AktienGerman Angst am Aktienmarkt

Die Stimmung in Deutschlands Chefetagen ist so gut wie selten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex erreichte im Juni mit 115,1 Punkten einen neuen historischen Rekordstand. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sich ihre Geschäfte weiter verbessern werden. Ob im verarbeitenden Gewerbe, in der Industrie, im Groß- oder Einzelhandel: Das Ifo-Institut meldet Euphorie allerorten. Nur im Bauhauptgewerbe gab der Geschäftsklimaindex im vergangenen Monat leicht nach. Auch dort blieb er aber auf einem hohen Niveau.

Der Optimismus der Unternehmenslenker kommt nicht von ungefähr. So legten die Exporte deutscher Unternehmen im Mai den fünften Monat in Folge zu, berichtet das Statistische Bundesamt. Mit einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat stiegen sie überdies unerwartet stark. Volkswirte hatten mit einem Export-Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Insgesamt verkauften deutsche Firmen im Mai Waren im Wert von rund 110 Mrd. Euro ins Ausland. Zahlen für Juni liegen noch nicht vor. Die Importe kletterten im Mai ebenfalls stärker als erwartet, und zwar um 1,2 Prozent.

Auch die Konjunkturaussichten für Deutschland verbessern sich weiter. Der Konjunktur-Indikator des Marktforschungsunternehmens GfK stieg im Juni auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Verbraucher gehen davon aus, dass der Aufschwung dank des schwachen Euro, des niedrigen Ölpreises und der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter Fahrt aufnimmt. Die Einkommenserwartungen kletterten im Juni sogar auf den höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Kaum verwunderlich, dass die Deutschen in Einkaufslaune sind. Im laufenden Jahr dürften die Konsumausgaben in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent steigen, prognostizieren GfK-Experten.

Gewinnmitnahmen zur Jahresmitte

Angesichts so guter Aussichten ist der deutsche Leitindex Dax seit Jahresbeginn kräftig gestiegen. Anleger sind allerdings unsicher, wie weit es in den kommenden Monaten noch aufwärts geht. „Die sehr hohen Werte sind vielen nicht geheuer“, sagt Stefan Wolf, Produktmanager der Direktbank Comdirect. Das zeigte sich Ende Juni besonders deutlich. Viele Investoren verkauften zum Halbjahresende Aktien, um Gewinne mitzunehmen. Der Dax gab nach. Mitte Juni kratzte er noch an der 13.000-Punkte-Marke, aktuell steht er bei rund 12.600 Punkten.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Investment-Profis sind uneins, wie es weitergeht. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Gewinnmitnahmen noch nicht vorbei sind, sondern den Auftakt für einen volatilen Herbst bilden“, sagt Michael Winkler, Leiter des Bereichs Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank Deutschland, einer Tochter der gleichnamigen Schweizer Bank. „Die Kursanstiege an den Aktienmärkten waren in den vergangenen zwölf Monaten deutlich höher als die Gewinnzuwächse der Unternehmen.“ Der Mix aus hohen Anlegererwartungen und ebenso hohen Aktienbewertungen berge Enttäuschungspotenzial. „Die Märkte bleiben korrekturanfällig“, warnt Winkler.

Thomas Schüssler, Aktienspezialist beim Fondsanbieter Deutsche Asset Management, zeigt sich dagegen optimistisch. Er findet deutsche Aktien weiterhin attraktiv. „Es fällt uns schwer, Faktoren zu finden, die den aktuellen Zyklus beenden würden“, sagt er. Eine länger andauernde Korrektur sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Unternehmenszahlen aus dem 1. Quartal seien gut ausgefallen, die Unternehmen optimistisch, die Ergebnisse je Aktie deuteten auf höhere Indexstände hin. Für Anleger heißt das: Sie können durchaus weiter auf deutsche Aktien setzen – sollten aber die Möglichkeit einer Korrektur im Hinterkopf behalten.

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