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7 Gründe gegen die Rürup‑Rente

, Uwe Redler

Die 2005 eingeführte Rürup-Rente erweist sich als Desaster. Uwe Redler erklärt, was an der „Basisrente“ nicht stimmt.

Die Beine eines älteren Mannes und einer älteren Frau © Johannes Mink
Für die Altersvorsorge ist die Rürup-Rente nicht geeignet, meint Uwe Redner

Uwe Redler ist Finanzberater. Er hilft Verbrauchern bei der Suche nach den richtigen Vorsorgeprodukten. Seit November 2015 ist Herr Redler Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen. Weitere Informationen unter www.uwe-redler.deUwe Redler ist Finanzberater. Er hilft Verbrauchern bei der Suche nach den richtigen Vorsorgeprodukten. Seit November 2015 ist Herr Redler Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen. Weitere Informationen unter www.uwe-redler.de


Im Jahr 2005 wurde sie eingeführt – die sogenannte „Basisrente“, benannt nach dem Ökonomen Bert Rürup. Sie sollte vor allem Selbständigen die private Altersvorsorge erleichtern. Jetzt, zehn Jahre später, hat sich die Rürup-Rente als ein Desaster herausgestellt. Experten und Verbraucherschützer sind sich einig: Hier stimmt vorne und hinten nichts. Mir fallen sieben Kritikpunkte ein:

1. Bei Abbruch hohes Verlustrisiko

Gerade Selbstständige können ihren Verdienst nie hundertprozentig kalkulieren. Wenn Sie nun eine gewisse Zeit die Beiträge nicht zahlen können, ist das Ersparte futsch. Denn zu den Regelungen der Versicherung gehört, dass sie erlischt, wenn bestimmte Mindestbeträge nicht erreicht werden. Das ist ein hohes Risiko!

2. Versteckte Abschlusskosten in großer Höhe

Vor allem in den ersten Jahren liegt das Sparguthaben häufig deutlich unter den Beträgen, die Sie eingezahlt haben. Denn in dieser Zeit kassieren die Versicherungen hohe Abschluss- und Verwaltungsprovisionen. Dies kann in einigen Fällen sogar noch beim Renteneintritt passieren, wie beispielsweise bei auf Fonds basierenden Rürup-Policen. Es gibt bei der Rürup-Rente keinerlei Garantien für die eingezahlten Beiträge.

3. Knebelvertrag durch fehlende Flexibilität

Übertrieben gesagt, schließen Sie einen Rürup-Vertrag bis zum Tod ab. Kündigung oder Auszahlung eines Rückkaufwertes sind ausgeschlossen. Zudem kann das Kapital nicht kapitalisiert, nicht beliehen, nicht übertragen und nicht veräußert werden. Sie binden sich also mit Ihrer Unterschrift lebenslang an den jeweiligen Anbieter des Rürup-Vertrages. Nur in der grauen Theorie ist ein Wechsel möglich und dann mit großen Verlusten.

4. Nicht vererbbar

Ebenso unflexibel ist die Rürup-Rente bezüglich der Vererbung. Denn stirbt der Rürup-Sparer, erlischt auch sein Vertrag. Geschieht dies während der Ansparphase, ist das gesamte Guthaben passé. Stirbt der Versicherte in der Rentenzahlungsphase, wird die Auszahlung der Rente beendet. Während der sogenannten „Rentengarantiezeit“ kann zeitlich begrenzt weiter ausgezahlt werden, das kostet allerdings extra und verringert die Grundrente.

5. Steuervorteile funktionieren nur halbherzig

Die staatliche Förderung der Rürup-Rente sieht eine Steuerersparnis für den Sparer vor. Von 2005 an wurde diese allerdings gestaffelt – beginnend im Jahr 2005 mit 60 Prozent sind wir nach zehn Jahren bei 80 Prozent angelangt. Damit Sie in den vollen Genuss der steuerlichen Absetzbarkeit gelangen, müssen Sie noch bis 2025 warten – also nochmal zehn Jahre. Zudem gilt die Vergünstigung nur für einen Sparbetrag von höchstens 20.000 Euro. Wenn Sie die Rente dann endlich mal erhalten, müssen Sie diese allerdings voll versteuern – versteht sich!

6. Kein Pfändungsschutz

Von Beginn an wurde die Rürup-Rente als pfändungsgeschützte Altersvorsorge angepriesen. Das hat sich mittlerweile schlicht als Marketinglüge herausgestellt. Denn bereits vor einigen Jahren hat das Bundesfinanzministerium die Karten auf den Tisch gelegt und gesagt: „Der Pfändung des Altersvorsorgevermögens steht ein vertragliches Abtretungs- und Übertragungsverbot nicht entgegen.“ Auch der Bundesgerichtshof ist der Meinung, dass die Rürup-Rente gepfändet werden kann. Bereits im Jahr 2004 wurde höchstrichterlich entschieden, dass eine Zwangsvollstreckung auch nicht verhindert werden kann, weil in der Satzung der Altersversorgung eine Nichtübertragbarkeit des Guthabens festgelegt wurde.

7. Undurchschaubare Angebote

Es gibt zahlreiche Anbieter, die mit Rürup-Sparen werben. Diese zeigen erhebliche Unterschiede in Preis und Leistung. Wenn Sie da durchblicken wollen, lasten Sie sich ein wochenlanges Studium von Unterlagen und Zahlen auf. Und selbst dann ist nicht sicher, ob Sie den vollen Durchblick bekommen.


Lohnen kann sich die Rürup-Rente einzig für ältere Menschen, die einen hohen Steuersatz haben und in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen.

Die Art und Weise, wie für die Rürup-Rente geworben wird, ist geradezu fahrlässig und meiner Meinung nach auch betrügerisch. Klar ist, dass den Sparern die Policen mit Steuervorteilen schmackhaft gemacht werden und geraten wird, hohe Beiträge einzuzahlen. Desto höher sei dann die Steuerersparnis. Doch wenn das Geld aus finanziellen Gründen nicht mehr eingezahlt werden kann, kommt das böse Erwachen. Hinzu kommt, dass mit steigenden Beiträgen auch die Provisionen in die Höhe klettern. Sie können laut Handelsblatt schon mal bei 6,7 Prozent und höher liegen statt der üblichen 4 Prozent.

Wenn Sie also der gefürchteten Altersarmut vorbeugen wollen, ist die Rürup-Rente garantiert der FALSCHE Weg. Mein Rat: Lassen Sie die Finger davon und kümmern Sie sich um eine lohnenswertere Altersvorsorge. Zumindest sollten Sie eine zusätzliche Geldanlage fürs Alter finden, damit Sie Ihren wohlverdienten Ruhestand auch von der finanziellen Seite her genießen können. Ich empfehle ETF’s, Aktien sowie kostengünstige Fonds.


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