VorsorgeWann sich Schenkungen lohnen

Wohin mit dem eigenen Ersparten?Pixabay

Das deutsche Erbrecht ist kompliziert, aus einer Testamentseröffnung kann schnell ein Familienkrieg werden. Wer solche Eskalationen verhindern und schon vor seinem Ableben für klare Verhältnisse sorgen möchte, kann sein Hab und Gut zu Lebzeiten verschenken, statt es später den Erben zu überlassen. Das spart Steuern und bietet mehr Spielraum als ein Testament. Wer schenkt und nicht vererbt, kann zum Beispiel unabhängig vom Erbrecht entscheiden, wer wie viel bekommt.

Um steuerfrei davonzukommen, darf der Wert der Geschenke die gesetzlichen Freibeträge nicht überschreiten. Für Ehepartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro, bei Kindern sind es 400.000 Euro. Enkel stehen 200.000 Euro steuerfrei zu, Urenkel, Eltern und Großeltern müssen sich mit 100.000 Euro begnügen. Ist der Beschenkte gar nicht direkt mit dem Schenker verwandt, darf das Geschenk nicht mehr als 20.000 Euro umfassen. Andernfalls zieht der Staat Steuern ein.

Die gleichen Freibeträge gelten im Erbfall – der tritt naturgemäß aber nur einmal ein. Wer sein Vermögen schon zu Lebzeiten weitergibt, kann hingegen alle zehn Jahre von den Freibeträgen profitieren und bei der Bescherung zudem ungeliebte, aber erbberechtigte Verwandte einfach auslassen. Ist bis zur Testamentseröffnung dann alles verteilt, nützt unerwünschten Erben auch ihr Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil nichts – es ist ja kaum etwas übrig, das sie einklagen könnten.

Damit ein solcher Plan aufgeht, sollten künftige Erblasser nicht lange zögern. Angenommen, ein Vater möchte seinen Kindern Geld hinterlassen, so wie es 62 Prozent der Deutschen laut einer Umfrage der Deutschen Bank vorhaben. Der Mann schenkt seiner Tochter zu Lebzeiten 400.000 Euro. Drei Jahre später stirbt er. Der Sohn hatte zuvor nichts geschenkt bekommen. Vor Gericht kann er nun eine Ausgleichszahlung beantragen. Weil die Tochter das Geld erst vor drei Jahren erhalten hat, fließen auf Auftrag des Sohnes dann noch 80 Prozent der Schenkung, also 320.000 Euro, in die Erbmasse ein. Erst im elften Jahr nach der Schenkung hätte die Tochter nichts mehr an ihren Bruder abtreten müssen.

Hätte der Vater das Geld an seinen Neffen verschenken wollen, wäre es schwieriger gewesen. Da er nicht direkt mit ihm verwandt ist, beträgt der Freibetrag nur 20.000 Euro – beim Erbe und bei der Schenkung. Ein beliebter Spartrick ist darum die Adoption. Die würde den Neffen auf eine Stufe mit den leiblichen Kindern stellen und ihm den vollen Freibetrag von 400.000 Euro sichern. Damit ein Adoptionsantrag erfolgreich ist, sollten die Beteiligten vor Gericht allerdings bessere Argumente als die Steuervergünstigung vorbringen.

Neben Geld vererben die Deutschen auch gern ihr Eigenheim. 54 Prozent der Befragten gaben in der Deutsche-Bank-Umfrage an, ihr Haus an Kinder oder Enkel abtreten zu wollen. Dabei gelten die gleichen Freibeträge wie bei anderen Schenkungen – aber: Wollen die Eltern bis zum Ende im Haus wohnen bleiben, sollten sie im Schenkungsvertrag den sogenannten Nießbrauch eintragen. Diese Klausel sichert den ursprünglichen Besitzern auch nach der Schenkung ein lebenslanges mietfreies Wohnrecht. Zugleich mindert der Zusatz den Wert der Immobilie. Klingt schlecht, ist es aber nicht. Wäre das Haus zum Beispiel 450.000 Euro wert, könnten die Eltern es nicht in einem Rutsch steuerfrei an eines der Kinder verschenken. Mit der Nießbrauchklausel hingegen könnte der Wert unter die erforderliche Grenze rutschen und somit dem Beschenkten Steuern sparen.

Besondere Vorsicht gilt bei Schenkungen, die zwei verschiedene Grundstücke betreffen – auf einem steht zum Beispiel ein Haus, das andere dient als Garten. Sind die Grundstücke auf verschiedenen Grundbuchblättern eingetragen, fällt auf das nicht bewohnte Grundstück in jedem Fall Erbschaftssteuer an, der Freibetrag kommt nicht zum Tragen. Nur mit einer Schenkung kommen Besitzer dann um die Steuer herum.