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Brauchen wir einen neuen Goldstandard?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Capital führt den Streit fort. Diesmal geht es um die Rückkehr zum Goldstandard

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Lieber Hayek,
manchmal komme ich mir vor wie in der Geisterbahn. Da dachte man, die verstaubte Idee von einer durch Gold gedeckten Geldmenge hätte sich endgültig erledigt. Und was geschieht? Aus allen Löchern kriechen derzeit sogenannte Geldreformer, und überall hört man Gold! Gold! Gold! Ob diesen Gestalten der Weihnachtstrubel mit seinen vergoldeten Kitsch-Engelchen die Sinne vernebelt hat?
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
mit vernebelten Sinnen kennen Sie sich ja besser aus als ich. Dass ich eine Rückkehr zum Goldstandard selbst nicht für praktikabel halte, habe ich schon vor bald 70 Jahren gesagt. Mir schwebt eher ein Rohstoff-Korb vor, an den die Währung gebunden wäre. Wundern sollten Sie sich nicht, dass das Thema wieder aktuell wird. Schließlich haben Ihre Anhänger den Boden dafür bereitet. Weil die Zentralbanken ungehemmt Geld aus dem Nichts schöpfen.
Ihr F. A. Hayek

Capital 10/2014
Die neue Capital

Wie bitte, Hayek?
Die Zentralbanken sind es doch, die in der Finanzkrise gerade noch das Schlimmste verhütet haben – indem sie den Markt mit Geld versorgten, als es nötig war. Wären sie nicht „lender of last resort“ gewesen, dann läge heute kein Stein mehr auf dem anderen. Ich habe das schon einmal geschrieben: „Es ist klüger, die Preisstabilität als Angelegenheit der Innenpolitik zu betrachten. Ein Rohstoff-Standard, der das von außen aufzudrücken versucht, muss zusammenbrechen.“ (Keynes, 1943)
John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
falsch! Die Geldpolitik steht schließlich am Anfang jedweder Krise. Die Notenbanken schaffen gemeinsam mit den Geschäftsbanken Geld, dem keine Ersparnis gegenübersteht. Dann wird munter investiert, und zwar auch dann, wenn es gar keine rentablen Ziele dafür gibt. Irgendwann fliegt der Schwindel auf, und das Ganze bricht zusammen. Genau dies ist geschehen, als es zu der Finanzkrise kam, an der Ihre Leute dem Markt die Schuld gaben.
Ihr F. A. Hayek

Oh, Oh, Hayek,
in dieser Sache kommen wir nicht zusammen. Die Schuldigen waren doch private Unternehmen, deren Scheitern vom Staat abgefedert wurde. Dafür braucht die Geldpolitik aber auch Spielraum. Wenn es nach Ihnen ginge, würde wohl auch noch das Gelddrucken selbst privatisiert, was?
Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
Sie haben es erfasst. Konkurrierende, frei zu wählende Währungen wären tatsächlich das Ideal, das es anzustreben gilt. Dann würde man ja sehen, was sich durchsetzt. Einige der von Ihnen erwähnten Geldreformer schlagen erfreulicherweise genau das vor. Und ich vermute, dass es das ist, was Sie so beunruhigt. Für Sie ist das die Geisterbahn. Für mich fängt da der Vergnügungspark erst an.
Ihr F. A. Hayek

 

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