InterviewClaus Heinemann: „Wir denken in Generationen“

Claus Heinemann ist zusammen mit seinem Vetter Gunnar Inhaber des Familienunternehmens Gebr. Heinemann. Die Firma beliefert Flughäfen, Fluggesellschaften, Kreuzfrahrtschiffe und Bordershops mit einem Duty Free Sortiment. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 4,1 Mrd. Euro Gebr. Heinemann


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


 

Was hält Sie nachts wach?

CLAUS HEINEMANN: Die Sorge um die Zukunft. Ich mache mir Gedanken darüber, wie wir unsere Firma, die jetzt in der vierten Generation ist, sicher in die fünfte Generation bringen können, welche langfristigen Ziele wir uns setzen und wie wir uns vom Wettbewerb unterscheiden. Es beunruhigt mich, sich zu hohe und zu viele Ziele zu setzen, die man nicht zur vollen Zufriedenheit erreichen kann.

Was machen Sie, wenn Sie die Ziele dann nicht erreichen?

Es ist schwer, immer 100 Prozent der Leistung abzurufen. In unserer schnelllebigen Zeit muss man manchmal auch mit 80 Prozent zufrieden sein.

Von welchem Unternehmen können Sie am meisten für Ihre Zukunft lernen und warum?

Ich bewundere Unternehmen, die fortschrittlich sind, die flexibel sind und die schnell auf Marktveränderungen reagieren können und die trotz starken Wachstums Entscheidungen und Innovationen rasch umsetzen.

Wenn Sie jetzt ein Unternehmen nennen sollten, welches wäre das?

Eigentlich müsste ich jetzt Google, Amazon oder die Autofirma Tesla erwähnen. Ich persönlich jedoch bewundere beispielsweise die Firma Rimova, ein faszinierendes Unternehmen, dessen Koffer sich durch Stabilität, Leichtigkeit und schickes Äußeres vom Wettbewerb absetzen. Und dann noch „made in Germany“, wo doch die Produktionskosten hierzulande im Vergleich zu anderen Ländern recht hoch sind. Ein Luxusartikelhersteller wie etwa Montblanc imponiert mir ebenfalls, da diese Firma schon seit Jahrzehnten Führer in einem stark umkämpften Markt ist.

Wer beschäftigt sich bei Ihnen im Hause mit dem Thema Zukunft?

Die Geschäftsleitung mit den Inhabern genauso wie die Führungskräfte und jeder Einzelne in seinem Bereich. Jeder macht sich Gedanken, mit welchen Produkten und welcher Dienstleistung wir in zehn Jahren noch erfolgreich sind.

Wie lang beziehungsweise kurzfristig betrachten und planen Sie Ihre Zukunft?

Wir planen als Familienunternehmen langfristig, wir denken in Generationen. Natürlich haben wir zudem ein kurzfristiges Budget, um auch unseren Mitarbeitern klare Ziele vorgeben zu können.

Wie werden sich die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kunden in der Zukunft ändern und wie beschäftigen Sie sich damit?

Die Kunden sind heutzutage vor allem durch die neuen Medien erheblich besser informiert über das, was zum Beispiel ein Einzelhandelsgeschäft am Flughafen zu bieten hat. Unser Ziel muss es sein, uns frühzeitig mit dem Kunden zu verknüpfen und mehr Informationen zu vermitteln. Es ist für uns eine große Aufgabe, den Mehrwert und die Attraktivität unserer Shops darzustellen, immer wieder Überraschungseffekte zu bieten und so den Kauf der Produkte aus unserem umfangreichen internationalen Sortiment interessant zu machen.

Was sind momentan Ihre größten Investitionen in die Zukunft?

Größere Investitionen werden wir in den nächsten Jahren im Bereich E-Commerce vornehmen. Die weitaus größte Investition wird von unserer türkischen Firma geleistet: Im nächsten Jahr eröffnet der neue Flughafen in Istanbul, in dem 50.000 Quadratmeter Ladenfläche entsteht, wovon wir 20.000 Quadratmeter selbst betreiben werden.

Wie würden Sie Ihr Bild des Unternehmens der Zukunft beschreiben?

Shoppingkonzepte entwickeln, die durch ihre Einzigartigkeit den Reisenden zum Kauf verführen. Nicht Shops, wie Sie sie an vielen Flughäfen finden, sondern durch Kreativität wie auch ein überraschendes Sortiment Shops zu kreieren, die auch den Reisenden, der gar nicht vorhat bei uns einzukaufen, letzten Endes dazu bringt, zum Käufer zu werden.

Wer oder was inspiriert Sie und welchen Einfluss hat das auf Ihre Rolle als Vorstand?

Vorbilder sind für mich Führungskräfte, die bescheiden sind, die sich nicht in den Vordergrund drängen, die gut zuhören können und Ihre Mitarbeiter motivieren und mitreißen.