet jedenfalls eine weit verbreitete Meinung deutscher Fußballfans. Weit verbreitet, aber dennoch voreilig.

Entschieden ist derzeit lediglich der Zweikampf um die deutsche Meisterschaft zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Viele Experten hatten vor Saisonbeginn erwartet, dass allein diese beiden Klubs um die Meisterschaft spielen würden. 17 Punkte und 26 Tore Rückstand hat der BVB auf den FC Bayern – damit ist das Thema Meisterschaft für die Dortmunder erledigt. In unmittelbarer Schlagdistanz zum Tabellenführer aus München sind derzeit aber noch der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach (je 4 Punkte Rückstand). Soweit die Momentaufnahme.

Handlungsbedarf wegen Bayern-Übermacht?

Diejenigen, die eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beklagen, werden sich von dieser Momentaufnahme allerdings nicht beeindrucken lassen. Als Problem bleibt, dass angesichts der bayerischen Konstanz jeder Bundesliga-Konkurrent hoffnungslos zurückfällt, der sich im Saisonverlauf eine auch nur etwas längere Schwächephase erlaubt. Der BVB hat sich seine Schwächephase gleich zu Saisonbeginn genommen und ist damit aus dem Rennen. Ob Wolfsburg und Gladbach ihr aktuelles Niveau über die Saison werden halten können, ist fraglich. Nur der FC Bayern hat einen derart breiten Kader, dass er die sportliche Dreifachbelastung trotz Verletzungspech problemlos bewältigen kann. Wohl gemerkt: Verletzungspech haben die Bayern seit Saisonbeginn in erheblichem Ausmaß (Martinez, Schweinsteiger, Thiago) – nur fällt es sportlich bisher überhaupt nicht ins Gewicht.

Dass der Bayern-Kader so breit ist, hängt natürlich mit seiner finanziellen Übermacht zusammen. Welcher Verein kann schon mal eben kurzfristig einen Weltstar wie Xabi Alonso verpflichten, wenn eine Position verletzungsbedingt sonst nicht optimal zu besetzen wäre? Die außergewöhnliche Qualität des Kaders zeigt sich am besten beim Blick auf die bayerische Reservebank: Gegen den BVB nahmen dort zu Spielbeginn Ribery, Pizarro, Rode, Dante, Shaqiri und Rafinha Platz. Man kann es sich leisten, Spieler zu schonen, die bei jedem anderen Bundesligisten keine Minute auf dem Spielfeld verpassen würden.

Der deutsche Rekordmeister verfügte schon immer über Weltstars. Im Gegensatz zur heutigen Situation war es aber bis vor wenigen Jahren auch für den FC Bayern ein deutliches Problem, wenn Stars ausfielen. Der Gegner durfte in so einem Fall Morgenluft wittern. Heute ist der FC Bayern in der Lage, fast jeden Ausfall nahezu gleichwertig zu ersetzen. Die finanzielle Übermacht hat dem FC Bayern jedenfalls sportlich einen gewaltigen Vorsprung verschafft.

Finanzausgleich als Lösung?

Selbstverständlich muss im Mannschaftsgefüge auch alles „passen“, so wie es in München derzeit der Fall ist. Das wird mit Sicherheit nicht ewig so bleiben, denn der Fußball ist zu komplex, als dass er sich auf die einfache Formel „Geld schießt Tore“ reduzieren ließe. Dies soll hier aber nicht unser Thema sein (siehe dazu „Wichtig ist neben dem Platz“). Fakt ist, dass sich die Finanzschere inzwischen so weit geöffnet hat, dass sie im europäischen Klubfußball zum Problem geworden ist.

Ein naheliegendes Gegenmittel ist der Finanzausgleich zwischen finanzstarken und finanzschwachen Klubs. In der Bundesliga geschieht dies bereits über die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte. Die Fernsehgelder werden nach einem bestimmten Schlüssel so verteilt, dass Spitzenklubs wie der FC Bayern sehr viel weniger erhalten, als wenn sie ihre Heimspiele in Eigenregie vermarkten dürften. Hier könnte die Liga einen großen Schritt weitergehen und den Finanzausgleich auf alle Einnahmekategorien – also Eintrittskarten, Werbung, Merchandising – ausweiten. Damit könnte die Finanzschere ein ganzes Stück weiter geschlossen werden.

Zweistufiger Wettbewerb erfordert europäische Lösung

Die großen Klubs würden gegen solche Pläne jedoch Sturm laufen – und das durchaus zu Recht, denn sie stehen nicht nur im Wettbewerb mit der nationalen Konkurrenz, sondern auch mit den Spitzenklubs der anderen europäischen Ligen. Es geht quasi um die Quadratur des Kreises: Die Spitzenklubs sollen nicht so stark sein, dass sie die nationalen Ligen nach Belieben dominieren, aber stark genug, um gegen die internationale Konkurrenz bestehen zu können. Es liegt auf der Hand, dass nationale Regeln in einem internationalen bzw. europäischen Markt nicht die optimale Lösung sind. Wenn also Finanzausgleich, dann bitte auch auf europäischer Ebene.

Die Uefa versucht derzeit, finanzielle Exzesse durch das sogenannte Financial Fairplay zu stoppen. Sie beabsichtigt damit, den Einfluss externer Geldgeber zu begrenzen, so dass die Klubs nur noch das ausgeben können, was sie mit dem originären Fußballgeschäft erwirtschaften. Ökonomen monieren, dass die Zwei-Klassen-Gesellschaft dadurch erst recht zementiert wird, weil Modellen wie Manchester City oder RB Leipzig die Grundlage entzogen würde. Unabhängig von der Frage, ob dies tatsächlich so ist und ob der Fußballfan Retortenklubs zur Sicherung der sportlichen Wettbewerbsintensität überhaupt akzeptiert, ist zu bedenken, dass es viele Schlupflöcher gibt, um die Regeln des Financial Fairplay zu umgehen. Auch Finanzausgleichsregeln können umgangen werden. Die Erfahrungen mit den Gehaltsobergrenzen der amerikanischen Teamsportarten zeigen beispielsweise, dass Spieler statt höherer Gehälter Sponsorenverträge bekommen. De jure werden die Gehaltsobergrenzen damit eingehalten, de facto aber nicht. Der Kontrollaufwand ist jedenfalls extrem hoch, wenn es darum geht, Finanzregulierungen durchzusetzen.

Spielermarkt regulieren

Wirksamer wäre es, die Spielermärkte direkt zu regulieren. Eine modifizierte Ausländerregel würde dem Transfergebaren der Spitzenklubs, sich eine Weltauswahl zusammen zu kaufen, einen Riegel vorschieben. Auch die Begrenzung der Kadergröße würde helfen, Topstars wieder gleichmäßiger auf die Vereine zu verteilen. Doch dies ist ökonomisch und juristisch vermintes Gelände. Man muss sich aber auf dieses Gelände trauen, wenn es mit der Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht noch schlimmer werden soll. Denn sonst droht langfristig als Ausweg doch noch das, was eigentlich niemand möchte: eine geschlossene Europaliga.


Artikel zum Thema
Autor
  • Kommentar
Inflation am Fussball-Markt

Die Ablösesummen auf dem Transfermarkt steigen ins Unermessliche. Jetzt kommt sogar Kritik aus dem Fußball-Lager selbst. Von Jörn QuitzauMEHR

  • Kommentar
Bundesliga–Finale gegen die Langeweile

Ein Endspiel um die Meisterschaft könnte die Bundesliga wieder spannend machen. Von Jörn QuitzauMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.