LeserfrageWelchen Europa-ETF soll ich wählen?

Symbolbild GeldanlageGetty Images

Das Gewusel an Eurozonen- und Europa-ETFs ist tatsächlich kaum zu überblicken. So bilden manche Produkte den bekannten Aktienindex MSCI Europe nach, andere dagegen den gleichermaßen populären Stoxx Europe 50. Hinzu kommen Themen-ETFs, die auf besonders dividendenstarke Papiere aus den wichtigsten Aktienmärkten Europas oder der Eurozone setzen oder nur europä­ische Ölaktien oder auch besonders schwankungsarme Aktien umfassen.

Trotzdem ist die Frage, welcher Index und welcher ETF der richtige ist, im ersten Schritt vergleichsweise leicht zu beantworten. Um Themenfonds sollten alle Anleger einen Bogen machen, die eine Basisanlage ohne Firlefanz suchen und erst mal nur den Wunsch haben, überhaupt in Aktien aus Europa oder der Eurozone zu investieren.

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Im zweiten Schritt wird die Antwort ein bisschen komplizierter. Sie hängt davon ab, welche Länder Anleger im Portfolio haben wollen. So machen im MSCI Europe britische Konzerne 25 Prozent und die Schweiz 15 Prozent des Indexes aus. Wer nur für die nächsten Jahre anlegen möchte, dürfte angesichts des Brexit-Dramas wohl mit Eurozonen-Produkten besser bedient sein. Sobald die Briten die EU verlassen, drohen sonst heftige Verluste. Möchten Sparer dagegen längerfristiger investieren, sollten sie eher Europaprodukte wählen, denn insbesondere Aktien aus der Schweiz und in geringerem Maße britische Werte könnten sich als Stabilisator erweisen, wenn die Eurozone mal wieder kriselt. Zudem finden sich in beiden Ländern renditestarke Gesundheitskonzerne.


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ETF-Fonds, die Indizes aus Europa und der Eurozone nachbilden, listet das Portal justetf.com. Der größte davon kommt momentan auf ein Volumen von 6,5 Mrd. Euro.


Wieder leichter fällt der dritte Schritt: die Antwort auf die Frage, welcher konkrete Eurozonen- oder Europaindex der bessere ist. Für die Eurozone zum Beispiel gibt es ETFs auf den Stoxx 50, der die 50 wichtigsten Papiere umfasst, etwa Total und die Allianz. Allerdings kommt dieser Index über 15 Jahre nur auf eine Gesamtrendite von mehr als 110 Prozent, und über zehn Jahre sind es gut 80 Prozent. Das ist steigerungsfähig: Ein ETF auf den MSCI European Economic and Monetary Union (EMU) fährt in denselben Zeiträumen mehr als 140 beziehungsweise mehr als 90 Prozent Rendite ein.

Der Grund: Der MSCI EMU ist breiter aufgestellt und umfasst fast 250 Aktien. Zudem haben einzelne Aktien im MSCI-Index ein geringeres Gewicht. Total kommt hier nur auf fast drei Prozent, während es im Euro Stoxx 50 mehr als fünf Prozent sind. Der MSCI-Index kann Verluste bei einer einzelnen Aktie also leichter verkraften.

Ähnlich ist es bei Europa-ETFs: Der Stoxx Europe 50 kommt über zehn Jahre auf mehr als 85 Prozent Rendite, der MSCI Europe aber auf mehr als 110 Prozent. Der Grund auch hier: Der MSCI-Index ist besser diversifiziert, er umfasst in der Europavariante mehr als 440 Werte.

 


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