KolumneVom Robo-Advisor zum Robo‑Politiker

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French

Am Finanzmarkt geistern neue Wörter herum. Zunehmend tauchen die Ausdrücke „Fintech“, „Robo-Adivsor“, „Big Data“ und „Social Trading“ in den Diskussionen der Geldbranche auf. Immerhin bezieht der Sektor bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seine Richtungspfeile aus den Vereinigten Staaten, wie die genannten Anglizismen belegen. Ob Performance, Compliance, Exchange Traded Funds (ETFs) oder Exposure, die wesentlichen Trends und zugehörigen sprachlichen Ausdrücke kommen einigermaßen verlässlich aus Übersee.

Hier liegt, ganz nebenbei bemerkt, der tiefere Grund dafür, warum die aktuellen Deregulierungsbemühungen unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump für Europa und Deutschland noch große Bedeutung erlangen könnten. Man muss nämlich kein Prophet sein, um das Überschwappen dieser Entwicklung nach Europa zu prophezeien. Später wird es dann heißen, die alarmistische Regulierungswut nach der großen Finanzkrise 2007ff. habe das Pendel zu weit in Richtung staatlicher Bevormundung ausschlagen lassen.

Tatsächlich gehört der Finanzsektor zu den am meisten mit staatlichen Regeln durchsetzten Branchen. Ob es hieran liegt, dass Deutschland auf diesem Gebiet international nur in der zweiten Liga spielt?

Bürokratieabbau steht nicht auf der Tagesordnung

Beispiel gefällig? Die Loys AG, deren Vorstand ich angehöre, musste für die Aufstellung ihres Jahresabschlusses das Kreditwesengesetz (KWG), die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), die Institutsvergütungsverordnung (InstitutsVergV), das Aktiengesetz (AktG), das Handelsgesetzbuch (HGB), die Finanz- und Risikotragfähigkeitsverordnung (FinaRisikoV), das Geldwäschegesetz (GwG), die Prüfungsberichtsverordnung (PrüfbV) und die Verordnung über die Rechnungslegung der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute (RechKredV) berücksichtigen. Die vielen steuerlichen Vorschriften kommen dann noch einmal extra hinzu. Vom statistischen Meldewesen im Fondsgeschäft an Bundesbank und Bafin wollen wir gar kein weiteres Wort verlieren.

Der Leser wird sich bereits jetzt denken können, wie hoch die Bürokratiekosten im Finanzmarktgeschäft sind. Übrigens sind sie in letzter Konsequenz von den Kunden bzw. Bürgern zu tragen. Und eine Verminderung des Regulierungsdrucks steht überhaupt nicht zu erwarten, denn mit Mifid II und den zum 1.1.2018 in Kraft tretenden neuen und zugleich unklugen steuerlichen Richtlinien stehen bereits neue Bürokratiemonster ante portas. Man erinnert sich mit Schmunzeln noch an die Farce, Edmund Stoiber, den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, als Bürokratieabbauer nach Brüssel zu schicken. Dieses Vorhaben war in etwa so erfolgreich, wie der lauthals verkündete Anspruch des seinerzeitigen EU-Kommissionschefs José Manuel Barroso, der die EU gar als wettbewerbsfähigste Wirtschaftsregion der Welt im Jahr 2020 proklamierte.

Robo-Politiker zur Kosteneindämmung

Hier nun schließt sich der Kreis zu meinem Eingangssatz. „Robo-Advisor“, „Big Data“, ETFs und „Social Trading“ sollen Geldanlage günstiger machen. Überhaupt sind Verbraucherschützer und Politiker seit geraumer Zeit ganz monokausal auf das Thema „Kosten“ fixiert. Sie bemerken dabei gar nicht, dass es vor allem die von ihnen selbst erzeugten Kosten sind, die ins Geld gehen. Die Bürger sollten nicht vergessen, dass vor allem staatliche Banken (West LB, Sächsische Landesbank, HSH Nordbank, KfW / IKB, Bayerische Landesbank etc.) während der großen Finanzkrise durch Missmanagement aufgefallen waren. Eigentlich sollte dies unsere Politiker zu mehr Demut anhalten. Davon ist aber wenig zu sehen gewesen, wie die nicht verstummenden Rufe nach noch mehr Regulierung eindringlich belegen.

Aber vielleicht eröffnet auch hier die Technik neue – bislang gänzlich ungeahnte – Perspektiven. Wie wäre es, wenn wir bald den Robo-Politiker einsetzen, um die Kosten der Politik zu verringern. Dann gäbe es zudem keine emotionalen Fehlentscheidungen mehr und die Politik verliefe „regelgebunden“ und transparent, ganz gemäß den einprogrammierten Algorithmen.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG. Weitere Kolumnen: Das Ende des Adenauer-Dogmas, Deutsche Leitkultur bei der Geldanlage und Aktienquote statt Frauenquote


Newsletter: „Capital- Die Woche“

Jeden Freitag lassen wir in unserem Newsletter „Capital – Die Woche“ für Sie die letzten sieben Tage aus Capital-Sicht Revue passieren. Sie finden in unserem Newsletter ausgewählte Kolumnen, Geldanlagetipps und Artikel von unserer Webseite, die wir für Sie zusammenstellen. „Capital – Die Woche“ können Sie hier bestellen: