VermögensaufbauRiester-Förderung als Renditeturbo

Grau ist alle Theorie, wenn es um den Vermögensaufbau mit  Aktien und Aktienfonds geht: In Zeiten von Quasi-Nullzinsen auf Sparguthaben und gerade einmal noch 0,2 Prozent Rendite aller umlaufenden Bundesanleihen lautet die naheliegende Empfehlung: Mehr Aktien müssen in die Vermögensverteilung, um nach Anzug der Inflation und möglicher Gebühren überhaupt noch positive Renditen zu erzielen.

Doch die Zahl der Aktionäre in Deutschland sinkt seit Jahren, und die Zuflüsse in Aktienfonds fallen gemessen am Gesamtvermögen anämisch aus. Kein Wunder: In der Theorie klingt alles einfach. Viele potenzielle Anleger eint aber die Sorge, den geeigneten Zeitpunkt zum Einstieg längst verpasst zu haben und womöglich bei einem Dax-Indexstand von 12.000 Punkten zur Unzeit zu kaufen.

Es gibt allerdings Wege, den Einstieg in den Aktienmarkt mit einem Fallschirm zu wagen – zumindest für jene rund 40 Millionen Menschen, die förderberechtigt für die so genannte Riester-Rente sind und noch einige Jahre Zeit bis zum Renteneintritt haben: Es sind Riester-Fondssparpläne, wie sie etwa von Union Investment über das Netz genossenschaftlicher Banken, vom Startup fairr.de, von der Deka über die Sparkassen oder der Deutschen Asset & Wealth Management im Internet-Direktvertrieb oder über die Filialen angeboten werden. (Eine Übersicht findet sich hier)

Anbieter können mit hohen Aktienquoten arbeiten

Attraktiv ist der Riester-Fondssparplans zum Einstieg in den rentablen Vermögensaufbau und Altersvorsorge vor allem aus zwei Gründen – und das sowohl für Neukunden als auch Bestandskunden, die ihren Riester-Durchführungsweg wechseln können: Zum einen müssen die Anbieter garantieren, zum Zeitpunkt des Rentenbeginns mindestens sämtliche geleisteten Beiträge samt Zulagen des Staats zur Verrentung beziehungsweise Teilauszahlung zur Verfügung zu halten (ein Drittel des angesparten Vermögens kann dann entnommen werden). Weil der Staat die Einzahlungen in eine Riester-Rente bis zum Höchstbetrag von vier Prozent des Bruttoeinkommens beziehungsweise maximal 2100 Euro pro Jahr entweder über Zulagen (154 Euro pro Person und bis zu 300 Euro je Kind) fördert oder aber die geleisteten Beiträge bis zu den Höchstbeträgen steuerlich absetzbar sind, ergibt sich für Riester-Fondssparpläne schon über die Förderung eine eingebaute Mindestverzinsung für die geleisteten Beiträge – selbst für den Fall, dass nach Kosten keinerlei Renditen erwirtschaftet werden.

Zum anderen bietet aber der Riester-Fonds auch die umfangreichsten Möglichkeiten für Anbieter, überhaupt mit hohen Aktienquoten zu arbeiten. Sie betragen je nach Anbieter und Alter des Sparers bis zu 100 Prozent der eingezahlten Beiträge. Damit holen Sparer bei der Aktienanlage den Staat mit ins Boot, müssen sich aber zugleich auch keine Sorgen vor etwaigen Kursverlusten machen – denn für die müsste im Zweifel der Anbieter gerade stehen, sofern er es nicht über die Produkte und Umschichtungen in sichere Anlageformen schafft, die eingezahlten Beiträge zu garantieren.

Dennoch ist die Riester-Rente in Verruf geraten – teils zu Recht, weil im Vertrieb vor allem klassische Riester-Rentenversicherungen mit hohen Gebühren dominieren und auf Riester-Fondssparpläne nicht einmal jeder fünfte Vertrag der bei rund 16 Millionen Verträge stagnierenden Gesamtzahl steckt. Teils aber auch zu Unrecht, etwa wenn es um das nie ganz auszurottende Vorurteil geht, eine geförderte Vorsorge lohne sich nur für kinderreiche Geringverdiener.

Verrechnung mit der staatlichen Grundsicherung

Tatsächlich kommen gerade Geringverdiener häufig auf sehr hohe Förderquoten, wie das folgende Beispiel zeigt: Eine alleinerziehende Mutter hat ein sechsjähriges Kind und verdient 1500 Euro pro Monat, also nur rund halb so viel wie der deutsche Durchschnittsverdiener. Der Staat zahlt ihr 154 Euro Grundzulage und 300 Euro je Kind, sofern die Mindestbeiträge von vier Prozent des Bruttoeinkommens (in diesem Fall also 720 Euro pro Jahr) eingehalten werden. Im genannten Beispiel muss die Sparerin lediglich 266 Euro pro Jahr selbst aufwenden, damit inklusive der 454 Euro Zulage (154 Euro Grundzulage zuzüglich 300 Euro für das Kind) insgesamt 720 Euro jährlich in den Riester-Vertrag fließen. Im Klartext: Der Staat legt für jeden eingezahlten Euro fast 2 Euro drauf.