ImmobilienOlympia - Stresstest für den Immobilienmarkt

Olympia Hamburg
So soll das Olympiagelände in Hamburg aussehen

Susanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über ImmobilienthemenSusanne Osadnik ist freie Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt an dieser Stelle über Immobilienthemen

 


Hamburg und Berlin buhlen um die Gunst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Beide Städte wollen Austragungsort der Olympischen Spiele 2024 oder 2028 werden. Das ist wirklich eine tolle Idee. Haben doch sowohl die Hanseaten als auch die Berliner längst bewiesen, wie prima sie mit Großbauprojekten umgehen können. Ihre Meisterstücke lieferten sie mit der Elbphilharmonie und dem Berliner Großflughafen ab: zeitlich voll im Rahmen der Planungen, finanziell punktgenau gelandet, verkehrstechnisch bestens angebunden.

Ups, so war´s ja gar nicht?  Schwamm drüber. Das nächste Mal wird es besser gemacht. Kann ja mal passieren, dass man sich um dreistellige Millionensummen verrechnet; man steckt halt nicht immer so drin.

Aber jetzt: Olympia! Dafür werden Visionen gebraucht. Und damit kann vor allem Hamburg glänzen: „Kompakt, nachhaltig, umweltfreundlich und frei von Gigantismus“, so stellt man sich das an der Elbe vor. Bürgermeister Olaf Scholz will die Spiele in die Innenstadt holen, die Wege sollen für alle kurz sein: Olympisches Dorf, Stadion, Schwimm- und Olympiahalle könnten gegenüber der östlichen Hafencity gebaut werden. Da gibt es sowieso schon genug Baustellen. Weitere Pläne: Hamburgs Messehallen modernisieren, Wilhelmsburg zum Medienzentrum machen.

Neue Wohnungen sind keine „Olympia-Kosten“

Alles andere ist schon da, kostet deshalb fast nichts. Die Handelskammer geht von Gesamtkosten in Höhe von 6,5 Mrd. Euro aus. Hamburgs Anteil läge bei rund 1 Mrd. Euro. Nach hanseatischer Rechnung also bei mindestens doppelt so viel. Das wäre immer noch echt billig: In London hat man einst 2,5 Mrd. Pfund veranschlagt, irgendwann waren es dann mehr 9 Mrd. Pfund (11 Mrd. Euro). Aber London wurden auch eklatante Planungsfehler und Verschwendung von Steuergeldern attestiert. In Hamburg ist das natürlich absolut unmöglich, ebenso in Berlin.

Die Hauptstadt will mit seinem hippen jungen Image punkten und mit seinen zahlreichen Sportstätten, die schon vorhanden sind. Da muss gar nicht mehr viel gebaut werden, höchstens das Olympische Dorf, das auf dem Gelände des Flughafens Tegel entstehen soll – sobald der Großflughafen eröffnet wird … (was nach Einschätzung von Immobilienprofis aber ohnehin nicht rechtzeitig der Fall sein wird – nicht mal für die Spiele 2028.) Rund 4000 zusätzliche Wohnungen an der Ostseite des Flughafens sind geplant, die nach den Spielen dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen könnten.

Die Hamburger wollen übrigens das gleiche: Die Unterkünfte, die auf dem kleinen Grasbrook für rund 10.500 Sportler und 6.500 Trainer entstehen, würden später in Miet- und Eigentumswohnungen umgewandelt.

Bau- und Immobilienbranche wittern schon Morgenluft: Hier wären jede Menge gute Geschäfte zu machen. Aber schon jetzt stöhnen Projektentwickler, weil Grundstücke teuer und rar sind oder der Erwerb an viele Bedingungen geknüpft ist, so dass die Gewinne schrumpfen. Das dürfte in einer Olympiastadt eher schlimmer als besser werden. Außerdem haben sie ohnehin genug zu tun: Berlin ist schon seit Jahrzehnten eine einzige Großbaustelle. Hamburg hält daran fest, 6000 Wohnungen im Jahr zu bauen; das wären zu Beginn der Spiele 60.000 Wohnungen mehr als heute schon vorhanden sind. Also, bedarf es keiner Olympischen Spiele als Motivation.

Auch die Rechnung, dass das  IOC die Kosten für die Neubauten übernimmt, geht nicht auf. Der DOSB hat bereits kund getan, dass das nicht der Fall sein wird, weil die Gebäude später öffentlich genutzt werden und daher keine expliziten Aufwendungen für die Spiele sind.

Berliner und Hamburger zahlen doppelt

Für die Bürger in den beiden Städten heißen Olympische Spiele in erster Linie noch mehr Baustellen, noch mehr Verkehrschaos und zusätzliche Kosten. Da wird sich vielleicht der ein oder andere überlegen, ob er noch bleibt. Schon jetzt kehren immer mehr Menschen Elbe und Spree den Rücken. Berlin verlor schon 2012 Einwohner an das Umland; im vergangenen Jahr wanderten 7000 Menschen in die Peripherie ab. Auch Hamburg verliert Einwohner; allein im vierten Quartal 2013 verabschiedeten sich 3533 Einwohner in den Speckgürtel der Hansestadt. Erstmals seit dem Zuzugsboom zogen mehr Menschen raus aus der Stadt als rein.

Zu hohe Mieten und Kaufpreise für Immobilien sind der Grund. In den vergangenen Jahren wurde zu wenig Wohnraum für Durchschnittsverdiener geschaffen, sagt etwa der Immobilienökonom Günter Vornholz. Die mittleren Einkommensschichten, die auch das Rückgrat beim Steueraufkommen bildet, seien sträflich vernachlässigt worden. Es sind übrigens diejenigen, die später die Kosten für die Spiele mittragen müssen. Die Berliner und Hanseaten gleich doppelt: auf Landes – und Bundesebene. Denn der Bund, das sind wir alle:  „There´s no free lunch“. 

Animation Hamburger Olympiagelände: © Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Büro Gärtner und Christ