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Was bringt eine Mietpreisbremse?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal: Sorgt eine Mietpreisbremse für günstigere Wohnungen?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Mein lieber Hayek,
wenn ich mir den Immobilienmarkt in London ansehe, kommen mir die Tränen. Ich habe da ja einst mit interessanten Leuten zusammengewohnt und dabei vermutlich mehr über das Leben gelernt als Sie in Ihren Schreibstubenjahrzehnten zusammen. Aber nun werden dort Mieten und Kaufpreise gezahlt, bei denen sich einem die Haare sträuben.
Für den Preis eines Quadratmeters hätte man zu meiner Zeit ein ganzes Haus kaufen können! Da lobe ich mir die Deutschen, die eine Mietpreisbremse planen, bevor bei ihnen das Gleiche geschieht.
Herzlichst, Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
es mag sein, dass Sie in Ihrer Wohngemeinschaft etwas über das Leben erfahren haben. Verstanden haben Sie aber offenbar nur wenig. Dass Preise steigen, hat mit der Knappheit eines Gutes zu tun. Sich dem mit einem künstlich niedrig gehaltenen Preis entgegenzustellen, führt zu einer überhöhten Nachfrage, die dann umso weniger bedient werden kann. Und die Eigentümer werden wegen mangelnder Rentabilität davon abgehalten, in Neubauten zu investieren. Dadurch entsteht erst Wohnungsnot. Der Mangel ist also „ein Ergebnis der Preisbremse“ (Hayek, 1930), das habe ich schon vor über 80 Jahren für den Wiener Wohnungsmarkt festgestellt.
Ihr F. A. Hayek

Capital 06/2014
Die neue Capital

Hayek,
wenn es eine Lücke bei Wohnraum gibt, dann muss eben der Staat einspringen. Das ist doch hervorragend, da werden Architekten und Bauarbeiter beschäftigt, die Nachfragelücken füllen. Und es gibt noch einen Effekt: Wenn die Menschen zu vertretbaren Mieten wohnen, können sie mehr ausgeben für Autos, Tanzlokale und meinetwegen auch Ihre Bücher.
John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
in Wahrheit werden die Glücklichen, die Wohnungen ohne Preissteigerung bekommen, doch ihren Vorteil nutzen, um angesichts der großen Nachfrage unterzuvermieten. Das aber ist, so ungern ich dieses Wort benutze, dann deutlich unsozialer als ein Preis, der sich frei bildet. Wer soll schließlich entscheiden, wer die billigen Wohnungen mieten darf? Da sehe ich Behörden wuchern, die ein Verteilsystem freudig übernehmen werden.
Ihr F. A. Hayek

Ach Hayek,
da kommt schon wieder Ihr Urmisstrauen gegen den Staat hervor. Sie jedenfalls wären nicht in der Lage, sich als Wissenschaftler im heutigen London eine Wohnung zu beschaffen. Ich musste Sie ja schon vor über 70 Jahren in Cambridge beherbergen.
Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
jetzt werden Sie unfair. Der Grund war schließlich, dass London bombardiert wurde. Ich hoffe doch, dass Sie für den Gastaufenthalt nicht noch nachträglich Miete verlangen. Ob nun mit Bremse oder nicht.
Ihr F. A. Hayek

 

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