AktienBetriebsrente: tragende Säule oder tragischer Fall?

Säulen sollten normalerweise tragen können, was auf ihnen ruht. So stellen es sich jedenfalls Architekten und Statiker gemeinhin vor. Wenn es allerdings hierzulande um die Säulen der Altersvorsorge geht, fragt man sich, ob die Politik ebenfalls einmal Nachhilfe bei den Architekten nehmen könnte. Sie verkauft nämlich gern Dinge als Säule, die überhaupt kein tragendes Konstrukt sind. Die Betriebsrente zum Beispiel. Von der heißt es schon seit Jahren, sie sei die zweite Säule der Alterseinkommen, direkt nach der gesetzlichen Rente. Und somit noch vor der privaten Vorsorge. Sie sollte also stark sein. Doch das ist sie nicht, daran wird auch die Reform der vergangenen Woche wohl wenig ändern – das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz.

Das sollte nämlich einige Konstruktionsschwächen ausgleichen, unter denen die Betriebsrente bisher litt, und das gesamte Gebilde dadurch attraktiver und auch stabiler machen. Denn bisher wird diese angeblich so tragfähige zweite Säule von den wenigsten Sparern überhaupt genutzt. Obwohl Mitarbeiter seit 15 Jahren einen Anspruch darauf haben, mit Hilfe ihres Unternehmens Geld fürs Alter anzusparen, besitzt nicht einmal jeder zweite Beschäftigte in der Privatwirtschaft einen solchen Vertrag. Etwas höher ist de Quote nur im öffentlichen Dienst, doch der ist ohnehin über eine automatische Zusatzversorgung im Alter gut abgesichert.

Wie dünn die Säule aber tatsächlich ist, verrät eine andere Zahl: Nur acht Prozent aller Renteneinkünfte beziehen heutige Rentner aus der Betriebsrente. Knapp 65 Prozent trägt die Gesetzliche Rente zu ihrem Monatseinkommen bei, weitere acht Prozent liefern private Sparverträge. Aus der betrieblichen Altersversorgung (bAV) beziehen die allermeisten nur ein kleines Zubrot von rund 150 oder 200 Euro im Monat.

Arbeitgeber geben keine Garantien mehr

Nun sagen manche Optimisten, dass dieser Anteil in Zukunft ansteigen wird. Denn die Zahl der bAV-Verträge sei ja ebenfalls gestiegen in den vergangenen Jahren und den Leuten sei heute bewusst, dass sie mehr Geld in solche betrieblichen und privaten Verträge einzahlen müssten, viel mehr als früher. Diese beiden Aussagen sind gewiss wahr. Die Frage ist nur: Tun sie das auch? Und bedeutet die zusätzliche Vorsorge, die sie jenseits der gesetzlichen Rentenbeiträge leisten, dass sie daraus auch später höhere Auszahlungen bekommen als heutige Rentner? Das darf man schon bezweifeln. Denn eines haben die vergangenen Jahre gezeigt: Vor allem die Auszahlungen aus langfristigen Sparverträgen mit fixen Zinsen, also aus Versicherungsverträgen, sind in den Niedrigzinsjahren massiv zusammengeschrumpft. Neuere Verträge bekommen sehr viel weniger ausgezahlt, als ihnen jahrelang prognostiziert wurde – und das Gros der Betriebsrente basiert auf genau solchen Versicherungspolicen. Von den 15 Millionen Betriebsrentenanwärtern haben rund elf Millionen Beschäftigte Versicherungsverträge.

Man darf also gespannt sein, was die später tatsächlich abwerfen, zumal auch ein anderer Trend die Branche prägt: Früher machten die Unternehmen ihren Mitarbeitern noch feste Zusagen, wie viel Betriebsrente sie monatlich zu erwarten hätten. Sie garantierten also ganz genau, wie hoch der Auszahlungsbetrag war. Heute – angesichts der unsicheren Kapitalmärkte und Zinszeiten – garantieren die allermeisten Arbeitgeber nur noch eines: Dass die Beschäftigten jeden Monat den gleichen Betrag in die Verträge einzahlen. Was jedoch irgendwann einmal dabei herauskommt, überlassen sie dem Markt. Es ist das Risiko des Angestellten.

Nun ist das nicht so schlimm, sagen diejenigen, die das Gesetz reformiert haben. Denn je kleiner die Garantien sind, die Arbeitgeber und Geldverwahrer geben müssen, desto freier und günstiger kann das Geld auch angelegt werden. Denn Garantien kosten bekanntlich sehr viel Geld – in Niedrigzinszeiten erst recht. Wie viel, das hat die Frankfurt School of Finance errechnet: Demnach bezahlt ein 35jähriger Anleger, der bis zur Rente 150 Euro zurücklegt und sich garantieren lässt, dass er am Ende zumindest das eingezahlte Kapital herausbekommt, diese Zusage mit rund 200.000 Euro. So hoch ist die Differenz, die ihm dadurch entsteht, dass er das Geld nicht zu 100 Prozent in Aktien anlegt, sondern eben vermeintlich sicher. Die Garantiekosten betragen in diesem Fall rund 350 Prozent des eingezahlten Kapitals. Nicht ganz so arg, aber immerhin beachtlich fallen die Garantiekosten aus für einen 45-Jährigen, der 200 Euro monatlich bis zur Rente spart. Bei ihm sind es 100.000 Euro, auf die er verzichten würde, also gut 100 Prozent der Einzahlbeträge.