BewerbungenDas dürfen Chefs im Vorstellungsgespräch nicht fragen

Nicht auf alle Fragen müssen Bewerber im Vorstellungsgespräch antworten
Nicht auf alle Fragen müssen Bewerber im Vorstellungsgespräch antwortenTim Gouw from Unsplash

Rechtlich ist alles klar. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt seit 2006 Menschen vor Diskriminierung. Sie dürfen nicht aufgrund der folgenden Faktoren benachteiligt werden:

  • ethnische Herkunft
  • Geschlecht
  • Religion oder Weltanschauung
  • Behinderung
  • Alter
  • sexuelle Identität

Diskriminierung bei der Bewerbung

Diese Grundsätze gelten auch auf dem Arbeitsmarkt. „Stellenausschreibungen,  Anforderungen an Bewerbungsunterlagen und Auswahlverfahren müssen somit  grundsätzlich diskriminierungsfrei ausgestaltet sein“, unterstreicht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Konkret heißt das: Im Vorstellungsgespräch sind Fragen nach oder im Zusammenhang mit den geschützten Merkmalen grundsätzlich unzulässig.

Wird zum Beispiel eine schwangere Bewerberin gefragt, ob sie ein Kind erwartet, darf sie laut der Antidiskriminierungsstelle lügen. Denn die Frage ziele auf eine Benachteiligung von Frauen wegen Schwanger- oder Mutterschaft. „Kommt ein Arbeitsverhältnis zustande, kann dieses nicht mit Verweis auf eine Lüge angefochten werden“, betont die Bundesbehörde.

Das Gesetz erlaubt allerdings Ausnahmen – etwa, wenn ein Merkmal entscheidend für die Berufsausübung ist. Das gilt beispielsweise bei der Beschäftigung durch Religionsgemeinschaften.

Mehrheit anwortet auf verbotene Fragen

Leider sind sich viele Beschäftigte ihrer Rechte offenbar nicht bewusst. Die Antidiskriminierungsstelle hat 2018 eine Umfrage zu dem Thema veröffentlicht. Das Fazit: „Jeweils eine deutliche Mehrheit der Befragten hält zum Beispiel Fragen nach dem Lebensalter (86 Prozent), der Staatsangehörigkeit oder einer (Schwer-)Behinderung (jeweils 72 Prozent) für grundsätzlich zulässig, obwohl danach nur in Ausnahmefällen gefragt werden darf.“

Selbst bei glasklarer Rechtslage ist die Verunsicherung noch groß. „Fast vier von zehn Befragten (39 Prozent) erachten zudem die Frage an eine Bewerberin nach einer bestehenden Schwangerschaft als zulässig, obwohl dies eindeutig verboten ist und von der Bewerberin auch nicht oder nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden muss“, teilte die Behörde mit.