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Trassenkampf mit Seehofer

, Thomas Steinmann

Für die Energiewende sollen neue Stromleitungen gebaut werden. Doch die Netzbetreiber beklagen mangelnden Rückhalt der Politik

Südlink-Trassenverlauf © Michael Löwa
Mithilfe von Bürgerhinweisen haben die Tennet-Planer Alternativen für einzelne Trassenabschnitte entwickelt. In der Region Hannover sind es mehr als zehn

Hinter dem Schreibtisch von Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman in seinem Berliner Hauptstadtbüro hängt ein großes Bild: Strommasten auf einem Feld vor blauem Himmel. Er gehöre zu den wenigen Menschen im Land, die Masten lieben, sagt Hartman.

Für die Energiewende plant der Netzbetreiber die Südlink-Leitung, eine von drei riesigen Gleichstromautobahnen, die nach dem Ausstieg aus der Atomkraft ab 2022 Strom aus dem windreichen Norden in die Verbrauchszentren im Süden transportieren sollen. Doch längst sind es nicht mehr nur Anwohner, die dagegen kämpfen, dass in einigen Jahren Riesenmasten vor ihrer Haustür stehen könnten. Auch Politiker haben die Seite gewechselt und sind plötzlich Trassengegner – obwohl in kaum einer Rede zur Energiewende der Hinweis fehlt, dass der Umstieg auf grünen Strom ohne den Ausbau der Netze nicht funktionieren könne.

Seehofer marschiert vorneweg

Landräte lassen von ihrer Verwaltung Protestflyer produzieren, einige Bundestagsabgeordnete sammeln Unterschriften gegen neue Trassen. Und vorneweg marschiert Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der die Notwendigkeit der Leitungen anzweifelt und die Netzbetreiber attackiert. Die Unternehmen seien „Kapitalsammelstellen“, denen es beim Netzausbau nur um Profit gehe, sagte Seehofer im Oktober. Dabei hatte seine Regierung dem Gesetz, das den „vorrangigen Bedarf“ für Südlink und andere Leitungen festschreibt, noch im Sommer 2013 im Bundesrat zugestimmt.

Lex Hartmann © Tennet
Tennet-Chef Hartman

Jetzt wehrt sich Tennet-Geschäftsführer Hartman. „Wir haben doch nicht den Finger gehoben und gesagt: Wir wollen jetzt mal Südlink bauen“, sagte er im Gespräch mit Capital. Der Bau der Leitung sei „ein gesetzlicher Auftrag“. Sein Unternehmen habe „keinen Mangel an Projekten“, fügte Hartman hinzu. Die Südlink-Leitung sei aber „wesentlich für die Versorgung Bayerns“.

Aus den Worten des Managers spricht die Enttäuschung über mangelnden öffentlichen Rückhalt für den Netzausbau in der Politik. In einem aufwändigen Verfahren bemüht sich Tennet, in der Bevölkerung Akzeptanz für die Trasse zu schaffen. In einem „Dialogprozess“ konnten sich Bürger und Kommunen an der Planung der Südlink-Leitung beteiligen und Vorschläge für den Trassenverlauf von Wilster bei Hamburg nach Grafenrheinfeld in Unterfranken einreichen. Insgesamt 98 alternative Teilstücke mit einer Länge von zusammen etwa 2400 Kilometern werden im formellen Planungsverfahren von der Bundesnetzagentur auf ihre Eignung untersucht.

„Für die Energiewende werben muss die Politik“

Doch seitdem mit Seehofer ein Spitzenpolitiker der Großen Koalition auch gegen Südlink schießt, hat es Tennet noch schwerer bei den Bürgern – zumal sich die Bundesregierung nicht offensiv gegen Seehofers Alleingang stellt. „Dass diese Diskussion nicht akzeptanzfördernd ist, ist doch klar“, sagte Geschäftsführer Hartman. Auf den Infoveranstaltungen des Netzbetreibers fragen die Leute nun, warum es die Leitung überhaupt geben müsse, wenn die Bayern sie für verzichtbar hielten und gar nicht wollten.

Selten hatte ein CSU-Chef außerhalb des Freistaats so viele Fans wie derzeit entlang der möglichen Trassen. Wenn Seehofer sich weiter querstelle, sei doch „die Planung im Arsch“, formulierte es ein Besucher auf einer Tennet-Bürgerveranstaltung in Hannover. Hartman sagt es anders, meint aber das Gleiche: „Für die Energiewende werben muss die Politik.“

Die vollständige Reportage "Gegen den Strom" können Sie in der Dezember-Ausgabe von Capital lesen, die am 20. November erscheint. Hier können Sie sich ab dem 20. November die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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