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Der Unsinn der Deutschland‑Rente

, Christian Schütte

Sollte der Staat künftig auch unser Geld für das Alter verwalten? Nein danke – in der deutschen Rentenpolitik wird schon genug herumgepfuscht. Von Christian Schütte

Christian Schütte © Trevor Good
Christian Schütte

Christian Schütte schreibt an dieser Stelle über Ökonomie und Politik


Es sind diese Klingelwörter, bei denen doch fast jedem Deutschen das Herz aufgeht: Zum „Selbstkostenpreis“ soll es den neuen Fonds geben, natürlich „ohne eigenes Gewinninteresse“ und „sicher vor überteuerten Angeboten“. Vater Staat selbst „steht dafür mit seinem guten Namen“. Denn dessen besondere Möglichkeiten „verringern die Anlagerisiken erheblich“. Und sie sorgen sogar „gleichzeitig für höhere Renditen“.

„Einfach, sicher, günstig“ soll der staatliche Standard-Fonds einer neuen „Deutschland-Rente“ sein, für den die schwarz-grünen Koalitionäre aus Hessen seit ein paar Wochen ins Feld ziehen. Diese tolle Sammelstelle für unser aller Spargeld hätte allerdings auch noch eine ganz andere Eigenschaft: Sie wäre hochgradig politisierbar. Und das sollte für Anleger wie Wähler heißen: Finger weg!

Natürlich haben die neuen Rentenreformer mit ihrem Ausgangsbefund schon recht: Es hakt in Deutschland bei der privaten Kapitalbildung fürs Alter, die ja eigentlich die Kürzungen der gesetzlichen Rente flächendeckend abfedern soll. Die geförderten Riester-Verträge reichen nicht, und wenn sich nichts ändert, droht neue Altersarmut.

Was geschieht mit dem Spargeld?

Verschärft wird das durch die Minizinsen am Kapitalmarkt, die allein schon ein abendfüllendes Thema sind. Und je weniger Rendite das angelegte Geld abwirft, desto mehr schmerzen auch die üppigen Vertriebs- und Verwaltungskosten, mit denen weite Teile der privaten Finanzindustrie arbeiten.

Hier, auf der Kostenseite, soll es nun die „Deutschland-Rente“ richten: ein Einheitssparprodukt, bei dem der Kunde nicht nachdenken muss (und soll) und das sich billigst verwalten lässt – erst recht wenn das Geld gleich automatisch von allen Gehaltskonten abgebucht wird.

Die gesetzliche Rentenversicherung zeigt seit Langem, dass eine solche Großverwaltung in der Tat sehr effizient und rationell arbeiten kann. Allerdings wird dort auch kaum Kapital gemanagt, sondern fast alles sofort an die heutigen Rentner ausgezahlt. Die Kernfrage bei dem neuen Volksfonds wäre daher, was denn mit dem Spargeld geschieht.

Wenn es sich ausgeriestert hat – wie wird dann künftig gemerkelt und gehofreitert?

Die bisherige, rein privatwirtschaftliche Kapitalverwaltung hat für den einzahlenden Kunden immerhin zwei gewichtige Vorteile: Die Verwalter haben ein hohes Eigeninteresse am Anlageerfolg. Und falls es Ärger und Missbrauch gibt, kann man immer noch Hilfe holen – bei ­einem neutralen Staat, der die Sache überwacht.

Einklagbar ist gegen den Staat am Ende wenig

Übernehmen politiknahe Akteure die Zügel, dann mag man denen durchaus glauben, dass sie in lauterer Absicht und „ohne eigenes Gewinninteresse“ tätig sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie im Interesse des Anlegers handeln. Schließlich wird auch für gute Taten und die Verbesserung der Weltlage immer viel Geld gebraucht.

Einklagbar ist gegen den Staat am Ende wenig – wie nicht zuletzt die unendliche Geschichte der Rentenreformen lehrt. Kein privates Unternehmen kann seine Geschäftsbedingungen so freihändig verändern, wie es der Gesetzgeber tut.

Wer ohnehin meint, dass sich stumpfes Spargeld erst veredelt, wenn es Spielgeld für die Politik geworden ist, der wird solche Einwände belächeln. Der neue Fonds fügt sich eben schlüssig in eine „Transformation“ der Wirtschaft, wie sie bei den Grünen vorgedacht wird.

Weshalb allerdings angebliche Marktwirtschaftler aus der früheren Partei Ludwig Erhards für so etwas werben, bleibt rätselhaft.


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