AktienDaimler, VW, BMW – die große Chance?

Sie gehören zum Schwächsten, was der Dax in diesem Jahr zu bieten hat. Die deutschen Autobauer verlieren zwischen rund drei und zwölf Prozent und liegen damit meilenweit hinter den Spitzenreitern in diesem Jahr zurück, RWE und Lufthansa, die mit knapp 75 Prozent am stärksten zulegen konnten. Genau die beiden Titel waren in den vergangenen Jahren arg gebeutelt und blühen nun auf. Kann das auch der in die Schlagzeilen geratenen Automobilindustrie passieren?

Zumindest stabilisieren sich die Aktien derzeit, während der Dax kräftig nachgibt. Der aktuelle Seitwärtstrend könnte außerdem signalisieren, dass einiges an schlechten Nachrichten bereits in den Kursen steckt, zumal die Aktienumsätze zuletzt recht hoch waren, nicht nur bei Brokern und an den Börsen, sondern auch auf den Social-Tradingplattformen wie etwa Etoro.

Mutige Anleger, die auf eine Gegenbewegung setzen, sollten aber bei der Produktwahl aufpassen, wie Stefano Angioni, Derivate-Experte der Société Générale, erklärt: „Da die Volatilitätsbewertung bei den drei Autowerten aufgrund der Turbulenzen vergleichsweise hoch ist, können Turbo-Papiere eine bessere Alternative als Optionsscheine sein. Denn Optionsscheine sind bei hoher impliziter Volatilität vergleichsweise teuer, was sie tendenziell riskanter macht. Dagegen ist der Einfluss der Volatilität bei Endlos-Turbos meist vernachlässigbar.“ Hier drei Produktalternativen mit einem moderaten Hebel von fünf, um auf steigende Kurse zu setzen: CF4DE5 (Daimler), CW88GD (BMW), HU9CU2 (VW).

Diesel wird abgelöst

Der zunehmende Optimismus ist zum Teil auch auf den Umgang der Politik mit der Autobranche zurückzuführen, die von ihr mit Samthandschuhen angepackt wird, wohlwissend, dass die Autobauer der wichtigste Bereich im verarbeitenden Gewerbe ist. Sie setzen mehr als 400 Mrd. Euro im Jahr um und haben rund 800.000 Beschäftigte.

Auch wenn VW den Dieselskandal losgetreten hat, weiß man um die Brisanz dieses Themas, da sie alle Hersteller betreffen wird. Von Softwareupdates für manipulierte Diesel oder gar Ersatzmotoren abgesehen, haben sind die Verkäufe von Dieselfahrzeuge in den vergangenen Jahren bereits merklich rückläufig. Betroffen war vor allem der europäische Markt, da in den USA und China Dieselautos nur einen geringen Marktanteil haben. In Europa ging der Marktanteil bereits vor den Skandalen merklich zurück, in Deutschland sank er von etwa 48 Prozent im Jahr 2012 auf aktuell rund 41 Prozent. Sollte es tatsächlich zu Fahrverboten kommen, dürfte sich dieser Trend noch beschleunigen.

Herausforderungen stellen

Positiv an der aktuellen Entwicklung ist, dass VW, Daimler und BMW nicht kollektiv abgestraft wurden, sondern dass „es zu Substitutionseffekten gekommen ist“, wie die Analysten von M.M. Warburg festgestellt haben. Benziner ersetzen also Dieselfahrzeuge, außerdem könnte es dazu kommen, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge schneller eingeführt werden. Das würde nach Berechnungen der Analysten zwar langfristig Arbeitsplätze in der Automobilindustrie kosten, gleichzeitig dürfte es einen Aufbau von Arbeitskräften in der Elektromobilität geben. Daher stehen die Chancen gut, dass die deutschen Automobilhersteller sowie die Zulieferer sich den aktuellen Herausforderungen erfolgreich stellen können.


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben