FAANG+-Aktien Warum die Aktien der Tech-Riesen nicht mehr immun gegen Korrekturen sind

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French
Bisher haben die Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und der Google-Mutter Alphabet allen Widrigkeiten getrotzt. Doch das ist vorbei. Ein Grund: Die Tech-Riesen kommen sich untereinander in die Quere

Lange hatten Anleger den Eindruck, die sogenannten FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google) wären immun gegen jegliche Unbill an den Börsen. Jedenfalls nahmen diese Zauberaktion in den vergangenen Jahren kaum an Korrekturen teil und schwangen sich stattdessen von einem Höchstkurs zum nächsten. Erweitert man die Gruppe um einige zusätzlich Wunderaktien – sie tragen die Namen Microsoft, Tesla, Visa, Paypal, Salesforce und Nvidia – dann hat man grosso modo die Börsenzugpferde der letzten Jahre beisammen.

Noch bis vor kurzem schien es, als ob die genannten Aktien, die sich fast in jedem ETF und in vielen Aktienfonds finden, ein aufwärtsgerichtetes Eigenleben an der Börse führen würden. Denn an dem Crash etlicher Technologieaktien aus der zweiten und dritten Reihe nahmen das große Dutzend des Sektors kaum teil. Jetzt aber verdichtet sich der Eindruck, als würde die eingesetzte Börsenkorrektur auch bei diesen blaublütigen Werten an die Tür klopfen.

Der Absturz der Facebook Aktie – mittlerweile in Meta Platforms umbenannt – nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen ist eine ungewohnte Erfahrung für die verwöhnten Aktienbesitzer. Von den Höchstkursen im August ist die Aktie inzwischen um circa 45 Prozent abgestürzt. Dieser Einbruch mag dazu führen, dass die Meta-Aktie zu einem sogenannten Value-Titel mutiert, weil sie nach gängigen Bewertungskennzahlen mittlerweile recht günstig aussieht. Ein Schicksal, das übrigens zahlreiche vormalige Wachstumsunternehmen ereignet hat, auch auf dem deutschen Kurszettel. Eine entsprechende Entwicklung haben auch Microsoft und Apple in ihrer Vergangenheit bereits durchlebt.

Selbst Tesla, mit dem umtriebigen Magier Elon Musk an der Spitze, legte in den letzten Wochen den Rückwärtsgang ein. Seitdem der gebürtige Südafrikaner Tesla-Aktien im Wert von mehr als 10 Mrd. US-Dollar verkauft hat, läuft Teslas Börsenmotor nicht mehr rund. Die inzwischen nach Texas emigrierten Kalifornier werden sich damit trösten, nach wie vor einen Börsenwert zu besitzen, der dreimal so groß ist wie jener von VW, Mercedes und BMW zusammen.

Fest steht, dass die großen Internetunternehmen sich gegenseitig in die Quere kommen. Apple und Amazon wollen ein größeres Stück von Metas Werbekuchen und zugleich wollen sie ebenso wie Google bei Elektrofahrzeugen mitmischen. Amazon möchte beim Video Streaming von Netflix Marktanteile gewinnen und Apple, Meta und Google versuchen ein Stück von Amazons E-Commerce Geschäft zu erhaschen. Die Genannten interessieren sich auch für Bezahldienstleistungen, so dass Paypal, Visa und andere auf der Hut sein müssen.

Für die Kunden dürfte der Wettbewerb der großen Internetkonzerne Vorteile mit sich bringen. Die raschen Entwicklungsschritte sorgen bei den Aktionären aber dafür, dass alle Datenriesen mehr oder weniger großen Disruptionsrisiken ausgesetzt sind. Überdies sorgen regulatorische und technische Veränderungen potentiell für weitere Überraschungseffekte.

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