InterviewWladimir Klitschko: „Es gibt nicht den einen großen Fehler“

Wladimir Klitschko
Wladimir Klitschko hat 2017 seine Boxkarriere beendet. Neben dem Sport ist der aus der Ukraine stammende Sportler auch als Unternehmer tätig, zum Beispiel mit einer eigenen Vermarktungs- und Veranstaltungs-Agentur.dpa


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Was hält Sie nachts wach?

Wladimir Klitschko: Ich habe einen sehr guten Schlaf.

Von welchem Unternehmen können Sie am meisten für Ihre Zukunft lernen und warum?

Ich lerne nichts von einem einzigen Unternehmen, sondern ich lerne von Menschen in unterschiedlichen Unternehmen, Organisationen und Positionen. Es geht um Herangehensweisen, Blickwinkel, Lösungsstrategien. Mich treibt Neugier und Optimismus an.

Wer beschäftigt sich bei Ihnen im Hause mit dem Thema Zukunft?

Das ganze Team muss sich mit der Zukunft beschäftigen. Jeder Einzelne. Ganz besonders ich selbst. Gerade Menschen, die in der Vergangenheit auf einem Gebiet sehr erfolgreich waren, werden schnell bequem. Sie entwickeln sich nicht weiter. Ich fordere von meinem Team und mir selbst, immer nach vorn zu blicken, um frühzeitig Chancen zu erkennen, die wir nutzen können – und Herausforderungen anzunehmen, die wir meistern wollen.

Wie lang beziehungsweise kurzfristig betrachten und planen Sie Ihre Zukunft?

Wer ein Ziel in zehn Jahren erreichen will, muss sich heute damit beschäftigen. Letztendlich planen wir von Morgen bis Open End.

Mein Ziel ist es, diese Menschen zu befähigen, ihr eigenes Potential zu entdecken und damit die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Wladimir Klitschko

Mit welchen Branchenfremden Personen tauschen Sie sich aus, um mal einen ganz anderen Blickwinkel auf Ihr Geschäft zu werfen?

Am liebsten frage ich Unbekannte, was ihre größten Herausforderungen waren und wie sie diese bewältigen konnten. Dabei sind mir die Branchen egal, aber alle verbindet der Hunger nach Neuem, nach anderen Wegen, nach Weiterentwicklung. Ich stehe in ständigem Ideenaustausch mit diesen Experten. Wir treffen uns immer wieder. Dadurch verändert sich die Sichtweise auf die eigenen Aktivitäten häufig. Und das tut meiner Organisation sehr gut.

Wie werden sich die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kunden in der Zukunft ändern und wie beschäftigen Sie sich damit?

Die meisten Menschen und Organisationen wissen, dass sie in unserer heutigen Zeit nicht stehen bleiben dürfen. Sie müssen sich finden und weiterentwickeln. Viele wollen auch den nächsten Schritt gehen. Aber nicht alle wissen, wie sie das bestmöglich anstellen können. Mein Ziel ist es, diese Menschen zu befähigen, ihr eigenes Potential zu entdecken und damit die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Dafür haben wir Challenge Management entwickelt. Eine Disziplin, die mittlerweile schon erfolgreich als Studiengang an der Universität St. Gallen etabliert ist und am Kompetenzzentrum der Hochschule erforscht wird.

Was bedeutet für Sie Erfolg heute und was glauben Sie, wird sich in der Zukunft an den Bestandteilen von Ihrem Erfolg verändern?

Erfolg ist, wenn man es schafft, einen Einzelnen zu inspirieren, damit er sein Umfeld, seine Organisation nach vorn bringt und diese gesellschaftlich sinnstiftend agiert.

Welche drei Eigenschaften sind Ihnen am wichtigsten bei Mitarbeitern die für Sie arbeiten/Sie rekrutieren?

Sie müssen unternehmerisch und „um die Ecke“ denken können, sie sollen ihr Tun immer wieder kritisch hinterfragen, aber vor allem muss ihr Handeln auf gesellschaftlichen Werten basieren.

„Ich bin kein Supermann“

Welche Themen standen in der Vergangenheit bei Ihnen im Fokus, was beschäftigt Sie heute und was erwarten Sie für die Zukunft?

Obwohl ich meine unternehmerische Karriere schon seit Jahren aufgebaut habe, stand natürlich der Profisport immer an erster Stelle. Das ganze Leben wurde danach ausgerichtet. Jetzt kann ich mich voll auf meine Projekte als Entrepreneur und den Ausbau von Challenge Management konzentrieren.

Was war einer Ihrer größten Fehler in der Vergangenheit und wie haben Sie daraus gelernt beziehungsweise Ihr Handeln verändert?

Ich bin kein Superman. Auch ich habe schon falsche Entscheidungen getroffen und Fehlinvestitionen getätigt. Wichtig ist: Es gibt nicht den „einen großen Fehler“. Wenn man „Mist“ baut, ist das letztendlich ja nur der Dünger für zukünftigen Erfolg.

Was sind momentan Ihre größten Investitionen in die Zukunft?

Ich investiere in meine Mitarbeiter – und damit in den Erfolg meiner Ideen.

Wie wird sich Ihre Branche in der Zukunft weiter entwickeln beziehungsweise verändern?

Ich bin in sehr vielen Branchen tätig. Alle entwickeln sich stetig weiter. Bei den meisten gibt die Digitalisierung die Richtung vor.

Wie würden Sie Ihr (innovatives) Bild des Unternehmens der Zukunft aussehen?

Das ist für mich ein Unternehmen, das sich nicht ausschließlich auf das Handeln konzentriert, sondern zunächst mal eine Haltung schafft. Eine Haltung, die es den Mitarbeitern ermöglicht, die Herausforderungen der Zukunft – insbesondere der Digitalisierung – mit Mut, Optimismus und Offenheit anzugehen.

Wer oder was inspiriert Sie und welchen Einfluss hat das auf Ihre Rolle als Vorstand?

Menschen, die mit bloßen Händen etwas mit Wert geschaffen haben. Es sind diejenigen, die nicht auf die Pessimisten hören, sondern die, die nicht aufgeben, ihren Traum zu erfüllen.